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Lokales

20. November 2017 | 05:15 Uhr

„Schatzsuche“ am Grund der Elbe

vom

svz.de von
erstellt am 17.Apr.2012 | 03:23 Uhr

Wittenberge | Überraschungen gehören für die Wasserbauer, die im Auftrag der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung die Elbfahrrinne frei von Hindernissen halten, zum Arbeitsalltag. "Wir wissen eigentlich nur, dass da am Grund etwas liegt. Was genau es ist, das klärt sich erst dann, wenn es an die Oberfläche kommt", sagt Wasserbaumeister Sven Sonnenburg.

Doch wie erfahren Sonnenburg und seine Kollegen, wo sie nach unbekannten Objekten, die eine potenzielle Gefahr für die Schifffahrt darstellen, suchen müssen? Routinemäßig befährt das Messschiff MS Domfelsen die Elbe entlang der Prignitzer Ufer und fertigt dabei mittels Echolot ein digitales 3D-Modell der Elbsohle an. "Anhand von Farbcodierungen können wir erkennen, ob Objekte vom Grund aufragen", erklärt Sonnenburg. Die meisten Erhebungen, die die Domfelsen registriere, lägen unterhalb der Sollsohle. "Daraus ergibt sich kein akuter Handlungsbedarf. Wenn aber Objekte eine gewisse Höhe erreichen, schreiten wir ein und bergen sie."

Nervenkitzel wenn der Baggerarm abtaucht

Für diese Arbeiten liegt im Wittenberger Hafen ein Schiff mit einem Bagger an Bord. "Zugegeben, es ist jedes Mal ein Nervenkitzel, wenn der Baggerführer den Arm eintauchen lässt", beschreibt Sven Sonnenburg. "Vor einiger Zeit wurde ein Objekt auf Höhe der alten Bahnbrücke gefunden. Und es ist bekannt, dass die 1945 bombardiert wurde. Wir haben aber Gott sei dank keine Bombe gefunden, sondern einen der großen Sandsteine, aus denen die Pfeiler gebaut waren."

In den meisten Fällen ziehen die Arbeiter Totholz aus dem Wasser. "Bäume, die ins Wasser gefallen sind, sich vollgesogen haben und durch Strömungen freigespült wurden, haben wir häufig", sagt Sonnenburg. Auch Anker und Schiffsteile fänden sich mit einiger Regelmäßigkeit. "Durch technische Defekte verliert ein Schiff schon mal seine Schraube, bei Ankern ist es - so hart das klingt - oft die Dummheit von Freizeitkapitänen, die ihren Anker zu Wasser lassen und erst hinterher merken, dass er gar nicht am Boot befestigt war", beschreibt der Wasserbaumeister und muss schmunzeln. Auch Fischereigegenstände wie Reusen und Netze ziehen die Männer regelmäßig aus dem Strom.

Das interessanteste Fundobjekt seiner Dienstzeit war ein roter Honda, der unweit des Elbepegels Wittenberge im Fluss lag. "Ein Boot hat zufällig ein großes Objekt auf dem Echolot entdeckt. Mit einer Stange hat ein Kollege nachgestochen und Metall bemerkt. Das hätte aber immer noch alles mögliche sein können. Als der Greifer ins Wasser tauchte und schließlich ein Auto an die Wasseroberfläche kam, waren alle baff", sagt Sonnenburg. Die Angst, es könnte noch jemand im Auto sein, habe sich aber nicht bestätigt. Die Polizei ermittelte schließlich, dass das Auto bereits sieben Jahre zuvor als gestohlen gemeldet wurde.

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