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Lokales

17. Oktober 2017 | 05:51 Uhr

Scharfe Klingen und lässige Sprüche

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svz.de von
erstellt am 14.Sep.2010 | 07:05 Uhr

Darß | Die lodernden Flammen spiegeln sich in seinen runden Brillengläsern. Marko Knobelsdorf wischt sich die braunen Locken aus der mit Ruß beschmierten Stirn und blickt verschmitzt ins Feuer. "Das hat ein bisschen was vom Vorhof zur Hölle", sagt er und lacht. Knobi - so sein Spitzname - schüttet Steinkohle nach. Die Flammen schlagen immer höher, Rauchschwaden steigen über der Feuerstelle auf und erfüllen die kleine Schmiede bis unter das Dach. Im Hinterraum eines Stalls hat sich Knobi sein Refugium eingerichtet. Vorne meckern die Ziegen, hinten dröhnen die Hammerschläge. Hier fertigt der Darßer nicht nur Türbeschläge oder Treppen, sondern vor allem Rüstungen und Waffen. Per Zufall kam er auf die Idee: Für einen Mittelaltermarkt hat er sich und Freunden Waffen für die Kostümierung geschmiedet. Die fanden auch bei vielen anderen großen Anklang. "Da hab ich gemerkt, da geht was", erinnert er sich. Ob Damaszener Stahlklinge, Schwert oder Axt - Knobis Werke sind Unikate. Exklusive Ware statt 0-8-15-Massenprodukte sei gefragt. Dafür legt Knobi gerne Hand an. Auf maschinelle Hilfe verzichtet er weitgehend. Auf seinen Lufthammer kann und will er dann doch nicht verzichten. "Schatzi" ist in den oberen Teil des Maschinengestells geritzt. "Schatzi ist ein Guter", sagt Knobi, "wenn ich den nicht hätte, bräuchte ich zwei Zuschläger." Die dröhnenden Schläge seines Schatzis sind für ihn wie Musik. Knobi nickt im Takt, während der obere Kolben des Lufthammers rhythmisch und mit voller Wucht auf den glühenden Stahl einschlägt. Bei solchen Grobarbeiten setzt der Schmied auf maschinelle Hilfe. Für Feinarbeiten greift er zum Hammer. Auf dem Amboss schlägt Knobi das Metall in die gewünschte Form. Immer wieder bringt er den schnell erkaltenden Stahl über der Feuerstelle zum Glühen. Noch ein paar Schläge von "Schatzi", noch ein paar Schläge vom Meister selbst - das Messer nimmt langsam Gestalt an. Mit verschiedensten Einsteck-Aufsetzen verleiht Knobi dem Messer auf dem Amboss einen geschwungenen Griff. Mit der Flex trennt er sein Werk vom Stahlrohling ab, schärft die Klinge am Bandschleifer und poliert sie. "Du musst eine schöne Macke haben, aber auch was können", sinniert Knobi über sein Handwerk. Nicht nur Geschick, auch der ein oder andere lockere Spruch nebenbei gehöre zu seinem Job. "Es hat auch etwas mit Unterhaltungswert zu tun", sagt er. Die Mischung aus scharfer Zunge und schneidenden Klingen kommt an. Auf Mittelalterveranstaltungen in ganz Deutschland ist er ein gern gesehener Gast. Seit sieben Jahren ist er auf solchen Märkten unterwegs. Erst kürzlich hat er in Hamburg beim größten reisenden Mittelalter Kultur Festival der Welt - dem Mittelalterlich Phantasie Spectaculum - mit einem Riesenbalsebalg sein Feuer entfacht. Klein aber fein ist hingegen seine Darßer Schmiede. In einem ehemaligen Schweinestall fertigt er nicht nur Waffen und Rüstungen, er gibt auch Laien Schmiedekurse. Mit denen geht Knobi nicht zimperlich um. Zweieinhalb Tage, zehn Stunden am Tag heißt es für Teilnehmer Hämmern, Schleifen und Polieren. Markige Sprüche vom Meister wie "Da kann ich auch meine Tochter holen oder mit dem nassen Lappen drauf hauen", gehören dazu. "Das wollen die auch. Sie mögen es ein bisschen verrucht", erklärt Knobi augenzwinkernd. Notärzte, Raumfahrtingenieure und Lehrer lassen sich vom Darßer Schmied nur allzu gern ins Schwitzen bringen. Lohn für die Mühen: eine handgeschmiedete Blankwaffe, Harnische sowie Werkzeuge nach mittelalterlichem Vorbild. "Früher mussten die Dinger billig sein. Heute sagen sich viele: ,Es kostet zwar ein paar Mark mehr, aber es ist für mich gemacht", sagt Knobi. Kundenwünsche erfüllt er auch an der Schleifmaschine. Mit ihr schärft er Waffen, die die meisten nur aus dem Kino kennen: Ob das Schwert von Vampirjäger Blade oder die scharfen Rasiermesser von Sweeney Todd - es gibt nichts, was Knobi in seiner Schmiede noch nicht als Auftragsarbeit untergekommen ist. Am liebsten aber schmiedet er die Waffen selbst. "Feuer ist einfach so ein geiles Zeug", schwärmt Knobi und blickt zufrieden in die hell auflodernde Flamme.

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