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Lokales

17. Dezember 2017 | 20:33 Uhr

Schädlicher Parkettboden fliegt raus

vom

svz.de von
erstellt am 26.Mai.2010 | 08:48 Uhr

Stadtmitte | Er sieht noch gut aus. Ist kaum beschädigt. Trotzdem wird der fast sechzig Jahre alte Parkettboden im Fischgrätenmuster des Großen Verhandlungssaals herausgerissen. Grund dafür: Das Haus der Justiz in der August-Bebel-Straße 15 bis 20 wird generalsaniert. Gestern hat Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) die seit Anfang des Monats laufenden Bauarbeiten in Augenschein genommen. "Es ist wichtig, die Substanz zu erhalten und moderne Arbeitsbedingungen für die Gerichte zu schaffen", sagt er. Dafür nimmt das Land 13,4 Millionen Euro in die Hand. Bauherr für die bis 2013 andauernden Arbeiten ist der Betrieb für Bau und Liegenschaften.

Vor allem die Holzdielen des 230 Quadratmeter Großen Saals, die wie damals üblich mit rohölhaltiger Bitumenpappe verlegt wurden, müssen nun raus. "Allein bei der Öffnung wird es zu Belästigungen in Form von Teergeruch kommen", sagt Jörg Frank, Architekt vom Greifswalder Büro Frank, Milenz, Rabenseifner. Aus diesem Grund wird in allen drei Bauabschnitten, also den Häusern 1, 2 und 5/6, der Bodenbelag entfernt. Die Heizungs-, Lüftungs- und Elektroinstallationen werden runderneuert und einige Zwischenwände der einzelnen Büros herausgerissen. "Dabei war es schwierig, alle Verkabelungen zu finden, an denen seit den 1990er-Jahren etwas gemacht wurde", so der Architekt, "einige Leitungen waren richtig dicke Tampen." Der Großteil der Fenster bleibt erhalten, jedoch wird die Front zum Innenhof durch neue Scheiben ersetzt und mit einem Sonnenschutz versehen. Die Türen haben bis auf wenige Ausnahmen ausgedient. Außerdem wird ein Heizungskeller, der vier bis fünf Meter in den Boden reicht, zurückgebaut. Eine erst später angebaute Kantine im Innenhof wird abgerissen. Sie weicht einem neuen Anbau, in gleicher Höhe zu den denkmalgeschützten Flügeln. Auf vier Etagen entstehen dort acht neue Verhandlungssäle. Das gesamte Haus der Justiz wird künftig mit einer Rampe und einem Fahrstuhl bis in den Keller behindertengerecht ausgestattet sein. "Dort haben wir auch nicht, wie erhofft, den Geheimgang gefunden", sagt der Greifswalder. In einer Bauzeichnung entdeckten die Planer einen geplanten Munitionsbunker, der letztlich aber nicht errichtet wurde.

Der Große Saal wird mit einem schadstofffreien Parkettboden ausgestattet und bekommt neue Stahlträger. Auch der Kronleuchter aus den 1970er-Jahren wird durch einen Moderneren ersetzt. Eine neue Leinwand, die für Filmaufführungen von zwei Beamern angestrahlt wird, soll den Raum technisch aufwerten. In seiner Form und Gestaltung bleibt der Raum sowie auch der größte Teil des Justizgebäudes unverändert. Vor allem der Eingangsbereich bleibt mit seinem hochwertigen Marmorfußboden erhalten. "Außerdem werden wir dort drei alte Türen des Hauses verbauen", sagt Frank. Was die farbliche Gestaltung des Foyers angeht, hat der Projektleiter Matthias Jahr einen Gutachter beauftragt, der die ursprüngliche Farbgebung ermitteln soll. "Der neue Ton wird sich an diese anlehnen", sagt er. Darüber hinaus bekommt die Außenanlage ein neues Erscheinungsbild. Es wird mit Grünpflanzen und Bäumen bestückt. Voraussichtlich Ende 2011 werden die Arbeiten am ersten Bauabschnitt beendet sein. 2012 folgt der zweite und 2013 der dritte Abschnitt. Das Landgericht ist für die Dauer der Sanierung in die Alte Post umgezogen. Arbeits- und das Sozialgericht sowie Teilbereiche des Oberlandesgerichts bleiben im Haus.

Das Gebäude: An Gotik orientiert

Die viergeschossige Anlage in der August-Bebel-Straße umfasst sechs Flügel, die um einen Innenhof herum angelegt sind. Ausgenommen davon ist der ehemalige Gefängnisflügel. 1956 wurde das damalige Gebäude für das Ministerium der Staatssicherheit des Bezirkes Rostock errichtet. Die Bauweise orientierte sich dabei an gotisch, klassizistischen Merkmalen, welche in norddeutscher Manier in Backstein gehalten ist. Seit der Wiedervereinigung wird das unter Denkmalschutz stehende Haus als Gerichtsgebäude genutzt.


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