Schädelknochenfragmente von 15 Menschen

Auf menschliche Überreste stießen Bauleute im August in der Wollweberstraße. Sie wurden nun anthropologisch untersucht.
Auf menschliche Überreste stießen Bauleute im August in der Wollweberstraße. Sie wurden nun anthropologisch untersucht.

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11. November 2009, 08:47 Uhr

Perleberg | Bei Schachtungsarbeiten stießen Bauleute im August in der Wollweber Straße auf die Überreste von drei menschlichen Schädeln und Knochen. Die Fundstücke scheinen älteren Datums zu sein, vermutete Dr. Kay-Uwe Uschmann, der die Bauarbeiten in der Straße archäologisch begleitet. Auch sei der jetzige Fundort mit großer Wahrscheinlichkeit nicht identisch mit dem, an dem sie einst begraben wurden.

Der Fund wurde vermessen, dokumentiert, kam ins Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und archäologisches Museum und wurde einer Anthropologin vorgestellt. Was mittels der Wissenschaft nun herausgefunden wurde, das erfuhr der "Prignitzer" gestern von Dr. Kay-Uwe Uschmann.

Bei den Funden handelt es sich um rund 15 Schädelfragmente, neun von Frauen und sechs von Männern. Erwiesen ist, dass es Erwachsene waren, die beerdigt und später dann im Bereich der Wollweberstraße verbracht wurden, wie der Fachmann sagt. Dafür spreche auch, dass zumeist Schädeldecken gefunden wurden, der Kiefer fehlte. Uschmann nimmt an, dass sie vom einstigen Friedhof an der St. Nicolai-Kirche stammen. Vor dem Krieg wurde in der Wollweberstraße eine neue Abwasserleitung verlegt. Im Zuge dessen könnte man den alten Friedhof tangiert haben. Wie alt die Konchen sind, das konnte jedoch nicht bestimmt werden.

Günther Seier, Archäologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Stadtmuseums, weiß von einer Ersterwähnung der St. Jacobi-Kirche im Jahre 1299. Da übernahm diese die Funktion der Stadtkirche, die zuvor St. Nikolai inne hatte. Mit der Kirche entstand zumeist auch immer ein Friedhof. Wie lange der von St. Nikolai von Bestand war, könne er nicht sagen. 1632 schlug in den Turm der Kirche der Blitz ein. Vermutlich bis 1750 wurde das Gotteshaus aber noch genutzt. Dann sei das Kirchenschiff so marode gewesen, dass der Bau systematisch abgetragen wurde. Doch verbrieft sei das nicht, auch nicht, ob da noch der Friedhof bestanden und betrieben wurde. Insofern könne man daraus auch nicht das mögliche Alter der Funde ableiten.

Interessant ist aber, dass einer der weiblichen Schädel im Stirnbereich ein Metallstück aufwies, das von einem Gegenstand durchdrungen worden war. Doch man könne nicht daraus schließen, ob das die vermutliche Todesursache war. Im Kieferbereich konnte ein Abszess nachgewiesen werden, der unter Umständen zu einer Blutvergiftung und zum Tod der Frau geführt haben könnte.

Straßenbau geht weiter Derweil gehen die Bauarbeiten in der Wollweberstraße und den Gassen weiter. Der Unterbau in der Ochsengasse ist fertig, die Entwässerungsrinne auf halber Strecke eingebaut. Im Abschnitt Ochsengasse/Krumme Straße gilt es, restliche Schmutzwasserhausanschlüsse zu prüfen. Anschließend wird der Regenwasserkanal weitergezogen. Kanal-, Erd- und Straßenbau laufen in der Wollweber gegenwärtig parallel. Im ersten Bereich seien der Geoverbundstoff und die Schotterschicht bereits eingebaut und man beginne mit dem Setzen der Hochborde, informierte Baubetreuer Torsten Benecke.

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