Schädel und Knochen ausgegraben

Archäologiestudent Volker Willers untersucht fachmännisch das Umfeld der Fundstücke. Doris Ritzka
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Archäologiestudent Volker Willers untersucht fachmännisch das Umfeld der Fundstücke. Doris Ritzka

Im Bereich des Schmutzwasserkanals stieß der Bagger urplötzlich auf menschliche Schädelüberreste. Ein Verbrechen sei aber eher unwahrscheinlich, so Archäologe Dr. Kay-Uwe Uschmann von Archäologischen Grabungs- und Forschungsservice archaeofakt. Zwischen Parkplatz und Bäckerstraße werden in der Wollweberstraße derzeit die Versorgungsleitungen erneuert.

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06. August 2009, 08:54 Uhr

Perleberg | Zwischen einem Sammelsurium von alten Leitungen, die vermutlich in den letzten 40 Jahren hier verlegt wurden, lagen sie - die Überreste von drei menschlichen Schädeln und Knochen. Jüngeren Datums scheinen sie nicht zu sein, Bruchstellen deuten auf ein gewisses Alter hin, erläutert Dr. Kay-Uwe Uschmann, der die Bauarbeiten in der Wollweberstraße archäologisch begleitet. Auch sei der jetzige Fundort mit großer Wahrscheinlichkeit nicht identisch mit dem, wo sie einst begraben wurden. Dr. Uschmann geht eher davon aus, dass sie bereits bei früheren Bauarbeiten freigelegt und einfach von den Bauleuten umgelagert wurden, wie der Fachmann sagt. Archäologen habe man nicht geholt und so sei der Fund auch nicht dokumentiert worden. Eine Tatsache, die man immer wieder antreffe, sagt Dr. Uschmann. Zum eigentlichen Alter wollte sich der Fachmann noch nicht festlegen. "Ich gehe davon aus, dass die weiteren Untersuchungen dazu möglicherweise Auskunft geben können." Der Fund werde nun vermessen, dokumentiert, kommt ins Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und archäologisches Museum und wird einer Anthropologin vorgestellt.

Doch nicht nur menschliche Überreste legten die Bauarbeiter in diesem Bereich frei. Etwas weiter habe man ein Stück mittelalterlicher Wegstrecke, Keramik und Tierknochenreste gefunden. "Mittelalterliche Holzwege waren unter anderem mit Stroh und Knochen unterfüttert, um die Feuchtigkeit zu binden", erläutert Uschmann.

Parkplatz ab Montag wieder nutzbar Auch den Fund habe man dokumentiert bevor die Bauarbeiten dann fortgesetzt wurden. Bis dato sei man im Plan, so Thomas Behr. Er begleitet als Bauleiter der Firma Mertens Straßen- und Tiefbau die Arbeiten in der Wollweberstraße. Die Hauptleitungen für Gas, Regen- und Schmutzwasser seinen verlegt. Geplant ist, dass ab Montag der Parkplatz Wollweberstraße von der Uferstraße aus wieder befahrbar ist. Der hintere Bereich des Parkplatzes werden aber auch weiterhin als Baustelleneinrichtung genutzt.

Los geht es nächste Woche dann auch mit dem ersten Abschnitt im Straßenbau, konkret der Bereich vom Parkplatz bis an die Bäckerstraße. Zugleich wolle man nach Möglichkeit in der Krummen Straße punktuell mit Arbeiten an der Schmutzwasserleitung beginnen. Dazu werden individuelle Absprachen mit den betreffenden Grundstückseigentümern geführt. Für ein bis zwei Tage ist die Straße dann aber auch für Fußgänger nicht nutzbar, die Anlieger kommen jedoch an ihre Grundstücke, versichert Torsten Benecke vom zuständigen Ingenieurbüro Rauchenberger.

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