Säule Landwirtschaft bröckelt

Die sozialen Probleme nehmen zu, die Säule Landwirtschaft, die existenzsichernde Arbeit schafft, bröckelt - diese Erfahrungen macht Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann auf ihrer "Wege übers Land"-Tour.

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19. August 2009, 09:03 Uhr

Karstädt | "Der Besuch in der Agrargenossenschaft Karstädt führte uns nochmals deutlich vor Augen, welches Potenzial wir bei uns auf dem Lande haben, das es zu pflegen und zu erhalten gilt. Doch die Säule Landwirtschaft, die existenzsichernde Arbeit als Grundvor aussetzung schafft, bröckelt", sagt Kirsten Tackmann.

Der 23. Tag ihrer jährlichen "Wege übers Land"-Tour führte die Bundestagsabgeordnete der Linken für den Wahlkreis Prignitz/Ostprignitz-Ruppin nach Karstädt. Die hiesige Genossenschaft betreibt Tier- und Pflanzenproduktion, beschäftigt 46 Mitarbeiter und vier Azubis. "Durch die niedrigen Preise können wir nicht mehr kostendeckend produzieren - weder bei Milch, noch mit Marktfrüchten. Der Getreidepreis sank auf zehn Euro pro Dezitonne, so dass die Ausfälle bei Milch nicht mehr zu kompensieren sind", machte Vorstandsvorsitzender Lothar Pawlowski die angespannte Lage deutlich. Nur nebengelagerte Bereiche, wie Photovoltaik oder Biogas, würden einen kleinen Ausgleich schaffen. "Was bleibt, ist weiter an der Kostenschraube zu drehen. Doch haben wir erst zwei neue Arbeitsplätze geschaffen und wollen nicht schon wieder entlassen", meint der Karstädter. Wenig sozial sei ebenso, die Stundenlöhne drastisch zu reduzieren. Pawlowski forderte daher von der Politik, die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft zu verbessern. So müssen zum Beispiel produzierende Betriebe in anderen europäischen Ländern keine Grundsteuer zahlen.

Auch Kirsten Tackmann sieht den Erhalt von Arbeitsplätzen als zentrale politische Aufgabe. "Wir müssen unserer Landwirtschaft faire Wettbewerbsbedingungen sichern und nicht die Sache laufen lassen nach dem Motto: Mal sehen wer übrig bleibt", stellte die Bundestagsabgeordnete klar. Es könne nicht sein, dass vorgelagerte Bereiche wie Molkereien, Handel oder Düngemittelhersteller mehr verdienen, die Urproduktion aber nicht. Hier laufe die Kostenentwicklung völlig zu Ungunsten der Agrarbetriebe.

Was die Bundestagsabgeordnete auf ihrer Tour übers Land ebenso feststellt: "Seit dem vergangenen Jahr haben die sozialen Probleme zugenommen, Armut wurde ein ernstes Thema." Zu einigen Themen hat sie mit Thomas Domres, Prignitzer Abgeordneter der Linken im Brandenburger Landtag, einen Begleiter an ihrer Seite. "Das hat sich bewährt, bestimmte Probleme lassen sich gemeinsam besser angehen. Und wir haben die Absicht, das auch in den in den nächsten vier Jahren zu tun", so beide mit Blick auf die Wahlen am 27. September.

Ein Thema, das beide bewege, sei der zunehmende Mangel an Fachkräften, aber auch Lehrlingen. "Wir brauchen in der Region endlich eine Rückkehrer-Initiative für Fachleute, die nicht nur bei Arbeitsstellen hilft, sondern auch bei Wohnraum, Kita-Betreuung. Natürlich muss auch das Lohnniveau stimmen, um wiederzukommen."

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