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Lokales

23. September 2017 | 18:18 Uhr

Saatkrähen wieder in den Parkbäumen

vom

svz.de von
erstellt am 17.Mär.2011 | 11:59 Uhr

Wittenberge | Im Dezember hatte der Landkreis das Vergrämen von strenggeschützten Saatkrähen aus dem Park Perleberger Straße am Awo-Pflegeheim genehmigt. Im Februar hat die Arbeiterwohlfahrt dort die Nester der Vögel aus den Bäumen stoßen lassen.

Gestern früh beobachtete der "Prignitzer" an die 30, vielleicht waren es auch 40 oder sogar noch mehr Krähen in den Parkbäumen. Auch einige Nester haben Vögel in den letzten Tagen in den dortigen Platanen gebaut und sie bezogen. "Es ist möglich, dass Saatkrähen schon mit dem Brutgeschäft begonnen haben", sagt Nabu-Experte Falk Schulz auf "Prignitzer"-Nachfrage. Laut Naturschutzgesetz dürfen die strenggeschützten Vögel in dem Moment, in dem sie Eier in ihren Nestern haben, nicht mehr gestört werden.

Muss damit das Vergrämen eingestellt werden?

In der Pressemitteilung der Kreisverwaltung vom Dezember 2010 heißt es: In allen genannten Bäumen können bis zum Ende der Brutperiode (voraussichtlich Ende April) Ultraschall-Vergrämungsanlagen installiert werden."

Das Awo-Pflegeheim und auch andere Anwohner, die sich über die Krähen und den von ihnen verursachten Lärm beklagt haben, dürfte diese Aussage freuen.

Bernd Lindow als der zuständige Bereichsleiter der Kreisverwaltung schränkt allerdings ein: Vor weiteren Vergrämungsmaßnahmen müsse selbstverständlich geprüft werden, "ob Eier oder Jungvögel in den Nestern sind". "Wir sind verpflichtet, das nachzuprüfen." Insgesamt ist Lindow mit dem Ergebnis der Vergrämung aber recht zufrieden, auch wenn sich die geschützten Vögel wieder im Park sammeln. "Es scheint zu klappen. Die Vögel bauen weniger Nester", schätzt Lindow ein. Wie die Umsiedlung der Saatkrähenkolonie und ihre weitere Entwicklung klappt, darüber würde erst das Monitoring (unmittelbare systematische Erfassung) Auskunft geben, das im Zusammenhang mit der Krähenumsiedlung erstellt werden muss.

Vor dem Hintergrund massiver Beschwerden aus dem Seniorenpflegezentrum und von Bürgern, die in der Nähe der Parkbäume wohnen, die die Saatkrähen für die Aufzucht ihrer Jungen nutzen, soll die Saatkrähenkolonie - es handelt sich um eine der größten und damit bedeutendsten des Landes - nicht nur für ein Jahr vertrieben werden. Es geht um eine langfristig Umsiedlung.

Bei der untere Naturschutzbehörde klingt das ganz einfach: "Es (geht) um eine konzeptionelle Lenkung der Tiere …" "Als Lösung für die betroffenen Brutpaare wird eine Besiedlung von Ausweichquartieren im Bereich des Stadtparks und des Clara-Zetkin-Parks avisiert und befördert." Diese Aussage des kreislichen Naturschutzes birgt doppeltes Konfliktpotenzial. Der Clara-Zetkin-Park mag ja dem Krankenhauspark am nächsten liegen, die Saatkrähen sind dort mit Sicherheit aber nicht willkommen. Die Kommune plant eine Umgestaltung des Geländes, beriet sich dazu mit Bürgern, diese wollen dort Sport treiben, spazieren gehen, den Spielplatz nutzen und auch deshalb keinesfalls die geschützten Vögel in den Bäumen haben.

Aber vielleicht kommt es ja auch gar nicht so weit. Denn weder Bernd Lindow noch Falk Schulz als ausgewiesener Experte können sagen, wie man "die Besiedlung von Ausweichquartieren… befördert". Schulz sagte dem "Prignitzer" auf die entsprechende Frage, "direkt befördern geht natürlich" nicht. Man könne versuchen, die Vögel woanders hinzulenken, wie es ausgeht, wisse man nicht. Schulz bezieht sich damit auch auf Erfahrungen der Staatlichen Vogelschutzwarte. Die Saatkrähen würden sich immer Bäume aussuchen, die ihnen fürs Nisten geeignet erscheinen. Sehr wichtig sei, hebt Schulz hervor, sie dann dort auch in Ruhe zu lassen. "Sonst haben wir immer wieder Probleme."

Auch Lindow räumt ein, "dass wir die Vögel nur von dort vertreiben können, wo wir sie nicht haben wollen". Es handele sich also mehr um eine indirekte Lenkung.

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