"Russisch-Roulette" in Güstrow

Der Angeklagte Sebastian Rothe (l.) bespricht sich  mit Anwalt Thomas Penneke.Georg Scharnweber
Der Angeklagte Sebastian Rothe (l.) bespricht sich mit Anwalt Thomas Penneke.Georg Scharnweber

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06. April 2011, 01:57 Uhr

Rostock/Güstrow | Das Landgericht Rostock eröffnete gestern die Hauptverhandlung gegen den 24-jährigen Sebastian R. aus Serrahn wegen versuchten Totschlags. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, in der Nacht zum 31. Oktober 2009 vor der Disko "Night Fly" in Güstrow eine geladene Schusswaffe (Kaliber 7,56 mm) auf den Kopf des Wilhelminenhofers Henry B. (26) gerichtet zu haben. Sebastian R. soll den Abzug mehrmals bedient haben, ohne dass sich ein Schuss löste. Dann habe er die Waffe durchgeladen, um erneut auf den Kopf von Henry B. zu zielen. Dazu sei es aber nicht mehr gekommen, weil Freunde des 26-Jährigen sich auf den Angeklagten stürzten.

Sebastian R. legte gestern ein Geständnis ab. Er sei von Henry B. und seinen Freunden, die alle zu der in Güstrow stadtbekannten "Pohlmann-Gang" gehörten, in der Diskothek zu der Tat provoziert worden. Nachdem ihn die Gangmitglieder beschimpft und einer ihm sogar einen Faustschlag ins Gesicht versetzte, habe er die Disko mit einem Taxi verlassen, berichtet R.. Aus seinem Einfamilienhaus habe er die Waffe geholt und sei wieder zur Disko gefahren. Als er dort ankam, habe die Pohlmann-Bande gerade die Disko verlassen wollen. Vor der Tür sei es erneut zu einer Auseinandersetzung gekommen und dann habe er die Waffe gezogen. Er gab zu, abgedrückt und auch durchgeladen zu haben.

"Ich war fest überzeugt, dass die Pistole gesichert war", sagte der Angeklagte. "Mehr als Angst machen, wollte ich ihm nicht." Ob Henry B. auch der war, der ihn angepöbelt und geschlagen habe, wusste er gestern nicht mehr zu sagen.

Henry B. und Mark P. (30) aus Wilhelminenhof sagten als Zeugen, dass der Angeklagte Ärger machen wollte. Sie bezeichneten ihn und seine Begleitung als "Nazis". Dass sie ihn in der Diskothek geschlagen hätten, wiesen sie zurück. Er sei stark angetrunken gewesen. Zwei Ordner der Gaststätte hätten ihn untergehakt und vor die Tür gesetzt. Als sie später die Disko verließen, stand Sebastian R. vor der Tür. Henry B. habe sich noch mit ihm unterhalten. "Ich sah, dass er eine Waffe in der Hand hatte", sagte Mark P. "Eh, der hat eine Knarre!", habe er gerufen. Der Angeklagte habe abgedrückt und sich geärgert, dass kein Schuss fiel, "das habe ich in seinem Blick gesehen".

R. entschuldigte sich bei B. Dieser nahm die Entschuldigung an. Der Prozess wird am 12. April fortgesetzt. Es sollen weitere acht Zeugen gehört werden.

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