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Lokales

21. September 2017 | 10:39 Uhr

Rundgang startet am Butt von Günter Grass

vom

svz.de von
erstellt am 21.Okt.2010 | 06:47 Uhr

Warnemünde | Erstmals hat das Leibniz-Institut für Ostseeforschung gestern Abend seine vor einem Jahr fertig gestellte Ausstellung "Unsere Baltische Pfütze - wissenschaftlich-künstlerische Betrachtung eines kleinen Meeres" der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Mehr als 20 Interessenten folgten der Einladung ins Foyer des neuen IOW-Anbaus, wo neben Plastiken und Radierungen des Nobelpreisträgers für Literatur Günter Grass auch Ausschnitte aus dem Arbeitsfeld der Ostseeforscher zu sehen sind. Zentrale Figur und gleichzeitig Start für jede Führung ist die ausdrucksstarke Plastik "Der Butt", der in dem gleichnamigen Buch von Grass die Geschichte der Menschheit erzählt. Im Foyer findet der Betrachter auch einen kurzen Abriss der Entwicklung des Instituts sowie ein hochaufgelöstes Foto eines Sedimentkerns. Dieser gewährt den Meeresgeologen einen Rückblick in die Jahrtausende alte Geschichte des Meeres. Zugleich gibt er Hinweise darauf, dass die Probleme in heutiger Zeit nicht allein auf das Fehlverhalten der Menschen zurückzuführen seien. Der Sedimentkern beweist, dass es bereits vor Tausenden Jahren Phasen des Sauerstoffmangels in der Ostsee gab.

Dem Butt begegnet der Betrachter während des Rundgangs immer wieder. Die Radierungen zeigen den Fisch in verschiedenen Stadien und machen den Kreislauf des Lebens deutlich. "Das Thema Zersetzung spielt auch in der Ostsee eine große Rolle. Ist sie doch auch Voraussetzung für neues Leben", sagt Dr. Barbara Hentzsch. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin im IOW verweist auch auf aktuelle Forschungsthemen, die sich beispielsweise mit Sauerstoffmangel und Überdüngung, aber auch mit Blaualgen beschäftigen. "Wir erleben momentan, dass die Ostsee sich verändert. Es gibt Hinweise darauf, dass sich die Frühjahrsblüte verschiebt, früher als bislang stattfindet. Ein weiteres interessantes Thema für unsere Meeresforscher", sagt Hentzsch. "Hai über Land" ist der Titel einer Radierung von Grass, die einen Zigarettenkippen spuckenden Fisch zeigt und damit auf das Umweltproblem, auf Schadstoffe und Müll in der kleinen baltischen Pfütze, wie Grass die Ostsee liebevoll nennt, aufmerksam macht. Interessant ist auch ein großformatiges Satellitenbild der Ostsee von Claudius Diemer. Die Aufnahme entstand im Februar 2004 und damit in einem Monat, wo der Höhepunkt des Winters erreicht ist. Doch das Bild zeigt, dass Bereiche unseres kleinen Meeres bereits von Schnee und Eis befreit sind. Ein Symbol also für regionale und globale Klimaveränderungen.

Weitere Termine für Führungen sind geplant

Nach dem großen Interesse an der gestrigen Veranstaltung, in die Führungen und der Vortrag "Das Gesicht der Meere - Inseln und Küsten aus der Weltraumperspektive" von Claudius Diemer eingebunden waren, steht für das IOW-Team fest: "Wir werden die Ausstellung künftig für die Öffentlichkeit einmal im Quartal öffnen. Die Termine wollen wir rechtzeitig bekannt geben", versichert Barbara Hentzsch. Wie die IOW-Mitarbeiterin sagt, haben sich viele Besucher der Warnemünder Abende, die im Sommer im IOW angeboten worden sind, sowie der Langen Nacht der Wissenschaft die Exposition angesehen. "Wir wollten den Nobelpreisträger einladen, aus seinem Buch ,Grimms Wörter zu lesen. Doch das Interesse ist so groß, dass unsere Räume nicht ausreichen. Deshalb haben wir jetzt den Kontakt zwischen seinem Büro sowie dem Volkstheater Rostock, der Anderen Buchhandlung und dem Kulturamt hergestellt. Vielleicht dürfen wir uns auf eine Lesung im nächsten Jahr freuen", sagt Hentzsch.

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