Ruinen für "Die Macht des Schicksals"

Ulrich Altermann überprüft die Struktur des Bodentuches für die Open-Air-Bühne.
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Ulrich Altermann überprüft die Struktur des Bodentuches für die Open-Air-Bühne.

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09. April 2010, 07:47 Uhr

Schwerin | Das Mecklenburgische Staatstheater bringt bei den diesjährigen Schlossfestspielen wieder eine große Verdi-Oper auf die Bühne: "Die Macht des Schicksals". In zehn Wochen ist Premiere. Bis dahin haben nicht nur die Solisten, Chorsänger und Musiker noch ein gewaltiges Stück Arbeit vor sich, auch in den Theaterwerkstätten und in der Schneiderei wird derzeit mit Hochdruck an den Vorbereitungen gearbeitet. Am Montag beginnt bereits auf dem Alten Garten der Aufbau des szenischen Raumes für die Open-Air-Inszenierung von Peter Lotschak.

In einer alten Lagerhalle am Ziegeleiweg pusten große Heizlüfter warme Luft in den riesigen Raum. Selbst draußen ist es bei frühlingshaften Temperaturen wärmer als drinnen in der ausgekühlten Halle. Die drei Theatermaler, die dort mit Bauschaum, Kork, Klebstoff, Farbe und Schrubbern hantieren, sind dick eingemummelt. Vor ihnen liegen 40 jeweils einen Quadratmeter große Holzquader, die schon beklebt und teilweise bemalt sind, weitere 15 stehen im Rohzustand an der Wand. Ein Stück weiter trocknet ein großes, fast 20 mal 20 Meter messendes Bodentuch, das sich in Farbe und Oberflächenstruktur langsam den Quadern annähert.

"Wir haben den Auftrag, eine Ruinenlandschaft darzustellen", erläutert Ulrich Altermann, Malsaalvorstand des Staatstheaters. Denn die Handlung der Oper spielt in einer Landschaft, die von Krieg und Feuer zerstört ist. Das muss an der Kulisse sofort erkenntlich werden. Die Holzquader werden vor ein Stahlgerüst vorgeblendet, das am kommenden Montag auf dem Alten Garten aufgestellt wird. Dessen Segmente wurden bereits angeliefert. Eile ist also auch bei den Theatermalern angesagt.

"Das ist schon ein Kraftakt", sagt Malermeister Hans-Dieter Kerber. "Wir konnten erst am 15. März in der Halle anfangen zu arbeiten, als der starke Frost raus war. Aber es läuft gut." Er und sein Kollege Georg Kirn sind seit Jahren bei Stoßzeiten im Malsaal als Aushilfen tätig. Sie wissen genau, worauf es ankommt. "Bei jeder neuen Sache muss man sich erstmal rantasten und schauen, was geht", erklärt Kerber. Diesmal bestehe die Herausforderung darin, dass auf dem Bodenbelag eine starke Strukturierung erkennbar, er aber auch dauerhaft begehbar sein muss. "Wir haben die plastisch grobe Struktur durch trittfesten Bauschaum und ein Korkhäckselgemisch erzielt", berichtet Malsaalvorstand Altermann, der die Besonderheiten der Open-Air-Inszenierungen nur zu gut kennt. Am Wochenende können jetzt auch auf den letzten Teilen noch Farbe und Klebstoff trocknen, so dass dem Aufbau auf den Alten Garten nichts mehr im Wege steht.

Während die Theatermaler mit grobem Gerät am Wirbeln sind, surren in der Schneiderei die Nähmaschinen. Denn insgesamt 400 Kostüme werden für "Die Macht des Schicksals" gebraucht. Kostümdirektorin Bettina Lauer kann zwar auf einen großen Fundus zurückgreifen, doch alle Solisten und viele andere Akteure brauchen maßgeschneiderte Garderobe. Bettina Lauer ist sich jedoch sicher, dass alles rechtzeitig fertig ist.

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