Rufe der Ricke für erfolgreiche Jagd genutzt

Klaus Demmel (M.)  übt  mit  Violeta Popa  und  Franz-Josef Schnitter (r.) . Jagdhund Wicki  erduldet die  hohe Töne. Brunhilde  Schmidt
Klaus Demmel (M.) übt mit Violeta Popa und Franz-Josef Schnitter (r.) . Jagdhund Wicki erduldet die hohe Töne. Brunhilde Schmidt

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28. Juli 2010, 01:57 Uhr

Radelübbe | Die Lippen richtig auflegen und feine Töne abgeben - Klaus Demmel gibt den Ton an - auf dem idyllischen Gelände des Forstamtes Radelübbe. Das Gepiepe oder Gefiepe, was dann von allen Seiten her zu hören ist, soll zwar den Rehböcken gefallen - Jagdhündin Wicki allerdings nicht so sehr. Es wird ja auch noch geübt. "Die Musikanten sind ganz bei der Sache", versichert Klaus Demmel mit einem schelmischen Lachen.

31 Gäste - alles Jäger, sind in diesen Tagen zu Gast auf dem Forsthof und lernen. Untergebracht sind sie in Hotels und Pensionen der Region. Dort werden sie gut versorgt - Gäste und auch die Gastwirte sind zufrieden.

Klaus Demmel, eigentlich Tierpräparator und jetzt Hersteller von Lockinstrumenten für verschiedene Tierarten, weist die Jäger in die Geheimnisse der Blattjagd ein.

Allen Nichtjägern zum Verständnis erklärt Amtsleiter Dr. Christof Darsow die Blattjagd: Bei der Blattjagd, die von Mitte Juli bis Anfang August stattfindet, nutzt der Jäger das Brunftverhalten des Rehwildes, um den Rehbock zu jagen. In dieser Zeit sind vom Rehwild Laute zu hören. Diese Brunftlaute des weiblichen Rehwildes ahmt der Jäger bei der Blattjagd nach und versucht so, suchende Böcke anzulocken.

Und diese Laute sind in diesen Tagen in Radelübbe und den zum Forstamt gehörenden Revieren zu hören - mal besser und mal schlechter. Es fiept, es piept und es geht auch manchmal ganz daneben. Das Musizieren mit dem Rottumtaler Blatter - ein aus Geweih entwickeltes Instrument von Klaus Demmel, muss gelernt und geübt werden.

Violeta Popa und ihr Lebensgefährte Franz-Josef Schnitter, beide kommen aus Blomberg, sind leidenschaftliche Jäger. Sie üben intensiv die Laute - die Brunftlaute der Ricke. Jagdhündin Wicki, die mit in Radelübbe ist, kann für dieses Gefiepe nicht so das große Verständnis aufbringen - aber sie muss es eben tolerieren.

Violeta Popa ist eine von vier Frauen, die an dieser Weiterbildung in Radelübbe teilnehmen. Seit 2008 übt sie die Jagd aus. "Es ist eigentlich die Natur, die mich so fasziniert. Ich kann sie so wahrnehmen, wie sie ist - natürlich. Hier geht es um Leben, um Tod, um Geburt und um die Pflege. Es ist schön dabei zusein", erklärt sie .

Jedem persönlich zeigt Klaus Demmel wie der Arm gehalten werden muss, wie Luft geholt wird, das Instrument angesetzt wird. Und es wird geübt einmal, zweimal.

Dann wird die Theorie der Blattjagd wieder in den Vordergrund gestellt und dann auch die Praxis.

Der Tierarzt Jörg Zinke aus Bremerhaven ist schon zum zweiten Mal bei diesem Seminar. Und war auch in den vergangen Tagen bei der Jagd recht erfolgreich. Zwei Rehböcke hat er dank der erlernten Laute angelockt und erlegt. "Es geht aber nicht nur um das Jagen. Ich freue mich an der Natur und mir ist es wichtig, sie zu erhalten."

Das unterstreicht auch Bernd Hegewald, er hat mit 900 Kilometern die weiteste Anreise von Lörrach nach Radelübbe hinter sich. "Das eigentliche Ziel der Jagd ist, das Gleichgewicht in der Natur zu erhalten. Das Rehwild verbeißt die jungen nachwachsenden Bäume in den Wäldern. Wir wollen, dass die Böcke nicht überhand in den Wäldern nehmen und dass der Wald sich auf natürliche Weise regenerieren kann", so Bernd Hegewald.

"Das spart Kosten, zum Beispiel müssen dann in den Revieren auch keine Zäune gesetzt werden", ist Amtsleiter Dr. Christof Darsow überzeugt. "Wir müssen eine Überpopulation in den Wälder vermeiden. Die Jagd ist in diesem Fall Mittel zum Zweck. Die Jäger schießen das Wild nur nach bestätigten Plänen", versichert der Amtsleiter.

Schon seit zehn Jahren zieht Klaus Demmel durch die Lande und nicht nur durch Deutschland, selbst in Sibirien war er schon und hat den Jägern geholfen, mit den Instrumenten die verschiedensten Tierlaute zu imitieren. In Radelübbe ist er nach 2009 zum zweiten Mal. "Die Bedingungen hier sind einmalig", lobt er das Forstamt Radelübbe. Er geht zu den Jägern zurück, und es wird weiter gefiept.

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