Rührt die Ortsnamen nicht an

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06. Juli 2010, 08:51 Uhr

GroSS Pankow | Geht es nach dem Wunsch der Groß Pankower Gemeindeverwaltung, dann wird am 15. Juli ein weitreichender Beschluss gefasst zu neuen postalischen Anschriften im gesamten Gemeindebereich. Seit der letzten Gemeindevertretersitzung liegt ein Vorschlag vor: Das skandinavische Modell. Danach gibt es in den Orten keine Straßennamen mehr, nur noch Hausnummern. Die Adresse lautet also beispielsweise Herr Mustermann, Musterhausen 11, Gemeinde Groß Pankow (Prignitz). Natürlich muss vor den Gemeindenamen noch eine Postleitzahl. Wie die künftig lautet, ist derzeit allerdings noch nicht klar. Denn bislang gibt es im Gemeindebereich zwei Postleitzahlen. Eine für die Orte, die früher zum Altkreis Perleberg gehörten, eine für die des Altkreises Pritz walk. Mit der neuen postalischen Anschrift, so sie von der Mehrheit der Gemeindevertretung beschlossen wird, soll bei der Deutschen Post auch eine einheitliche Postleitzahl beantragt werden.

Seit Monaten wird in der Gemeinde Groß Pankow (Prignitz) über das Thema diskutiert. Zunächst allerdings nur über die Änderung von doppelten Straßennamen. Im Zuge der Gemeindegebietsreform 2002, als aus dem Amt die Gemeinde Groß Pankow (Prignitz) wurde, hatte es schon einmal Umbenennungen gegeben. Allerdings waren damals nur Namensdoppelungen innerhalb der Ortsteile verändert worden. So gibt es jetzt in der Gemeinde beispielsweise mehrere Lindenstraßen. Das könne nicht so bleiben, machte Bürgermeister Brandt schon im Januar geltend und beruft sich dabei auf die gemeinsame Festlegung von Industrie- und Handelstag, Städtetag sowie Städte- und Gemeindebund mit der Post, auf deren Umsetzung auch das brandenburgische Innenministerium dränge. Für ihn ist diese Forderung nachvollziehbar. So könne es beispielsweise bei der Benachrichtigung von Hartz-IV-Empfängern zu Problemen kommen, wenn der gleiche Straßenname in mehreren Orten auftaucht. Noch brisanter werde es, so Brandt, wenn 2011 die zentrale Leitstelle für Not- und Katastrophenschutzdienste in Potsdam eingerichtet werden soll. Denn dort sei man nicht mehr so ortskundig wie jetzt in der kreislichen.

Was allerdings bei dieser Argumentation nicht so offensichtlich wurde, ist die Tatsache, dass es nicht allein um die Änderung der doppelten Straßennamen geht, sondern um die gesamte postalische Adresse. Darauf macht Gemeindevertreter und Ortsvorsteher von Klein Gottschow, Reinhard Benn, aufmerksam. "Wir hätten dann alle verschiedene Straßennamen, nur der Wohnort taucht in der Adresse gar nicht mehr auf. Denn nach Namen, Straße und Hausnummer kommt die Postleitzahl und der Gemeindename. Das führt nicht nur zu Verwirrungen bei Besuchern, welcher Fremder weiß schon, welche Straße zu welchem Ort gehört. Das zerstört auch die Verbundenheit der Bewohner mit ihrem Dorf", argumentiert Benn. Für ihn ist das ganze Folgeprozedere der Gebietsreformen eine von Bürokraten gemachte Eulenspiegelei, die nur hohe Kosten verursache und die Bewohner verwirre. Auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung hielt er deshalb ein leidenschaftliches Plädoyer dagegen, räumt allerdings auch ein, dass es wohl ein Kampf gegen Windmühlen sei. Wie er sich am 15. Juli entscheidet, wisse er noch nicht. Das jetzt favorisierte skandinavische Modell hält er aber immerhin für das kleinere Übel. "So behalten wir wenigstens unsere Ortsnamen in der Adresse."

Für Klein Gottschow wären die Folgen, die mit dem neuen Modell einhergehen, auch recht überschaubar, denn hier gibt es nur zwei Straßen. "Da müssen wir kaum Hausnummern ändern", erklärt Groß Pankows Ordnungsamtsleiterin Gudrun Dahlke. Noch weiteren sechs Orten der Gemeinde geht es wie Klein Gottschow, elf haben sogar nur eine Straße, werden also auch keine Hausnummern ändern müssen. Anders dagegen bei den größeren Dörfern mit mehren Straßen wie Wolfshagen, Groß Pankow oder Lindenberg. "Da werden wir die Hausnummern sicher alle neu festlegen müssen", schätzt Gudrun Dahlke ein. Für die Anwohner heißt das, sie benötigen neue Nummernschilder. Ansonsten, so verspricht Bürgermeister Brandt, entstünden den Bürgern aber keine Kosten durch die Änderung der Anschriften. Personalausweise und auch Kfz-Zulassungen würden kostenlos geändert.

Noch ist es aber längst nicht soweit, denn zunächst muss die Gemeindevertretung zustimmen und dann das neue System bei der Post beantragt werden, einschließlich einer neuen Postleitzahl. Und die Post benötige sicher längere Zeit für die Änderung, ist sich Gudrun Dahlke sicher. Es könne bis zu einem Jahr dauern.

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