Rotieren für eine menschliche Welt

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14. August 2010, 01:57 Uhr

parchim | Ein wenig geheimnisumrankt sind sie immer noch, die Rotarier, aber zu Unrecht. Denn die Mitglieder der ältesten Serviceorganisation der Welt stehen täglich mitten im Leben ihren Mann oder ihre Frau. Wie der Dargelützer Günter Schulze, der jetzt die Präsidentschaft des Parchimer Clubs übernommen hat und den viele im Landkreis als Leiter des Marktbereichs Parchim der VR-Bank - und als freundlichen und zuvorkommenden Mitbürger - kennen und schätzen.

Die Mitglieder der Rotary Clubs sind Führungskräfte aus allen Berufen und setzen ihre beruflichen Fähigkeiten in ehrenamtlicher Arbeit ein. Dies tun sie nicht zu ihrem eigenen Vorteil, sondern um in der Gesellschaft etwas zu bewegen und ihr Motto "Selbstlos dienen" zu verwirklichen. Sie machen sich für die Einhaltung hoher ethischer Normen in allen Berufen stark und tragen zu Völkerverständigung und Frieden in der Welt bei. Für das neue Rotarische Jahr (1. Juli bis 30. Juni) gilt die Losung "Gemeinschaften bilden, Kontinente verbinden". Günter Schulze hat entsprechende Schwerpunkte für sein Präsidentenjahr gesetzt.

So wollen die Rotarier ein Migrantenprojekt der Parchimer Fritz-Reuter-Schule unterstützen. Kinder elf verschiedener Nationalitäten besuchen hier den Unterricht. Integration ist in dieser Schule mehr als nur ein Wort. Lehrer und Schüler haben deshalb ein interkulturelles Projekt auf die Beine gestellt, das vor den Osterferien stattfinden wird. Jede Klasse ist mit einem speziellen Thema dabei. Beschäftigen sich einige Mädchen und Jungen mit dem Orient, besuchen andere die jüdische Synagoge in Berlin. Wieder andere fahren zur KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen. "Wir wollen uns nicht nur materiell sondern auch persönlich einbringen", sagt Günter Schulze.

Der Parchimer Rotarier-Präsident freut sich über die sehr hohe Lernwilligkeit einzelner Schüler. Hier bieten die Freunde (so nennen sich Rotarier untereinander) auch Praktika in ihren Betrieben. Überhaupt scheint die Zukunft Jugendlicher Herzenssache. "Meet the Profesionals" heißt eine Internetplattform. Dort können Gymnasiasten auf Studienfachsuche Rotarier kontaktieren, und sich über deren breit gefächerte berufliche Erfahrungen austauschen. Hier arbeiten die Parchimer mit den Ludwigslustern und Schwerinern zusammen. Der dortige Präsident Hans Thon ist ein guter alter Bekannter und Ehrenmitglied der Parchimer Rotarier. Weltweit befördern Rotarier den internationalen Jugendaustausch. Gerade hat eine Parchimerin ein Jahr in Indien gelebt (wir berichten). Die Parchimer unterstützen die weltweite Rotary-Impfaktion gegen Kinderlähmung und haben das Stipendium für einen polnischen Studenten der Hochschule Viadrina in Frankfurt/Oder übernommen. Sie haben ein Wildgatter in Putlitz gebaut, den Verein Hai Live gegründet, der Behinderten das Segeln möglich macht. Und sie haben ein Dauerprojekt, nämlich die Parchimer Tafel. Das aktuelle Fahrzeug ist eine Spende der Rotarier.

So viel können nur Menschen bewirken, die sich freundschaftlich verbunden fühlen. Günter Schulze schätzt denn auch an den Parchimer Rotariern "die Offenheit für neue Freunde" Der 56-Jährige: "Ich fühle mich persönlich sehr wohl unter vielen Gleichgesinnten , die ihre Vorstellungen vom Gemeinwohl realisieren wollen." Irgendwie bleibt beim Reporter dann aber doch ein Rest von "rotarischem" Staunen übrig: Darüber, dass es in unserer Ellenbogen-Gesellschaft noch Menschen gibt, die einfach für andere zupacken.

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