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Lokales

17. August 2017 | 05:38 Uhr

Rote Kartoffel mit Sensor

vom

Neubrandenburg | Mit Schrittgeschwindigkeit steuert Lutz Thrandorf im vorpommerschen Groß Kiesow den Kartoffelroder über das Feld. Etwa 50 Meter vor der Erntemaschine stakst Sabine Heeren in Gummistiefeln durch die Furche. Dann verbuddelt die Neubrandenburger Agrarbiologin im Acker schnell fünf grün angemalte Kartoffeln. Zum Schluss kommt eine knallrote Kartoffel unter die Erde. Sekunden später wird die mit einem Sensor ausgestattete Knolle den poltrigen Weg über die Laufbänder des Roders bis zum Schlepperanhänger absolvieren und dabei den Forschern wichtige Daten über bestehende Beschädigungsrisiken liefern.

Die Prozedur dauert nur etwa 50 Sekunden. Zuerst rollen die grünen Vorwarnkartoffeln über das Band, dann fischen Erntehelfer die rot markierte Testknolle aus der prall gefüllten Kartoffelpalette heraus. Eine Spezialistin vom Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim (ATP) pult aus der zugepfropften 200-Gramm-Knolle einen batteriegroßen Sensor und dockt ihn zum Auslesen der gespeicherten Daten über Stoßbeschleunigung und -heftigkeit an den Laptop an. "Unser Kartoffel-Sensibelchen gibt uns nun genau Auskunft darüber, wie es ihm im Innern der Erntemaschine ergangen ist", erklärt Heeren.

Die mehrfach wiederholten Tests sind Bestandteil eines Forschungsprojekts, das die Hochschule Neubrandenburg derzeit mit Experten von ATP und Kartoffelbauern der Agrar GbR Groß Kiesow betreibt. Das bis Anfang 2012 laufende Vorhaben werde vom Bund mit 207 000 Euro gefördert, sagt Projektleiter Gerhard Flick. Der Professor für Agrarwirtschaft erläutert: "Wir wollen jene Stellen finden, bei denen die Kartoffeln Risiko laufen, beschädigt zu werden." Denn schadhafte Knollen bekämen dunkle bis schwarze Flecken, die zu Verkaufseinbußen führten.

Bis auf 20 Prozent könnten sich die Verluste durch solche Schäden addieren, sagt Doreen Riske, Chefin der Agrargesellschaft in Groß Kiesow, die in diesem Jahr auf 280 Hektar Stärke- Pflanz- und Speisekartoffeln angebaut hat. "Unsere Kunden könnten mit Kartoffeln mit tiefen schwarzen Flecken nichts anfangen. Meist müssen wir dann diese Ware wieder zurücknehmen." Etwa ein Drittel der Groß Kiesower Knollen gehen zum Beispiel an einen bundesweit bekannten Verarbeiter in Stavenhagen. Kartoffeln mit Flecken, die tiefer als drei Millimeter in die Frucht reichten, könnten nicht mehr verarbeitet werden, sagt der Unternehmensberater Frank Fritzler. Dann würden zum Beispiel im Püree oder im Kloßteig unansehnliche schwarze Pünktchen vorkommen.

Die Tests der Neubrandenburger Wissenschaftler könnten den Landwirten Schwachpunkte im Ernte-, Transport- und Lagerprozess aufzeigen, die durch optimierte Technologien reduziert werden könnten. Die Nutzung von Dämmmaterialien oder Fallsegeln können den Aufprall der Kartoffeln mildern. In zwei Jahren wollen die Forscher nicht nur Empfehlungen für die Kartoffelanbauer, sondern auch für Hersteller von Ernte- und Transportmaschinen, Spediteure und sogar für Züchter vorlegen. Deshalb sollen im Labor verschiedene Kartoffelsorten getestet werden.

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erstellt am 19.Sep.2010 | 07:07 Uhr

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