Rostocks Hafen wird sauberer

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29. April 2010, 10:36 Uhr

Rostock | Der Kreuzfahrtterminal in Warnemünde bekommt Abwasserleitungen. Durch diese soll in Zukunft ein Großteil der Abwasser aus den Tanks der Cruiser direkt in die Rostocker Kanalisation entsorgt werden. "Wir werden unsere Liegeplätze so ausstatten, dass das meiste Grauwasser während des Aufenthalts der Schiffe im Hafen abgepumpt werden kann", berichtet Christian Hardt, Sprecher der Hafen-Entwicklungsgesellschaft Rostock (Hero).

Die Leitungen sollen im Zuge der Bauarbeiten zum Verknüpfungspunkt des Öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) Nordkreuz verlegt werden. "Nach Ende der Saison werden wir das Projekt in Angriff nehmen", verrät der Hafen-Sprecher. Bislang werden die Abwässer per Tankwagen oder Bargen - flache Schiffe mit großen Tanks - entsorgt.

Damit kann ein Kreuzfahrtschiff jedoch nicht vollends geleert werden. Die meisten Ostseehäfen sind technisch nicht dafür ausgerüstet, innerhalb weniger Stunden die riesigen Sammeltanks der Kreuzfahrtschiffe und Fähren zu entleeren und das Abwasser abzutransportieren. Allein Helsinki, Kopenhagen und Visby (Schweden) verfügen laut World Wide Fund of Nature (WWF) über geeignete Entsorgungsanlagen, die mehr als 20 weiteren Kreuzfahrthäfen nicht.

Nach wie vor gibt es keine verbindlichen Regeln darüber, wie Fahrgastschiffe mit ihren Abwässern umzugehen haben. Einen Antrag der Ostseeanrainerstaaten für ein strengeres Reglement wurde von der International Maritime Organization (IMO) vorerst abgelehnt. Auf hoher See - also außerhalb der Zwölf-Seemeilen-Zone - können Schiffe ihre Abwässer im Meer entsorgen. Zuvor werden diese einer Reinigung unterzogen. Die Umweltorganisation WWF hält diese jedoch für unzureichend.

Dr. Günther Nausch vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde sieht Handlungsbedarf: "Die Ostsee ist eines der am meisten befahrenen Meere. Durch die Kadettrinne fahren jährlich etwa 66 000 Schiffe." Dabei könnten die abgeleiteten Abwasser zur Gefahr werden. Der Forscher spricht von Überdüngung, die unter anderem zu vermehrtem Algenwachstum führt.

Rostock-Warnemünde wird zum Beginn der Saison 2012 mit der neuen Vorrichtung aufwarten können. Das etwa 1,7 Millionen Euro umfassende Projekt wird durch Landesmittel gefördert.

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