Rostocker Experte: Kohle unverzichtbar

Ist Steinkohle unverzichtbar für unseren Energiehaushalt? dpa
Ist Steinkohle unverzichtbar für unseren Energiehaushalt? dpa

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08. Mai 2011, 08:02 Uhr

Eine vollständige Versorgung Deutschlands allein mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen ist nach Ansicht des Rostocker Experten Harald Weber illusorisch: „Wind- und Sonnenenergie können ohne konventionelle Kraftwerke nicht existieren, weil wir bislang keine Speicher und Speicherkraftwerke haben“, sagt der Leiter des Rostocker Instituts für Elektrische Energietechnik. Doch selbst wenn eines Tages ausreichend Speicher da sein sollten, müssten Windräder mit mehrfacher Leistung des eigentlichen Bedarfs aufgestellt werden, weil der Wind nicht konstant wehe. „Um eine Kilowattstunde Windenergie als Arbeit zu speichern, muss man bis zu zehn Kilowatt Leistung installieren“, rechnet der Professor vor.

Weber vermutet, dass die Bundesregierung demnächst die sieben älteren Atomkraftwerke endgültig abschalten, die neueren aber vorerst am Netz belassen wird. Dann werde man versuchen, durch regenerative Energien den Anteil der Kernkraft zu ersetzen, der Rest würde aus Stein- und Braunkohle kommen. Deutschland werde zudem Atomstrom aus Frankreich und Tschechien sowie Kohlestrom aus Polen importieren. „Auf CO2-Reduktion und den Klimaschutz wird man dann erst mal pfeifen“, ist sich Weber sicher.

Gaskraftwerke wären seiner Ansicht nach eine umweltfreundlichere Alternative zur Kohle. Bei der Verbrennung des im Erdgas enthaltenen Methans entstünden je Methanmolekül nur ein Molekül Kohlendioxid, aber zwei Moleküle Wasser. Um die gleiche Energiemenge rein aus Kohle zu erhalten, entstünden aus drei Molekülen Kohlenstoff auch drei Moleküle CO2, also die dreifache Menge. Das Problem sei jedoch: „Erdgas ist endlich.“

Zu einigermaßen wirtschaftlich vertretbaren Preisen werde dieser Rohstoff nur noch 20 bis 30 Jahre zur Verfügung stehen. Die „riesige Konkurrenz“ des Importlandes China werde den Preisanstieg beschleunigen. Zudem könne Erdgas auch zum Heizen und für den Verkehr benutzt werden, was diesen Zeitraum noch mal verkürzen werde.

Kohle könne aber noch mindestens 200 Jahre einigermaßen preiswert gefördert werden. „Steinkohle wird noch 200 bis 300 Jahre zu vernünftigen Preisen verfügbar sein“, ist sich Webersicher. Die Abscheidung, Verpressung und unterirdische Lagerung des klimaschädlichen CO2 sei in einem relativ einfachen Verfahren möglich. Allerdings sei auch die Verklappung des eigentlich harmlosen Kohlendioxids nicht ganz risikofrei. „Ich muss Riesenmengen verklappen“, erläutert der Energiewissenschaftler. Sollte bei einer Havarie eine große Menge CO2 aus einem Speicher austreten und zum Beispiel in ein bewohntes Tal sinken, könnten die Menschen dort ersticken, da CO2 schwerer ist als Luft.

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