Rostocker erforscht Grönemeyer

Student Florian Koeppe  im Kreuzgang der Hochschule für Musik und Theater (HMT) in Rostock mit dem „Best Of“-Album Herbert Grönemeyers „Was muss muss“. Der Doktorand forscht über Deutschlands erfolgreichsten Musiker und schreibt seine Doktorarbeit über ihn. Grönemeyer startet Dienstag auf der Rostocker Iga-Park-Bühne seine Deutschland-Tournee zu seinem neuem Album „Schiffsverkehr“. Die dreiwöchige Tour bis zum 23. Juni dieses Jahres umfasst insgesamt elf Konzerte in Deutschland sowie drei Auftritte in Österreich und der Schweiz.dapd
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Student Florian Koeppe im Kreuzgang der Hochschule für Musik und Theater (HMT) in Rostock mit dem „Best Of“-Album Herbert Grönemeyers „Was muss muss“. Der Doktorand forscht über Deutschlands erfolgreichsten Musiker und schreibt seine Doktorarbeit über ihn. Grönemeyer startet Dienstag auf der Rostocker Iga-Park-Bühne seine Deutschland-Tournee zu seinem neuem Album „Schiffsverkehr“. Die dreiwöchige Tour bis zum 23. Juni dieses Jahres umfasst insgesamt elf Konzerte in Deutschland sowie drei Auftritte in Österreich und der Schweiz.dapd

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29. Mai 2011, 07:55 Uhr

Herbert Grönemeyer kehrt zurück auf die Bühne. Morgen startet der Rock-Poet im Rostocker Iga-Park seine neue Tournee. Sie wird ihn und seine Band bis zum 24. Juni in 15 weitere Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz führen. Bei der offiziellen Vorstellung des neuen Albums „Schiffsverkehr“ im März hatte der heute 55-Jährige seine große Leidenschaft für das maritime Leben offenbart – passend dazu wird sein erstes Konzert mit den neuen Songs nur ein paar 100 Meter von der Ostsee entfernt über die Bühne gehen. Während tausende Fans von Herbert Grönemeyer dem Auftakt seiner Deutschland-Tournee entgegenfiebern, betrachtet Florian Koeppe den Rummel mit analytischer Nüchternheit. Der Musikwissenschaftler ist beruflich dem Phänomen Grönemeyer auf der Spur. An der Hochschule für Musik und Theater Rostock (HMT) schreibt er derzeit seine Doktorarbeit über die Frage, warum Deutschlands erfolgreichster Musiker seit Jahrzehnten die Massen derart begeistert.

„Viele sagen, Grönemeyer könne nicht gut singen, aber das stimmt nicht“, sagt der Wissenschaftler. „Er kann mit seinen 55 Jahren immer noch sehr hoch singen, hat viel Kraft in seiner Stimme und trifft die Töne.“ Allerdings sieht Koeppe auch erste Anzeichen, dass die Stimme unter der dauernden Belastung gelitten hat. Noch mehr punkte Grönemeyer bei den Fans mit der Qualität seiner Musik: „In der Popmusik findet man häufig Songs, die aus drei Akkorden aufgebaut sind. Grönemyers Titel sind dagegen harmonisch sehr interessant, manche Titel sind wie klassische Musik von vorne bis hinten durchkomponiert“, sagt er. „Und er wiederholt sich nie, bleibt nicht stehen, jede Platte ist anders. Davor muss man Respekt haben, auch wenn einem die Musik nicht immer gefällt.“

„Bochum“ zählt zu den Lieblingstiteln der Fans

Koeppe hat für seine Arbeit Fans aus ganz Deutschland befragt. Insgesamt hat er mehr als 1000 Fragebögen ausfüllen lassen, reiste dafür zu acht Konzerten. Eine der Fragen lautete: Warum ist Grönemeyer ein Star? „Viele sagten, er sei authentisch, nicht so abgehoben wie andere Stars.“

Für Koeppe ist dieses Image bis heute eine Nachwirkung von Grönemyers Durchbruch 1984. „Mit der Platte ,Bochum’ hat er damals absolut den Zeitnerv getroffen. Das Ruhrgebiet war in einer schweren Krise wegen des Wegbrechens der Montanindustrie und da kam einer und sang: ,Bochum, ich komm aus Dir, Bochum, ich häng an Dir.’ Das hat den Menschen Mut gemacht.“

Dementsprechend weit vorn liegt bei den Lieblingstiteln von Grönemeyer „Bochum“ mit Rang zwei. Platz eins besetzt „Mensch“, Platz drei „Männer“. Das Interesse an der Auswertung der Fragebögen ist groß. Koeppes Doktorvater Hartmut Möller, Professor für Musikwissenschaft an der Hochschule, erwartet, dass die Doktorarbeit den Erfolg Grönemeyers besser nachvollziehen lässt. „Koeppe geht mit seiner Arbeit grundsätzliche Fragen zum Verständnis von Musik an“, sagt Möller.

Was dem Doktoranden jetzt noch fehlt, um seine Arbeit abzuschließen, ist ein Interview mit dem Musiker. „Es wäre wichtig zu wissen, wie einzelne Titel enstanden sind und was er mit ihnen ausdrücken wollte“, erklärt Koeppe. Nur so sei es möglich, zu vergleichen, ob die Interpretationen der Fans mit den Ideen Grönemeyers übereinstimmen.

Ein zweites Treffen hat bisher nicht geklappt

Getroffen hat Koeppe das Objekt seiner Forschung schon einmal, aber nur kurz. „Er konnte sich zuerst gar nicht vorstellen, dass jemand über ihn eine Doktorarbeit schreibt. Aber dann war er sehr nett und interessiert.“ Sie hätten zwar vereinbart, sich noch einmal zu treffen, aber das habe bisher nicht geklappt. Auch vor dem Tourneeauftakt ist ein Gespräch nicht zustande gekommen. Ein bisschen enttäuscht ist Koeppe darüber, aber er will es nicht als Trotz verstanden wissen, dass er nun nicht zum Konzert geht. Vielmehr gefielen ihm schon die letzten beiden Grönemeyer-Platten nicht mehr so wie die vorherigen, wie er sagt. „Ich würde mich jetzt selber nicht mehr als Fan bezeichnen. Aber das ist auch besser so, da kann ich objektiver über Grönemeyer forschen.“

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