Rostocker Brücken über Kanzler-Piste

<strong>So sollen sie aussehen:</strong> das neue Autobahnkreuz an der A 24/A 14 (oben) und die Wildbrücke
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So sollen sie aussehen: das neue Autobahnkreuz an der A 24/A 14 (oben) und die Wildbrücke

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27. Juli 2010, 10:09 Uhr

Schwerin/Rostock | Die spektakuläre Strelasund-Querung hat er in Form gebracht, Brücken entlang der A 19, die aufsehenerregende Wildbrücke über den Rügenzubringer oder Übergänge in Münster: Mit seinen Entwürfen sorgt der Rostocker Brückenarchiteckt André Keipke jetzt auch entlang der Nord-Süd-Autobahn 14 zwischen Schwerin und Magdeburg für Aufsehen. Nach seinen Plänen sollen in den nächsten Jahren alle Brücken über Straßen, Flüsse oder Eisenbahnschienen gebaut werden. Gestern gab ein Preisgericht aus Straßenbauexperten des Bundes und des Landes dem 48-Jährigen den Zuschlag für die 20 Brückenbauten entlang des 25 Kilometer langen Teilabschnitts in Mecklenburg-Vorpommern. Zuvor hatten sich bereits Sachsen-Anhalt und Brandenburg für die Pläne des Rostockers entschieden. Ein einmaliger Auftrag: Alle drei beteiligte Bundesländer hätten zwar auf ihre Besonderheiten gedrängt, erklärte Keipke. Seine Entwürfe "sprechen zwar eine unterschiedliche Sprache, im Verlauf der gesamten Autobahn aber auch eine gleiche Sprache".

Der in Wismar geborene Keipke hat sich mit seinem neun Mitarbeiter zählenden Architekturbüro in Rostock zu einem der führenden Brückenkonstrukteure in Deutschland entwickelt. Jetzt konnte er sich bei dem vom Schweriner Verkehrsministerium ausgeschriebenen Wettbewerb für die Gestaltung der Brücken vom Autobahnkreuz Schwerin bis zur Landesgrenze unter insgesamt drei Bewerbern durchsetzen. "Nicht nur Gebäude , sondern auch Brücken prägen das Landschaftsbild", erklärte Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD). Überzeugt hat offenbar die gestalterische Klarheit, die ruhige und zurückhaltende Beziehung sowie die behutsame Einbindung in die Landschaft, schwärmt Keipke von seinen Entwürfen. Und so stellten blaue Bauelemente den Bezug zu Wasser und Luft, der verwendete gelbe Klinker zu den Rapsfeldern in MV her. In der modernen Gestaltung der Widerlager solle sich die historische Architektur wiederfinden. "Die Entwürfe haben wir ausgewählt, weil sie gut in die Region passen und die Farben der Landschaft aufnehmen", begründete Schlotmann die Entscheidung.

Insgesamt werden auf dem 25 Kilometer langen A 14-Teilstück in MV nach bisherigen Planungen zehn Straßenüberführungen, sieben Autobahnbrücken kürzer als 100 Meter, eine größer als 100 Meter sowie eine Talbrücke über die Eldeniederung, zwei Wildbrücken und das Autobahnkreuz A 14/A 24 errichtet. Die von Gerhard Schröder einst versprochene Kanzlerautobahn gehört allerdings zu einem der umstrittensten Verkehrsprojekte in Norddeutschland. Die vor allem von der Wirtschaft geforderte Nord-Süd-Verbindung schließe eine Lücke im deutschen Autobahnnetz, verbessere die Anbindung der Ostseehäfen in MV und stärke den Nord-Süd-Korridor von Skandinavien zur Adria im europäischen Verkehrsverbund, verteidigt das Verkehrsministerium das Projekt. Umweltschützer hegen allerdings erhebliche Zweifel am Bedarf. Prognostizierte 16 000 Fahrzeuge am Tag rechtfertigten das Milliardenprojekt nicht, erklärte der BUND und forderte deshalb den Bau einer dritten wechselseitigen Überholspur auf den parallel verlaufenden Bundesstraßen 106, 5 und 189 - für 400 Millionen Euro weniger als der Autobahnbau. Der Bund hält dennoch an seien Plänen fest. "Die A 14 hat für die Bundesregierung weiterhin Priorität", heißt es in der Antwort auf Kleine Anfrage des SPD-Abgeordneten Hans-Joachim Hacker. Trotz einer von Bund und Ländern geschlossenen Vereinbarung bleibt die Finanzierung für große Teile des gesamten Projekts wage. Konkrete Zusagen gibt es bislang lediglich für 775 Millionen Euro für die Abschnitte Wolmirstedt - Stendal, Osterburg Karstädt und Ludwigslust-Süd - Autobahnkreuz Schwerin. Die Finanzierung kommt jeweils zu 29 Prozent vom Bund, zu weiteren 29 Prozent aus Bundesmitteln, die den Ländern zufließen, sowie zu 42 Prozent aus dem europäischen Fonds Efre. Sollten die EU-Mittel nicht in gleicher Höhe fließen, müsste die Länderseite bei der zweiten Phase mit ihren Bundesmitteln stärker einspringen. Konkreter wird der Bund nicht. Nur so viel: "Es ist weiterhin vorgesehen, die A 14 entsprechend der Vereinbarung zu finanzieren", weist das Bundesverkehrsministerium in der Antwort auf die Kleine Anfrage Kritik an möglichen Kürzungsplänen zurück.

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