Zwei Riesen im Nordic-Dock

<strong>Bei einem Werftrundgang</strong> erklärt Betriebsingenieur  Klaus Paschen die Arbeiten an der Plattform 'Sylwin alpha'.<fotos>Reiner Frank</fotos>
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Bei einem Werftrundgang erklärt Betriebsingenieur Klaus Paschen die Arbeiten an der Plattform "Sylwin alpha".Reiner Frank

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20. März 2013, 12:03 Uhr

Rostock | Zwei Kolosse bestimmen im Dock von Nordic Yards die Szenerie. Es sind die Konverter-Plattformen "Borwin beta" und "Sylwin alpha". Sie sollen künftig, wie auch die Plattform "Helwin alpha" in Wismar, den Netzanschluss von Offshore-Windparks in der Nordsee ans Festland gewährleisten. Nicht nur ihre Ausmaße sind imposant, wie eine Stippvisite von Mitgliedern des Nautischen Vereins bei Nordic Yards in Warnemünde veranschaulicht. Konzern-Sprecher Stefan Sprunk, der Warnemünder Fertigungsleiter Holger Karl und Betriebsingenieur Klaus Paschen klärten die Nautiker über die Bauprojekte auf. Diese belegen, wie sich die Werftengruppe als maritimer Systemintegrator behaupten will. "Borwin beta" - 72 Meter lang, 51 Meter breit und 35 Meter hoch - ist die erste selbstaufrichtende Offshore-Konverterplattform, die in Deutschland gebaut wird.

Die Umrichterstation, die neben dem technischen Equipment zur Umformung und Weiterleitung des Windstroms auch Wohneinheiten beherbergt, hat in Form und Maß Gestalt angenommen und auch die gelbe Farbgebung ist Indiz für den Baufortschritt. Wichtig vor allem: Die Innenausrüstung des seit Juni vergangenen Jahres schwimmenden Komplexes ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass der Testbetrieb bevorsteht.

Jede einzelne Schweißnaht wird zertifiziert

Allein 400 Kilometer Kabel wurden installiert. Bis zu 500 Mitarbeiter von Nordic Yards waren im Projektverlauf an der Fertigstellung beteiligt. Während der Montage und Erprobung in der Werft kamen zusätzlich bis zu 150 Mitarbeiter von Siemens hinzu. Stefan Sprunk erinnert mit einem Kurzfilm, wie die Plattform zu Wasser gebracht wurde und Platz für die noch größere "Sylwin alpha" machte. Diese ist mit einer Gesamthöhe von etwa 80 Metern, einer Breite von 56 Metern und einer Länge von mehr als 82 Metern die größte Plattform ihrer Art.

Auf einer Barge ruhend wird sie quer übers Dock gebaut. Ein Blick hinauf auf die eingerüstete Plattform zeigt, dass die Schiffbauer, die auf Gerüsten in schwindelerregender Höhe schweißen und schleifen, sich von den gewohnten Tätigkeiten in den Schiffbauhallen umzustellen hatten. Von Beginn an aber war Qualitätsarbeit gefragt. Jede einzelne Schweißnaht wird zertifiziert.

Die Arbeiten in den vorbereitenden Bereichen sind inzwischen getan und konzentrieren sich nunmehr aufs Dock.

Weitere Großaufträge wurden geordert. So hat Alstom eine Plattform in den Abmaßen eines elfstöckigen Hochhauses an Nordic Yards vergeben. Mit "Dolwin gamma" entstehen somit vier von weltweit sieben im Bau befindlichen Konverterplattformen in Wismar und Warnemünde. Zum Leistungsumfang gehören hier neben der Fertigung erstmals auch die Basis- und Detailplanung sowie der Transport und die Installation. Es sei der größte Auftrag in der Werftengeschichte, wie Karl und Sprunk betonen. Das Gesamtvolumen dieses Netzanbindungsprojekts umfasst mehr als eine Milliarde Euro. Die Größenordnung veranschaulichen die Werftmanager anhand einer Visualisierung mit dem Brandenburger Tor, das 26 Meter kleiner ist als die Plattform.

Nordic Yards hat im zukunftsträchtigen Offshore-Windpark-Markt seinen Platz gefunden. Das zeigt auch der Bau eines Schiffes für die Wartung von Windturbinen für ein dänisches Unternehmen in Aarhus. Es ist ein 80 Meter langes, 32 Meter breites Spezialschiff, das sich mit seinen vier Hubbeinen in bis zu 45 Metern Wassertiefe auf dem Meeresboden aufstellen kann, um Servicearbeiten an Windrädern vorzunehmen. Demnächst soll Brennbeginn sein. Für zwei Folgebauten gibt es eine Option. Ende vergangenen Jahres orderte das russische Transportministerium zudem zwei eisbrechende Rettungs- und Bergungsschiffe. Das sind 86 Meter lange und 19 Meter breite Spezialschiffe, deren Bau noch in diesem Jahr anläuft. 2015 sollen sie auf den Gas- und Ölfeldern um Sachalin und Murmansk sowie für Untersuchungen des Meeresbodens zum Einsatz kommen.

Beschäftigung schwankt mit den Arbeitsspitzen

In der Werftengruppe Nordic Yards sind derzeit rund 1135 Angestellte beschäftigt. Die Anzahl der Leute am Standort Warnemünde schwanke mit den Arbeitsspitzen, so Paschen. Während in Warnemünde das Herz des ersten Riesen zu schlagen beginnt, ruhen die Schweißarbeiten in den Schiffbauhallen. Dort ist vorübergehend Kurzarbeit angesagt. Die nächsten großen Brocken aber stehen bevor und stellen wachsende Herausforderungen, wenn "Borwin beta" den Platz im Dock räumt und Kurs zum Einsatzort Borkum nimmt. Die Nautiker zeigten sich beeindruckt, wenn auch vieles mit herkömmlichem Schiffbau kaum noch etwas zu tun hat.

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