Zutritt nur für Menschenaffen

<strong>Misst noch einmal die  Schiebetüre</strong>n in den neuen Affenboxen ab: Pflegerin der Menschenaffen Kerstin Genilke
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Misst noch einmal die Schiebetüren in den neuen Affenboxen ab: Pflegerin der Menschenaffen Kerstin Genilke

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10. Juli 2012, 09:53 Uhr

Rostock | Überall wird gehämmert, geschraubt und lackiert. Zahlreiche Bauarbeiter wuseln umher, hier und da liegen Drähte, Kabel und Werkzeug. Noch ist die Stimmung im Darwineum des Rostocker Zoos - eine der größten Baustellen des Landes - entspannt. Doch es bleiben nur noch wenige Tage, bis ein Großteil des Affenhauses fertig sein muss. Ende des Monats werden die Menschenaffen - fünf Gorillas und zehn Orang-Utans - einziehen. Dann darf niemand außer den Tierpflegern die Räume hinter der Tropenhalle betreten. Eröffnet wird das Darwineum am 8. September.

Zehn Monate nach der Grundsteinlegung im August 2011 beginnt nun also der Feinschliff beim Millionenprojekt Darwineum. "Die heiße Phase steht uns noch bevor. Jetzt wärmen wir uns noch auf", sagt Bauleiter und Zoomeister Falk Petersen. Er hat jeden Bauarbeiter im Blick, weiß genau, wo noch etwas fehlt und ist Ansprechpartner für jedermann.

Eigene Zucht geplant

Derzeit sind täglich mehr als 50 Menschen auf der Baustelle, zu Hochzeiten waren es um die 100. Teilweise wurde nachts und auch an den Wochenenden gearbeitet, um den strengen Zeitplan einhalten zu können. Auf einer Fläche von 20 000 Quadratmetern ist Europas größte Anlage für Gorillas und Orang-Utans entstanden, inklusive Außenbereich, einer Ausstellungsfläche, die den Besuchern die Evolution näherbringt, einer 5000 Quadratmeter großen Tropenhalle sowie eine Gastronomie. Insgesamt 22,94 Millionen Euro stellt das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus des Landes Mecklenburg-Vorpommern als Fördermittel zur Verfügung. 5,4 Millionen Euro werden per Kredit finanziert. Firmen, Schulen, Vereine, Tierpaten und Freunde des Zoos haben eine Million Euro gespendet. "Wir liegen voll im Finanzplan", so Petersen.

Bis das Projekt entstehen konnte, musste sich der Zoo auch mit Gegnern auseinandersetzen. Diese beklagten, dass das Haus auf einer Fläche des Barnstorfer Waldes, in dem sich der Zoo befindet, entsteht und dafür Bäume gefällt werden mussten. Die Fläche sei eine der wenigen großen Grünflächen der Hansestadt, die vor allem von Sportlern genutzt werde. Unterschriften wurden gesammelt, Bürgerinitiativen gegründet - am Ende reichte es nicht für einen Baustopp und am 8. Juni 2011 wurde der erste Spatenstich getätigt. Seitdem wird auf der Baustelle fast täglich gewerkelt.

Im so genannten Backstage-Bereich - wie die Zoomitarbeiter das Areal hinter der Tropenhalle getauft haben - befinden sich die 19 Affenboxen. Dabei werden die Bereiche der Gorillas und der Orang-Utans streng vor einander getrennt. Gerade erst wurden die Wände und der Boden versiegelt, nun werden die Schiebetüren eingesetzt. Tierpflegerin und Hauptbeauftragte für die Menschenaffen, Kerstin Genilke, schaut regelmäßig nach dem Rechten. Die 42-Jährige ist seit 1986 im Rostocker Zoo tätig. Beim normalen Betrieb werden mindestens zwei Pfleger im Backstage-Bereich tätig sein.

Bessere Bedingungen für Mensch und Tier

Anfang der Woche hat Genilke an den Wänden die Stellen markiert, an denen noch Sitz- und Liegebretter sowie Seile angebracht werden sollen. Die Bedingungen, sowohl für die Tiere als auch für die Pfleger, hätten sich wesentlich verbessert. So können viele der Schiebetüren maschinell bedient werden. Das sei weniger anstrengend und zudem auch noch sicherer. "Hinzu kommen kürzere Wege und da jetzt alles auf einer Ebene ist, können wir die Boxen viel einfacher reinigen." Gebaut wurden die Boxen nach den neuesten Sicherheitsstandards für die Haltung von Menschenaffen. Auch Fußboden- und Wandheizungen wurden installiert. Zu viel Spielzeug soll es in den Boxen aber nicht geben. "Die Affen sollen sich ja schließlich in der Tropenhalle aufhalten", so Petersen.

Auf die Reaktion der Tiere sind die Zoomitarbeiter schon jetzt gespannt. Vor allem für Assumbo, dem Gorilla des Rostocker Zoos, könnte die Eingewöhnung etwas stressig werden, weiß seine Tierpflegerin Genilke. "Assumbo muss eine Betäubung bekommen und den Tierarzt kann er nun gar nicht leiden." Entlohnt wird der 34-jährige Menschenaffe dann aber nicht nur mit einem neuen Zuhause, sondern auch gleich mit einer ganzen Herde Gorillas, bestehend aus zwei Weibchen und zwei Junggesellen-Affen. Ziel des Rostocker Zoos ist es, in Zukunft auch für eigenen Gorilla-Nachwuchs zu sorgen. Und auch bei den Orang-Utans wird es Zuwachs geben.

Zoo erwartet großen Besucher-Ansturm

Zum Backstage-Bereich gehört auch die darwineumseigene Futtermeisterei. Zwei Kühlanlagen und eine Küche stehen den Pflegern zur Verfügung. Dort werden die Lebensmittel für alle Tiere vorbereitet - auch für die Galapagosschildkröten, Fische und Faultiere. Insgesamt werden mehr als 40 Wirbel- und 100 weitere Tierarten später im Darwineum leben. Derzeit werden die Kälteanlagen in der Furttermeisterei montiert. "Hier kann nachher alles auf bis zu minus 20 Grad Celsius heruntergekühlt werden", sagt Kälteanlagenbauer Nico Kricheldorf.

Auch hinter den Aquarien und Terrarien befinden sich Bereiche, in die später nur Mitarbeiter gelangen. Dort stehen die Tanks für die Herstellung des Salzwassers. "Die ersten 100 Kubikliter haben wir vor einer Woche angesetzt", sagt Petersen. Sechs Wochen braucht das Wasser, bis es vom Gehalt her ausreichend ist. Und nur noch knapp acht Wochen sind es bis zur Eröffnung des Affenhauses. Der Zoo rechnet schon jetzt mit einem enormen Besucherandrang. Noch kann Bauleiter Petersen gut schlafen. Die Aufregung komme vielleicht dann doch erst kurz vorher.

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