Warnemünde : Zum Angeln auf die Ostsee

Der Berliner Angler Günter Gräßler (Mitte) zeigt Schiffsführer Gernot Wille und Buchhalterin Christine Kurowski stolz zwei seiner prächtigsten Dorsche, die er während der Ausfahrt mit dem Kutter „Hanno Günther“ geangelt hat.   Fotos: Sabine Schubert
Der Berliner Angler Günter Gräßler (Mitte) zeigt Schiffsführer Gernot Wille und Buchhalterin Christine Kurowski stolz zwei seiner prächtigsten Dorsche, die er während der Ausfahrt mit dem Kutter „Hanno Günther“ geangelt hat. Fotos: Sabine Schubert

Wenn die Holzkutter vom Alten Strom auslaufen, nehmen sie zahlreiche Touristen mit auf ihre Touren.

svz.de von
27. Juli 2014, 08:00 Uhr

Schnittige Hochseeyachten, ein paar Angelkähne, mehrere moderne Fahrgast- sowie einige Arbeitsschiffe scheinen das Bild des Alten Stroms von Warnemünde zu bestimmen. Doch dann, so gegen 15 Uhr, laufen die drei Holzkutter der Angel- und Seetouristik GmbH ihre unweit der Bahnhofs-brücke befindlichen Liegeplätze an. Touristen aus nah und fern zücken beim Anblick der in ihren Augen nostalgisch erscheinenden Fahrzeuge erneut ihre Fotoapparate und zoomen die Kutter im rot-weißen Design heran.

An Bord der einstigen Fischereischiffe „Hanno Günther“, „Chemnitz“ und „Doberan“ sind Angler, die ihren Fang teils bereits zerlegt, in jedem Fall aber in die mitgebrachten Kühltaschen verstaut haben. „Das ist der Fang meines Lebens“, zeigt sich Günter Gräßler von der Ostsee-Angeltour an Bord der „Hanno Günther“ rundum zufrieden. Prächtige Dorsche sind dem Berliner an den Haken gegangen.

„Wenn unsere Gäste glücklich sind, dann sind wir es auch“, sagt Schiffsführer Gernot Wille (72), der ebenso wie seine Kollegen aus jahrelanger Erfahrung weiß, wo der Dorsch wann an die Haken geht. „Erfahrungen sind wichtig, um den Fisch aufzuspüren. Aber auch das Wetter und die Jahreszeit spielen eine große Rolle“, sagt Angel- und Seetouristik-Geschäftsführer Frank Wartenberg.

Die Angler kommen aus ganz Deutschland, vorwiegend aber aus Berlin und Brandenburg. Stammkunden reisen zudem aus Bayern und Baden-Württemberg an. „Wir fahren auf Wunsch das ganze Jahr mit unseren seegängigen Kuttern auf die Ostsee. Dennoch sind auch wir wetterabhängig. Denn ist der Wind zu stark, können unsere Schiffe nicht ruhig liegen, angeln ist dann kaum möglich“, so Frank Wartenberg. Zudem kann im Winter das Eis Probleme machen, da es bei einer bestimmten Geschwindigkeit der Kutter messerscharf ist und das Holz beschädigt. Wie der 53-Jährige betont, sind für eine Angelfahrt der Fischereischein und die Angelberechtigung Ostsee Voraussetzung. Eine Alternative ist der Touristenangelschein, der in der Tourist-Information erworben werden kann oder um den sich auf Wunsch die Angel- und Seetouristik GmbH kümmert. Wie Frank Wartenberg hat er an seiner Seite qualifiziertes Fachpersonal, sprich erfahrene Seeleute, die jede Menge Befähigungsnachweise haben müssen, um solch einen Kutter fahren zu dürfen. Sicherheit steht stets und immer an erster Stelle. „Außerdem gehen unsere den strengen Gesetzen entsprechend ausgerüsteten Kutter jährlich einmal in die Werft. Eine teure Angelegenheit“, sagt Frank Wartenberg und nennt als Beispiel eine scheinbare Kleinigkeit: Ein einziger Kübel Unterwasserfarbe kostet 360 Euro. Zwei benötigt er pro Schiff.

Allein mit Angelfahrten auf hoher See könnte das kleine Unternehmen, das mit der politischen Wende aus der Warnemünder Fischereiproduktionsgenossenschaft heraus entstanden ist, nicht überleben. Neue Standbeine wurden gesucht und gefunden. „Unsere Kutter können Interessenten beispielsweise für Firmen-Events und für Familienfeierlichkeiten aller Art für ein oder mehrere Stunden auf Wunsch mit Imbiss und Getränken buchen. Wir laden ein zu Hafen- und Seerundfahrten, begleiten auslaufende Kreuzliner. Und in Abstimmung mit Bestattungsunternehmen bringen wir auch die Urnen Verstorbener hinaus auf See“, um-reißt der Warnemünder das Spektrum seines Unternehmens. Ein Highlight des Jahres, so Frank Wartenberg, ist die Hanse Sail. Schon jetzt sind die Kutter für dieses Event sehr gut gebucht. Doch eine Nachfrage lohnt immer.

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