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Norddeutsche Neueste Nachrichten

19. November 2017 | 13:39 Uhr

Tradition : Zu Silvester gibt es Karpfen blau

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Händler verkaufen zum Fest wieder lebendigen Fisch auf dem Wochenmarkt.

Gebacken, nach Schwiegermutters Art, mit Senfsoße oder ganz klassisch blau: Traditionell kommt bei vielen Rostockern zu Silvester ein Karpfen auf den Tisch – am liebsten fangfrisch und lebend gekauft. „Im Prinzip gibt es sie je nach Wassertemperatur schon ab Oktober, aber Hochkonjunktur haben lebendige Karpfen vor allem zu Weihnachten und Silvester“, sagt Karla Zimmermann vom gleichnamigen Rostocker Fischhandel. Beim Verkauf lege sie großen Wert auf Regionalität und darauf, zu wissen wo die Tiere herkommen, so die 64-Jährige. Sie bekomme ihren Fisch von einem Züchter aus Dabel bei Sternberg. Den fangfrischen, noch lebendigen Karpfen gibt es auf den Rostocker Wochenmärkten für 7,50 Euro pro Kilo.

„Für viele ist es Tradition, ein Stück Kultur, zu Silvester Karpfen zu essen“, sagt Fischverkäufer Michael Sielaff. Seit sieben Jahren versorgt der 29-Jährige vom Fischmobil aus die Kunden am Doberaner Platz oder auf dem Warnemünder Fischmarkt. Nachdem das Geschäft einige Jahre rückläufig gewesen war, gehe der Trend wieder zum Selberkochen, sagt Händlerin Zimmermann. Die Nachfrage sei vor allem bei älteren Rostockern, aber auch jungen Familien hoch, sagt sie.

Die Tradition um den Silvesterkarpfen geht bis ins Mittelalter zurück. Damals haben vor allem die Mönche in den Klöstern während der fleischlosen Fastenzeit auf den Verzehr des Karpfens zurückgegriffen. „Aber auch die bekannte Glücksschuppe wandert noch immer häufig in die Portemonnaies der Kunden“, sagt Sielaff. Außerdem sei es natürlich auch ein Indiz von Frische, wenn diese ihren Karpfen gerade noch im Becken schwimmen sehen konnten. Lebendig mit nach Hause nehmen dürfen die Kunden den Fisch allerdings nicht mehr – das verbietet das Tierschutzgesetz. Zur Tötung von Wirbeltieren bedarf es besonderer Kenntnisse. „Man kennt das von früher, dass der Karpfen noch einen Tag lang in der Badewanne schwimmen durfte, damit er nicht so schlammig schmeckt“, sagt Sielaff. Das sei aufgrund der hohen Qualität heute aber ohnehin nicht mehr nötig. Der junge Fischverkäufer selbst ist kein Fan des Friedfisches. „Ich mag lieber Hering, Flunder oder Schleie. Fische mit festerem Fleisch“, so der Rostocker. Die Karpfen überlässt er daher seinen Kunden – auf Wunsch auch ausgenommen und zerteilt.

Hier gibt es den lebendigen Fisch

• Doberaner Platz: heute 8 bis 18 Uhr, morgen 8 bis 12 Uhr

• Neuer Markt: heute 8 bis 17 Uhr, morgen 8 bis 12 Uhr

• Reutershagen: heute 8 bis 16 Uhr, morgen 8 bis 12 Uhr

• Hannes-Meyer-Platz, Dierkow: heute 8 bis 16 Uhr, morgen 8 bis 12 Uhr

• Fischmarkt Warnemünde: bis zum 1. Januar täglich von 8 bis 17 Uhr

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