Zu Ostern muss die Glocke schweigen

<strong>Abgehängt wartet die Glocke</strong> im Kirchturm auf ihre Abholung.
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Abgehängt wartet die Glocke im Kirchturm auf ihre Abholung.

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29. März 2013, 05:12 Uhr

Kavelstorf | Die Kavelstorfer haben vergeblich gelauscht - ihre Kirchenglocke blieb stumm. Denn das wertvolle Geläut braucht dringend eine Reparatur und wurde deshalb bereits im vergangenen November abgehängt. Am Sonnabend, 6. April, wird die Glocke aus der Kavelstorfer Autobahnkirche abgeholt und zum Spezialisten Hans Lachen meyer ins bayerische Nördlingen gebracht. Doch um das fast zwei Tonnen schwere Exemplar aus dem Kirchturm zu bekommen, muss großes Gerät aufgefahren werden. "Dafür kommt eigens eine Fachfirma mit einem Kran", sagt Pastorin Eike Borowski.

Sie ist seit anderthalb Jahren für die Gemeinde zuständig und war dabei, als ein Gutachter nicht nur den Wert, sondern auch die Schäden an der Glocke feststellte. "Sie ist am Kopf eingerissen, schuld daran ist wahrscheinlich eine falsche Hängung", so Borowski. Außerdem sei ein Riss aufgetreten, der geschweißt werden muss. Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf mehr als 20 000 Euro. Geld, das die Kirchengemeinde aus der eigenen Kasse, durch Fördermittel, aber auch durch Spenden auftreiben will. Bisher sind allein durch Letztere 3500 Euro zusammengekommen.

Einfach eine neue Glocke zu besorgen, kommt für die Gemeinde nicht in Frage. Denn ihr Geläut ist wertvoll. Ursprünglich gab es einmal drei Glocken im Turm. "Die zwei kleineren wurden aber im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen", weiß die Pastorin. Übrig blieb das größte Exemplar. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist nicht nur eine der ältesten Glocken des Landes, sondern auch eine sehr wertvolle. "Denn sie zeigt Darstellungen von der Mutter Gottes und zwei weitere mit den Aposteln Andreas und Philippus", so die Pastorin. Außerdem - und das sei landesweit einzigartig - ist auf der Glocke ein Zeichen des Gießers namens Johannes zu sehen.

Den Menschen im Ort fehlt vor allem der Klang, war die Glocke doch zu Gottesdiensten, Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen zu hören. Wie lange die Kavelstorfer darauf verzichten müssen, ist noch nicht klar. Was aber bereits überlegt wird, ist der Einbau eines Läutwerks. Bisher wurde die Glocke immer von Hand geläutet - eine körperlich anstrengende Aufgabe. Wenn das künftig mittels Technik leichter geht, wird vielleicht auch das Feierabendgeläut um 18 Uhr wieder eingeführt. "Und wir planen, unser Geläut durch zwei neue kleine Glocken wieder zu vervollständigen", sagt die Pastorin. Das würde laut Experten auch die große Glocke entlasten.
Spenden: Volks- und Raiffeisenbank, Knr. 2316986, BLZ 13090000, "Glockenspende"

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