Gerichtsbericht : Zeugen belasten Jörg Sch.

Nachbarin, Angestellter und Haftrichter sagen im Kösterbeck-Prozess gegen mutmaßlichen Messerstecher aus. Angeklagter schweigt.

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20. Oktober 2016, 09:00 Uhr

Erst kam die um Hilfe schreiende Frau mit dem Telefon in der Hand aus dem Haus gelaufen. Taumelnd folgte ihr Mann mit dem ganzen Gesicht voller Blut und in zehn Metern Abstand verfolgt vom Angeklagten. Der hielt ein Messer mit der Klingenspitze nach unten in der Hand, schilderte Zeugin Steffi K. gestern.

Die Aussage der 61 Jahre alten Nachbarin ist Teil des Verfahrens gegen Bauunternehmer Jörg Sch. (48) vor dem Rostocker Landgericht. Er soll am 24. März 2016 mit zwei Küchenmessern in das Einfamilienhaus des Kaufmanns Reinhard M. (59) in Kösterbeck eingedrungen sein und diesen durch Stiche in den Bauch und Schnitte mit Glasscherben im Gesicht schwer verletzt haben. Der Prozess wegen versuchten Totschlags läuft seit dem 1. September. Der Angeklagte schweigt bisher, also haben die Zeugen das Wort.

Einer von ihnen war Haftrichter Mathias H. vom Amtsgericht Rostock. Er berichtete, der Angeklagte habe sich selbst gestellt und persönliche Probleme als Auslöser für die Tat genannt. Darunter finanzielle Sorgen, weil Bauherr Reinhard M. Rechnungen in Höhe von 100 000 Euro für das Mehrfamilienhaus in der Neubrandenburger Straße wegen angeblicher Baumängel nicht bezahlte. Außerdem habe er gesundheitliche und familiäre Probleme angegeben – Depressionen, Alkohol, den plötzlichen Tod des Bruders. Der Angeklagte habe sich nach dem Befinden seines Opfers erkundigt. Jörg Sch. sei belehrt und ärztlich untersucht worden. „Er war vernehmungsfähig“, erklärte der Amtsrichter.

Laut Maik S. (33), Angestellter des Jörg Sch., roch sein Chef oft nach Alkohol. Im Radio habe er von der Messerstecherei gehört und gleich seinen Chef als Täter vermutet, „da mein Auto verschwunden war, das ich immer während der Woche auf seinem Hof abstellte“. Fortgesetzt wird der Prozess am 2. November.

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