Bergung in Rostock : Zeitzeuge: Bombe fiel schon 1941

Hinten ist die Fliegerbombe aufgeplatzt.
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Hinten ist die Fliegerbombe aufgeplatzt. Fotos: Torben Hinz

Wolfgang Bründel hat die Fliegerangriffe auf Rostock im Zweiten Weltkrieg miterlebt – und die erste Sprengung des Blindgängers

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15. August 2015, 16:00 Uhr

Die Spezialisten vom Munitionsbergungsdienst hatten die am Donnerstag gehobene Bombe aus der Hartestraße den verheerenden Fliegerangriffen vom April 1942 zugeordnet. Doch Wolfgang Bründel weiß es besser. „Die ist vom September 1941“, sagt der 79-Jährige. Er und seine Familie wohnten damals in der Nähe des Abwurforts auf Höhe der Hausnummern 26 und 27. Ein Stückchen weiter bekamen die Häuser Nummer 2 und 3 einen Volltreffer ab. „Dabei ist auch mein bester Freund umgekommen“, sagt Bründel.

Sein Vater habe den Angriff damals zufällig vom Turm der Petrikirche aus beobachtet. Anschließend sollte der 500-Kilo-Blindgänger innerhalb von zwei, drei Tagen entschärft werden, habe es damals geheißen. Gedauert hat es am Ende volle zwei Wochen. „Als sie versucht haben, die Bombe auszugraben, sackte sie immer wieder weg“, sagt Bründel. Treibsand behinderte die Bergungsarbeiten. Deswegen musste eine andere Lösung her: „Sie haben dann einen kleineren, 250 Kilogramm schweren Blindgänger aus Markgrafenheide geholt und beide zusammen gesprengt.“ Vermutlich stammt daher das abgerissene Heck der Bombe, über dessen Ursprung die Entschärfungsspezialisten am Donnerstag nur rätseln konnten.

„Das war eine schlimme Zeit damals“, sagt Bründel. „Wir haben oftmals echt Angst gehabt.“ Für den Fall des nächsten Fliegeralarms standen die Koffer gepackt an der Tür. Sein kleiner Bruder und er schliefen immer halb angezogen, um schnell zum nächsten Bunker rennen zu können. Denn viel Zeit blieb nicht, wenn die Sirenen wieder heulten. So auch 1942, als zwischen dem 23. und 27. April fast 500 Flugzeuge mehr als 100 000 Bomben über Rostock abwarfen – erstmals auch gezielt auf die Wohngebiete. 200 Menschen starben, Tausende wurden verletzt und obdachlos. Der Turm der Petrikirche, von dem aus Bründels Vater den früheren Angriff miterlebt hatte, stand zwar noch, allerdings ohne Dach.

„Ich habe alle vier Nächte mitgemacht“, sagt Bründel. Bevor die Bomber am 9. und 10. Mai erneut zurückkehrten, wurden er und seine Familie aufs Dorf evakuiert. Nur sein Vater blieb in Rostock – und eine aufgerüstete Abwehr mit Flugabwehrkanonen, die dicht an dicht bis Bramow standen. „In der Nacht haben sie 18 Maschinen abgeschossen“, sagt Bründel. Die Rückkehr der Familie fiel dennoch alles andere als triumphal aus. Gas, Wasser, Licht – die Versorgung der Stadt war weitgehend zerstört.

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