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Norddeutsche Neueste Nachrichten

21. September 2017 | 03:38 Uhr

Doberaner Münster : Zeitkapseln geben Schätze preis

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Bei der Sanierung der Bekrönung des Doberaner Münsters sind zwei Zeitkapseln von 1892 gefunden worden. Jetzt wurden sie geöffnet.

svz.de von
erstellt am 14.Mai.2014 | 10:00 Uhr

Ganz behutsam setzt Metallrestaurator Wolfgang Hofmann den kleinen Trennschleifer an der Schatulle an. Nicht mehr als einen Millimeter darf er das Gerät im Kupferblech versenken, sonst droht die Zerstörung wertvoller historischer Dokumente.

Die wurden gestern im Bad Doberaner Münster der Öffentlichkeit vorgestellt. „Bei der Sanierung der Bekrönung wurden zwei Zeitkapseln von 1892 gefunden“, sagt Martin Heider von der Münsterverwaltung. Eine Entdeckung, mit der er nicht mehr gerechnet hatte, obwohl es bei Baumaßnahmen auch in der früheren Zeit üblich war, zeitgenössische Gegenstände als Zeugnisse der Vergangenheit in einer Kapsel zu versenken.

Im Münster fanden sich die Boxen nun hoch oben auf dem Turm – festgelötet im Inneren einer Kupferblechkugel unterhalb des Kreuzes. Doch die Kugel wies Einschusslöcher auf. „Als die Restauratoren durch die Löcher geleuchtet haben, wurde im Inneren nichts entdeckt“, sagt Heider. Kein Wunder, wie er jetzt weiß. Schließlich waren die Behältnisse an den Wänden verlötet. „Als ich die Kugel abgenommen habe, war aber zu merken, dass noch etwas drin ist“, erzählt Fred Manske, der die Boxen barg und an Martin Heider überreichte.

Mit Wolfgang Hofmann wurde dann ein Experte herbeigerufen, um die Zeitkapseln fachmännisch zu öffnen. Dabei schauten dem Metallrestaurator gestern auch die Münsterführer über die Schulter. Gespannt warteten alle darauf, was sich im Inneren verbirgt. Das Auspacken der Dokumente übernahm dann Alexander Schacht von der Denkmalbehörde des Landkreises – natürlich mit Handschuhen. „Die Sauklaue kenne ich“, sagte er schmunzelnd beim Anblick der Handschrift vom Doberaner Amtmann Friedrich von Bülow, der die Schatzkisten zur Einweihung des neuen Münster-Turms 1892 gefüllt hatte. Die Papierrolle, die Schacht aus der Zylinderbox zog, verbirgt laut Aufschrift auch noch Münzen und eine Urkunde. Da das Fundstück aber sehr gut versiegelt war, wurde es gestern nicht gleich geöffnet, um weder Siegel noch Inhalt zu zerstören.

Die zweite Zeitkapsel ließ sich zwar schwerer öffnen, gab dann aber direkt alle ihre Schätze preis: Neben einem zweiten Brief des Amtmannes noch einen Staats- und weitere Kalender von 1892 und 1893 sowie ein Gedenkblatt über die preußische Prinzessin Alexandrine. Was mit den Funden passiert, steht noch nicht fest. „Vielleicht packen wir sie zusammen mit aktuellen Dokumenten in eine neue Zeitkapsel und befestigen die wieder in der Kugel, wenn die Sanierung abgeschlossen ist“, nennt Heider eine der Möglichkeiten.

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