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Norddeutsche Neueste Nachrichten

15. Dezember 2017 | 20:52 Uhr

Zeitbomben und Unterwasser-Hotels

vom

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erstellt am 05.Dez.2012 | 09:54 Uhr

Rostock | Im Fischereihafen hat gestern Nachmittag das Spezialschiff "Baltic Taucher II" am Pier vor dem Firmensitz des gleichnamigen Rostocker Taucherei- und Bergungsbetriebes festgemacht. Es kehrte von einem dreitägigen Törn auf der Ostsee heim, wie Projektleiter Kai Ender berichtet. Im Auftrag der ökologischen Forscher von Bioconsult Schleswig-Holstein waren die maritimen Dienstleister auf den Spuren von Schweinswalen im Seegebiet Kriegers Flak, in der Kadetrinne und östlich von Rügen unterwegs. Das heißt, Messbojen, die die Auswirkungen der Umwelteinflüsse untersuchen, wurden aufgenommen, ausgewertet und - so erforderlich - repariert. Eine der Aufgaben, die die Rostocker regelmäßig etwa alle zwei bis drei Monate ausführen.

Das Spektrum der Tätigkeitsfelder aber ist weit gefasst. Die Bandbreite der angesteuerten Projekte reicht von der Schiffsbergung im Achterwasser bis zum Bau eines Unterwasser-Hotels in China, von der Bereitstellung des Boarding-Teams bei Havarien im heimischen Küstenschutz bis zur Sanierung von Staudämmen in Karaganda. Ein Schwerpunkt der Arbeit aber bildet der Offshore-Bereich.

Für die Erschließung erneuerbarer Energien durch Offshore-Windparks liegen beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) 126 Anträge mit 2000 Einzelanlagen vor. 29 Projekte wurden durch das BSH inzwischen genehmigt - 26 für die Nordsee und drei für die Ostsee. Wie in dieses Tätigkeitsfeld die heimischen Baltic-Taucher involviert sind, berichtet Eyk-Uwe Pap (48). Das von ihm und seinem Bruder Jens geführte Unternehmen, das sie 1993 gründeten, ist bei der Realisierung der Projekte in Nord- und Ostsee beteiligt. Mit dem Windmess-Mast auf dem Breitling und der Messplattform "Fino 3" fing das Offshore-Engagement an, mit "Alpha Venus", "Baltic I" und "Bard Offshore 1" ging es weiter.

Gegenwärtig sind die Rostocker Spezialisten bei Kabelverlegungsarbeiten im Wattenmeer der Nordsee und treffen Vorkehrungen für den Baustart von "Baltic 2" im Dreiländereck nördlich von Rügen, wo Mitte nächsten Jahres voraussichtlich die Rammarbeiten beginnen. Verschiedene Gründe haben in Nord- und Ostsee zu Zeitverzögerungen geführt. In der Ostsee ist es unter anderem der Baugrund, der mit Torf, Schlamm und härtestem Mergel unterschiedliche Bedingungen schafft. So wird gegenwärtig auch noch an Land für "Baltic 2" die Standfestigkeit längerer Rammrohre getestet.

Zu den vielfältigen Aufgaben der Rostocker Taucher- und Bergungsfirma gehören vor der Befestigung der Fundamente und der Installation der Kabelschutzrohre die Erkundung der Kabeltrassen für die Netzanbindung. Der Weg führt durch den Schlamm des Greifswalder Boddens, wo ebenso wie auf der Trasse von Wolgast nach Bornholm Zeitbomben des Zweiten Weltkrieges, aber auch Übungsmunition der Russen und der NVA aufzuspüren sind. 1200 Objekte waren allein auf der 30 Meter breiten Nordstream-Trasse für die Erdgaspipeline von Wyborg nach Lubmin entdeckt worden, merkt Eyk-Uwe Pap an. Um die Gefährdung von Menschenleben zu minimieren, werden zwei Tauchroboter, so genannte ROVs (Remotely Operated Venbicle), eingesetzt.

Investitionen stärken die Leistungsfähigkeit

Zu den Investitionen, die das Leistungsvermögen der Baltic-Taucher stärken, gehört das neue Spezialschiff "Windexpress", das eine dynamische Positionierung ermöglicht und für Windparks in der Nordsee tätig ist. Investiert wurde auch in einen Zwölf-Tonnen-Lkw, der im Kofferraum mit vielfältiger Tauchtechnik ausgerüstet ist.

Zum 20-jährigen Jubiläum im nächsten Jahr kann die Firma auf eine gute Bilanz verweisen. Die heimische Basis im Fischereihafen für die inzwischen rund 80 Mitarbeiter (davon etwa die Hälfte Festangestellte) soll im nächsten Jahr aufgestockt werden. Im Frühjahr ist auch die Einstellung von fünf Lehrlingen vorgesehen, um für den Generationswechsel gut gewappnet zu sein. "Schritt für Schritt kommen wir voran. Einer unserer Vorteile gegenüber manchem Mittbewerber ist unser gutes Team", hebt der Geschäftsführer hervor. Zu den Partnern, mit denen die Firma eng zusammenarbeitet, gehört das Unternehmen 50 Hertz, das für die Netzanbindung sorgt. Für die Ostsee erfolgt diese insbesondere über Lubmin, aber auch über Bentwisch/Güstrow.

Eyk-Uwe Pap verweist auf ein Positionspapier des Netzwerkes Baltic-Offshore-Forum, das darauf zielt, das Ausbaupotenzial für die Offshore-Windenergie in der Ostsee von mindestens fünf Gigawatt Leistung zügig zu nutzen. Insgesamt fünf Offshore-Windparks könnten danach in den nächsten fünf Jahren errichtet werden. Dafür wirken verschiedene Unternehmen mit dem Land zusammen. Auch die Baltic-Taucher haben sich mit ihrem Netzwerk hier eingebracht.

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