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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. Oktober 2017 | 22:34 Uhr

Rechenfehler : Zahltag? Martin Czechl misst nach

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Die Stadt verlangt bis zu 70 000 Euro Anliegerbeitrag von der Rostocker Obst GmbH – fast 50 000 Euro zu viel, sagt der Unternehmer

Martin Czechl ist erleichtert. Gestern dachte er noch, seine Existenz sei im Zuge der Erneuerung des Sievershäger Wegs bedroht. Für seine an die Straße angrenzenden Plantagen sowie die Gewerbefläche seiner Obst-Gemüse-Vermarktungsgesellschaft mbH (OGV) hätte er als Gewerbetreibender laut Stadt 62  000 Euro Anliegerbeitrag zahlen müssen, so der Geschäftsführer der Rostocker Obst GmbH. Das hätte ihn mit voller Härte getroffen – zumal er durch den Kauf weiterer Flächen und befürchtete Kostensteigerungen nach eigenen Angaben 70  000 Euro hätte zahlen müssen, berichtet der Unternehmer.

Doch Czechl hat nachgemessen: „Ich habe festgestellt, dass die Flächen der OGV, für die wegen gewerblicher Nutzung besonders viel gezahlt werden müsste, gar nicht an den Sievershäger Weg angrenzen“, sagt der 61-Jährige. Nach eigenen Berechnungen muss er nun statt der befürchteten 70  000 Euro wohl nur noch 22  288 Euro für seine 830 Meter Plantagen der Rostocker Obst GmbH zahlen, die direkt an die Straße angrenzen. Wie das sein kann? „Wir müssen die Sachlage in Ruhe prüfen und wollen uns derzeit dazu nicht äußern“, sagt Beate Tessenow vom Bauamt.

Neben Czechl müssen fünf weitere Anlieger Beiträge für die Überholung der Ortsverbindungsstraße zahlen – darunter die Hanseatische Getränkefachhandelsgesellschaft mbH, die allerdings zu dem Thema nichts sagen möchte. Doch der Unmut manch eines Betroffenen wurde bei der Sitzung des Ortsbeirats Evershagen am Dienstag deutlich. Auch die geplante Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde und fehlende Beleuchtung sorgten für Diskussion: „Da müssen wir die Ämter noch wachrütteln“, sagt Niels Schönwälder (CDU). „Wir brauchen ordentliche Beleuchtung“, so der Ortsbeiratsvorsitzende. Außerdem halte er aus Sicherheitsgründen eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde in Evershagen-Dorf für sinnvoll.

Czechl jedenfalls ist ein Stein vom Herzen gefallen. „2014 war mit Mindestlohn und den miserablen Preisen durch das Russland-Embargo ohnehin schwierig.“ Zudem habe ihn der Blütenfrost im Mai um zwei Drittel seiner Ernte gebracht. Pflanzenschutzmittel und Dünger würden auch nicht billiger.

Noch im Sommer vor drei Jahren, als der Starkregen über die Plantagen nach Evershagen-Dorf hineinlief, „hat Czechl großen Einsatz gezeigt“, so Schönwälder. Der Unternehmer habe damals bei der Schaffung von Wasserauffanggräben auf seinem Gelände kooperiert und Baufahrzeugen die Zufahrt erlaubt. Bei der Rostocker Obst GmbH und der OGV sind 22 ständig Beschäftigte und rund 80 polnischen Saison-Arbeiter tätig.

Czechl zumindest ist froh, dass sein Betrieb durch die neue Berechnung nun wohl doch nicht gefährdet ist: „Es ist super, dass sich die Kosten so erheblich vermindern.“ Dennoch will er sich am Montag mit Tessenow beraten und um Ratenzahlung bitten. Schließlich stünden weitere Ausgaben an.

 

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