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Fährverkehr Rostock : Zäsur nicht nur für Scandlines

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Wegzug von der Warnemünder Mittelmole und ein schwieriges Jahr für die gesamte Fährschifffahrt. Service-Übersicht für 2015

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erstellt am 20.Mai.2015 | 08:00 Uhr

Eine wichtige Basis im Fährverkehr geht Rostock verloren. Scandlines verlegt den Sitz seiner Zentrale nach Hamburg. Dieser Tage fuhren die letzten Umzugswagen vor, verließen die verbliebenen Mitarbeiter das Warnemünder Hochhaus. „Ein trauriger Anblick“, erklärte Betriebsrat Bernd Friedrichs. Er bedauert, dass die Umstrukturierung trotz aller Bemühungen der Arbeitnehmervertreter auch das Aus für 25 Mitarbeiter bedeutet. Die Büros im Hochhaus auf der Mittelmole, ein Wahrzeichen der Entwicklung des Unternehmens in der Region, werden Ende Mai aufgegeben. Neun Stellen werden vom Hochhaus in den Überseehafen verlegt, wo die Beschäftigten im Terminalgebäude und im Kloska-Backsteinbau ihren neuen Arbeitsplatz finden. Sechs Mitarbeiter ziehen nach Hamburg in das Bürohaus in der Admiralitätsstraße am Rödingsmarkt um, wo Scandlines sich in einer Etage eingemietet hat und das Personal durch Neueinstellungen aus Hamburg ergänzt wurde.

Flotte bleibt vom Aderlass unberührt

In Puttgarden wird das Landlager im September schließen, bleiben noch die Personalabteilung, Fright Sales und Operations angesiedelt, wie Sprecherin Anette Ustrup Svendsen mitteilt. Das Personal der Flotte blieb vom Aderlass unberührt. Hier macht sich auf der Route zwischen Puttgarden und Rödby besonders der Ausfall der „Prinsesse Benedikte“ nach einer Havarie beim Ausdocken auf der Werft in Polen bemerkbar. Ersatzweise kommt der Oldtimer „Mercandia VIII“ zum Einsatz. Für die Route Rostock–Gedser wird nach dem Umbau in Odense mit der Fertigstellung der „Berlin“ im September gerechnet, zum Jahresende soll dann die „Copenhagen“ folgen.
 

Umwelt-Richtlinien fordern die Reeder

2015 wird für die gesamte Fährschifffahrt auf der Ostsee ein schwieriges Jahr. Es wird geprägt durch die neuen Richtlinien zur weiteren Minimierung der Schwefelemissionen in den Abgasen (von 1 auf 0,1 Prozent), was ein Umrüsten der Schiffe mit Abgaswäschern, Hybridsystemen, Methanol und perspektivisch auch mit Flüssiggas oder die Nutzung des teureren Marinediesels erfordert. Die Folge sind hohe Investitionskosten, die teilweise durch Preisaufschläge an die Kunden weitergegeben werden, die Ausdünnung von Fahrplänen wie in Sassnitz, langsameres Fahren oder die Einstellung von Verbindungen.

So legte Stena die „Trelleborg“ auf, die nunmehr zum Verkauf steht. Finnlines bietet zwar nach Hanko eine weitere Frachtverbindung, bedient aber den Passagierverkehr von Rostock nicht mehr. Die TT-Line setzt ihre fünf Schiffe im Schwedenverkehr im Dreiecksdienst zwischen Rostock, Trelleborg und Travemünde ein. Die Stena Line konzentriert den Eisenbahnfährverkehr auf Rostock. Die Linie Sassnitz–Ust-Luga wurde zunächst eingestellt, soll aber wieder einmal monatlich angeboten werden. Auch die Baltikum-Verkehre verzeichnen Rückgänge im Ladungs- und Passagieraufkommen. Ursache hierfür sind die aktuellen Wirtschaftssanktionen gegen Russland.

Der Ostsee-Fährverkehr 2015 steht vor Problemen, die der Zäsur Ende der 1990er-Jahre mit der Abschaffung des Duty-Free-Verkaufs gleichkommen. Der Verkehr aber brummt weiter. Die befürchtete Verlagerung auf den Landweg blieb bedingt durch den bisher niedrigen Ölpreis bisher noch aus.

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