Fall Iwanschitz : Yachthafen-Investor legt Geständnis ab

<strong>Nach mehreren vergeblichen Anläufen</strong> wurde inzwischen ein Käufer für die Ferienanlage Hohen Wieschendorf gefunden.<foto>dpa</foto>
Nach mehreren vergeblichen Anläufen wurde inzwischen ein Käufer für die Ferienanlage Hohen Wieschendorf gefunden.dpa

Kein Zweifel, Michael Veit Iwanschitz will den Prozess schnell hinter sich bringen. Dem ehemaligen Investor der Marina Hohen Wieschendorf wird Subventionsbetrug vorgeworfen. Gestern legte er ein Geständnis ab.

svz.de von
12. Juni 2012, 09:06 Uhr

Schwerin | Kein Zweifel, Michael Veit Iwanschitz will den Prozess lieber heute als morgen hinter sich bringen. Dem ehemaligen Investor der Marina Hohen Wieschendorf wird vor dem Schweriner Landgericht Subventionsbetrug vorgeworfen. Gestern legte er ein Geständnis ab. Genauer gesagt - er ließ es ablegen. Sein Verteidiger Hendrik Prahl las eine vorbereitete Erklärung vor. "Ich stelle mich den Vorwürfen aus der Anklage nicht entgegen", heißt es - ein bisschen verbrämt - darin sinngemäß. Für Subventionsbetrug droht im Regelfall eine mehrjährige Haftstrafe. Zumal, wenn der Übeltäter, wie der inzwischen 60-jährige Angeklagte, einschlägig vorbestraft ist. Doch ins Gefängnis will der Lübecker Geschäftsmann auf keinen Fall. So hat er sich auf einen "Deal" eingelassen. Das Ergebnis eines Rechtsgespräches unter den Juristen: Wenn Iwanschitz seine Schuld glaubwürdig eingesteht, kann er mit Bewährung rechnen.

Die wurde auch seinem einstigen Mitarbeiter gewährt, mit dem er bis 2006 gemeinsam die Anklagebank drückte. Der Projektmanager ist seinerzeit wegen Subventionsbetruges zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Damals ist der Prozess gegen Iwanschitz nach rund einem Jahr wegen der schweren Herzerkrankung vorläufig eingestellt worden. Erst jetzt - sechs Jahre später - hat ihn der Arzt wieder für verhandlungsfähig erklärt, wenn auch nur für maximal anderthalb Stunden pro Verhandlungstag.

Damals hatte der Yachthafen-Investor alle Vorwürfe bestritten. Doch die Richter sind schon 2006 im Urteil gegen den Mitarbeiter davon ausgegangen, dass beide Männer gemeinschaftlich handelten.

Iwanschitz war damals Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter des Unternehmens an der idyllischen Wismarbucht, sein Mitarbeiter für die Beschaffung von Fördermitteln zuständig. Laut damaligem Urteil sind die Bauten standsberichte für das Landesförderinstitut (LFI) gefälscht worden, um Subventionen für Ferienwohnungen zu erschleichen. Die nämlich waren von der Subventionierung ausdrücklich ausgenommen. Das Land wollte viel lieber eine Tiefgarage zum Überwintern der Boote fördern. Doch die wurde nie gebaut, die rund 70 Appartements dagegen sind fast fertig gestellt. Das Landesförderinstitut hatte den Fortgang der Bauarbeiten nie selbst überprüft. Sondern sich ausschließlich auf den Sachverständigen und den Wirtschaftsprüfer verlassen, die beide in Iwanschitz Diensten standen. Wenn sich Bausummen änderten, nahm es das LFI einfach hin. Darüber zeigte sich das Gericht schon im ersten Prozess verwundert.

Die Bank jedoch, die als Kreditgeber gebraucht wurde, erhielt Berichte, in denen die Ferienwohnungen sehr wohl enthalten waren. Schließlich sollten die später gewinnträchtig verkauft werden. Als einem Finanzbeamten in Wismar die Ungereimtheiten auffielen, flog der Coup auf. Der fast fertige Yachthafen wurde zur Investruine. Der Investor und sein Mitarbeiter landeten vor Gericht. Während der Projektmanager damals die Schuld weitgehend auf sich nahm, bestritt Iwanschitz bis zum plötzlichen Abbruch des Prozesses gegen ihn die Vorwürfe.

Nun also kommt er dem Gericht entgegen. Im Jahr 2001 habe er sich durch ein Gespräch mit dem damaligen Wirtschaftsminister Otto Ebnet ermuntert gefühlt, heißt es in der Erklärung. Der hatte eine neue Förderrichtlinie für Jugendhotels in Aussicht gestellt. Er habe gedacht, man könnte die Ferienwohnungen im Nachhinein "formell" einfach umwidmen. Dazu kam es dann nicht mehr.

Im Jahr 2010 hatte das Oberlandesgericht Rostock nach einem jahrelangen Zivilstreit in letzter Instanz entschieden, dass der Investor die gesamten 3,6 Millionen Euro Fördermittel an das Land zurückzahlen muss. Dafür kommen Immobilien und Wertgegenstände aus seinem Privatbesitz unter den Hammer.

Er wolle nun wegen seiner angegriffenen Gesundheit einen Schlussstrich unter die juristischen Auseinandersetzungen ziehen, sagte Iwanschitz. Nachfragen wollte er gestern wegen der hohen "psychischen und physischen Belastung" nicht zulassen. Ob das Gericht mit der Erklärung zufrieden ist, wird sich zeigen. Gestern kündigte es weitere Verhandlungstermine an.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen