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Norddeutsche Neueste Nachrichten

19. November 2017 | 02:25 Uhr

Vierbeinersymposium : Wolf, Hund und Mensch

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Verhaltensforscher Dr. Ádám Miklósi referiert am 12. und 13. Juni in der Hansestadt – die NNN haben mit ihm gesprochen.

Der international anerkannten Verhaltensforscher Dr. Ádám Miklósi besucht am 12. und 13. Juni Rostock. Er wird an den beiden Tagen beim 1. Rostocker Vierbeinersymposium im Hörsaal der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät, Justus-von-Liebig-Weg 8, in Vorträgen über die Domestikation, das Verhalten und die Genetik des Hundes und des Wolfs referieren. Die Veranstaltung ist ein gemeinsames Projekt der Tierklinik, der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Uni Rostock und vom Vierbeinerforum Rostock. NNN haben mit Ádám Miklósi gesprochen.

Wie sind Sie als Wissenschaftler zur Verhaltensforschung gekommen?

Miklósi: Ich wollte immer Biologe sein und interessierte mich für Tiere, ihr Verhalten und den Geist, der Verhalten steuert. Für mich war es sehr früh klar, dass ich ein Verhaltensforscher werde. Ich las Bücher von Konrad Lorenz und Niko Tinbergen.
 

Welche Problemstellung ist für Sie im Moment am wichtigsten?
Unsere Forschung mit dem Hund geht in sehr unterschiedliche Richtungen. Für mich ist immer jene Frage am wichtigsten, an der ich gerade arbeite. Zum Beispiel arbeite ich aktuell daran, wie man einen einfachen Bindungstest für Hunde entwickeln könnte. Dieser macht dann eine Aussage darüber, wie der Hund sich verhält, wenn man ihn alleine zu Hause lässt.
 

Warum ist die vergleichende Verhaltensforschung von Hund und Wolf so wichtig?
Es hat ziemlich lange gedauert bis die Wissenschaft endgültig entscheiden konnte, dass der Wolf – und nur er – der nächste Verwandte heutiger Hunde ist. Viele Aspekte des hündischen Verhaltens kann man nur dann verstehen, wenn man Hunde mit Wölfen vergleicht. Nur so kann man die wichtigen, genetisch bedingten Unterschiede in Hunden erkennen. Das hilft uns, Hunde artgerecht zu halten und mit ihnen so umzugehen, dass sie möglichst nur die Vorteile und wenig Nachteile im Zusammenleben mit Menschen erleben.
 

Was sind die deutlichsten Unterschiede zwischen Hund und Wolf?
Die größten Unterschiede sind mit dem sozialen Verhalten gegenüber dem Menschen verbunden. Eine wichtige Folge des Zusammenlebens mit dem Menschen ist, dass Hunde ein Bindungsverhältnis mit ihren Besitzern haben. Dieses entwickelt sich bei den Wölfen nicht – trotz intensiver Sozialisation mit dem Menschen. Für die Wölfe fällt die Kommunikation durch Augenkontakt schwer. Im Allgemeinen sind Wölfe viel unabhängiger als die meisten Hunde.
 

Wie würden Sie die Lernfähigkeit eines Hundes beschreiben?
Jeder lernt schnell, wofür er sich interessiert. Dieses Interesse kann biologisch gefördert werden. Hunde lernen von und mit Menschen zusammen relativ mühelos. Deshalb ist es überhaupt möglich, dem Hund willkürliche Aktionen beizubringen wie „Sitz!“, „Platz!“, „Bleib stehen!“. Diese Lernfähigkeit hilft letztendlich dem Hund, in der menschlichen Umgebung zu überleben.
 

Wo sehen Sie den Unterschied in der Hundehaltung heute und vor 20 Jahren?
Der Umgang mit dem Hund hat sich geändert. Viele Hundebesitzer kennen und verstehen heute viel besser die Ansprüche von Hunden. Eine Änderung im Hundetraining ist spürbar. Positive Trainingsmethoden werden bevorzugt angewendet. Aber das Übertreiben, also die Überbetonung von Futter als Belohnung kann viel Schaden anrichten.
 

Welche Rolle spielt die menschliche Familie Ihrer Meinung nach für den Hund?

Hunde hat man für das Leben mit Menschen selektiert, also ohne Menschen können Hunde zwar leben, aber das ist eine sekundäre Situation. Die menschliche Familie stellt die typische soziale Gesellschaft für den Hund dar. Jeder Hund hat das Recht, in so einer Familie leben zu können. Das gilt natürlich nicht für Hunde, die ohne Menschen groß geworden sind. Solchen Straßenhunden kann das Familienleben sehr schwer fallen.
 

Was möchten Sie den Hundehaltern unbedingt mit auf den Weg geben?
Hunde sind die besten Freunde des Menschen und eine gute Freundschaft kann man durch Investitionen aufrechthalten. Das heißt, man sollte bewusst mit dem Hund Zeit verbringen. Er sollte auch die Möglichkeit bekommen, ein bisschen Selbstständigkeit zu üben.
 

 

Service: Anmeldung zum Symposium mit Ádám Miklósi über www.vierbeinerforum-rostock.de oder Tierklinik Rostock.

 

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