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Rundsilo in Poppendorf als Wohnhaus ausgebaut : Wohnen ohne Ecken und Kanten

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Bei Henryk Mioskowski zuhause läuft im wahrsten Sinne des Wortes alles rund. In dem ausbebauten Wohnhaus gibt es keine Ecken und Kanten. Die gesamte Familie lebt in einem ehemaligen Rundsilo in Poppendorf bei Rostock.

Rostock | Bei Henryk Mioskowski zuhause läuft im wahrsten Sinne des Wortes alles rund. "Es geht gar nicht anders", sagt der 42-Jährige und steigt auf der gusseisernen Wendeltreppe Richtung Dachgeschoss empor. Kinder-, Schlafzimmer, Küche und Bad, selbst in der Ferienwohnung gibt es keine Ecken und Kanten: Henryk Mioskowski lebt mit seiner Lebensgefährtin Ines Ungar und den beiden Kindern in einem ehemaligen Rundsilo in Poppendorf bei Rostock.

"Ich wollte immer rund wohnen, doch wer baut so was heute noch?", fragt der Unternehmer. Dass sein Wunsch in Erfüllung ging, hat er der Begegnung mit Volker Schenzle zu verdanken. Der Bauplaner hatte bereits zahlreiche denkmalgeschützte Gebäude in der Rostocker Vorortgemeinde saniert. Wie aus zwei nebeneinanderstehenden Betonröhren ein Wohnhaus werden könnte, das ließ die Familie und den Bauplaner nächtelang grübeln.

Bis dahin hatten die übereinander geschichteten Betonringe schon jahrelang ungenutzt leer gestanden. Immer wieder hatte es Anträge gegeben, sie einfach abzureißen. Allein die Tatsache, dass das Silo seit fast 100 Jahren das Ortsbild nachhaltig prägte, sicherte dem einstigen Zweckbau den Fortbestand.

Wer jetzt das Silo sieht, erkennt schon noch die alte Form. Allein die Ideen, wie daraus ein Blickfang im Ort wurde, lassen staunen. Wo einst der Wind um die ehemals frei stehenden Siloröhren pfiff, verleiht heute eine durchgehende Glaswand dem Haus viel Licht und wohlige Wärme. Mitten hinein in das bis dato nicht vorhandene Treppenhaus wurde die Wendeltreppe eingebaut, von der es über vier Etagen links und rechts in die Zimmer geht. Dämmung, Heizung, Elektrik und Wasseranschlüsse sorgen für Wohnkomfort.

Geblieben ist die auffallende Holzverkleidung im Dachgeschoss. Am riesigen Eisenhaken, von dem aus einst zentnerschwere Holzteller heruntergelassen wurden, um das über Luken in die einzelnen Siloringe eingefahrene Rübenblatt zu verdichten, hängt heute die Wohnzimmerlampe. Auch die zentnerschwere Winde ist als Zeugnis längst vergangener Zeiten noch immer an einem der vielen alten Holzbalken der Dachkonstruktion montiert.

"Es wohnt sich einfach herrlich hier. Statt grau in grau haben wir Farbakzente gesetzt. Und ich kann über alle Dächer des Ortes hinwegschauen", sagt Mioskowski. Anfangs konnte die Familie zur Probe auf Miete in das ungewöhnliche Domizil einziehen. "Doch wir waren schnell so begeistert von der erlebten Wohnqualität, dass wir das Silo inzwischen gekauft haben", sagen Mioskowski und Ungar. Nur passende Rundmöbel für die Inneneinrichtung zu finden, fiel mitunter schwer.

Schenzle sitzt unterdessen schon wieder über neuen Bauplänen. Nachdem er einen alten Schafstall und das Silo zum Wohnhaus und einen einstigen Kuhstall zur Seniorenresidenz mit 17 Wohnungen umgebaut hat, will er die ehemalige Schutower Dorfschule einer neuen Nutzung zuführen. Als das schon Jahre ungenutzt leer stehende Gebäude im Zuge einer neuen Verkehrsführung in Rostock einfach zusammengeschoben werden sollte, hat sich der Bauplaner das Fachwerk kurzerhand aufgeladen und eingelagert.

Nun soll es in Poppendorf wieder aufgebaut werden. "Am besten dort, wo die alte Stellmacherei, die ehemalige Schmiede, die Wassermühle und die alten Bauernhäuser stehen", sagt der Architekt.

Vielleicht stehe eines Tages wieder jemand mit einer Idee wie der Silo-Neunutzung vor der Tür. Letztlich ist es auch Ideen von Architekten und Einwohnern zu verdanken, dass Poppendorf gerade "Schönstes Dorf in Mecklenburg-Vorpommern" geworden ist.

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erstellt am 13.Dez.2011 | 09:57 Uhr

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