Wo die Korvetten zu Hause sind

Standortältester ist Fregattenkapitän Lorenz Finke.
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Standortältester ist Fregattenkapitän Lorenz Finke.

Nautischer Verein besucht den Marinestützpunkt Hohe Düne. Aufgaben des Standortältesten und Ausblicke mit einigen Fragezeichen.

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18. März 2015, 14:00 Uhr

Vertreter des Nautischen Vereins Rostock haben sich in der vergangenen Woche im Marinestützpunkt Hohe Düne näher umgesehen. Der Marine-Schlepper „Langeness“ brachte sie vom Fähranleger am Neuen Strom zu ihrem Zielort. Als wäre es bestellt, lief zeitgleich die Korvette „Magdeburg“ aus, um Kurs auf England zu nehmen. Von Bord aus erklärte der Standortälteste und Kommandeur des Marinestützpunktkommandos, Fregattenkapitän Lorenz Finke, die verschiedenen Einrichtungen auf dem Areal.

Der Schlepper passiert den Tonnenhof, biegt in den Pinnowgraben ein, der Schiffen bis zu einem Tiefgang von sieben Metern die Zufahrt ermöglicht. Für ein bequemes Einlaufen von Fregatten müsste wohl erst noch gebaggert werden. Die Fahrt führt weiter vorbei an den Einrichtungen der Bundespolizei See, die praktisch in einer Enklave des Marineareals auch ihren Booten einen Anlaufpunkt bietet. Dann ist der eigentliche Marinehafen mit seinen Schwimmpiers und Wellenbrechern erreicht, öffnet sich der Blick auf die verschiedenen Einrichtungen – vom Gebäude des Hafenkapitäns über Depots bis hin zu den Kasernen und dem Versorgungstrakt.

Die Nautiker sehen vor den „blauen Jungs“ zunächst die „grüne Marine“ (Soldaten der Marinesicherung) mit Schlauchbooten bei einer Übung im Einsatz. Dann geht es vorbei an zwei bereits ausgemusterten Schnellbooten, die dem Geschwader nur noch zur etwaigen Ersatzteilbeschaffung dienen. Noch erfüllen sechs S-Boote aber ihren Dienst, unter anderem für die Ausbildung. Für die Unifil-Einsätze, die Überwachungsaufgaben der Vereinten Nationen vor der Küste Libanons, wurden sie bereits durch Korvetten ersetzt.

Die S-Boote waren jahrzehntelang die Arbeitstiere der Marine. Konzipiert unter dem Eindruck des Ost-West-Konflikts für die Ostsee haben sie nun bald ausgedient. Bis Ende 2016 sollen die letzten des 7. Schnellboot-Geschwaders außer Dienst gestellt werden. Ein Verkauf möglicherweise nach Kolumbien ist im Gespräch.

Im Marinehafen bestimmen bei der Stippvisite der Nautiker zwei der inzwischen fünf Korvetten der Deutschen Marine die Szenerie. Die „Braunschweig“ war erst kürzlich von einem Unifil-Einsatz zum Heimathafen des 1. Korvetten-Geschwaders zurückgekehrt. Auf der anderen Korvette, der „Oldenburg“, herrscht geschäftiges Treiben. Monteure verschiedener Firmen sind im Einsatz. Ein Antriebsdiesel wird während der Liegezeit im Stützpunkt ausgewechselt, eine aufwändige Ausschreibung für die Werftzeit wird so gespart.

Die Größenunterschiede zwischen den Korvetten auf der einen und den S-Booten auf der anderen Seite fallen ins Auge. Die neue Schiffsgeneration ist knapp 90 Meter lang, die alte 58 Meter. Korvetten werden mit 58 und S-Boote mit 36 Mann besetzt. Neben den Schnellbooten und Korvetten haben hier auch die beiden Tender „Donau“ und „Elbe“ und das Ölauffangschiff „Bottsand“ ihren Liegeplatz, die aber gerade auswärts sind. Auch der SAR-Hubschrauber-Landeplatz ist verwaist. Ob einer der Helikopter im Sommer hier zum Einsatz kommen kann, bleibt abzuwarten. Wegen Problemen mit der alten Technik stand zuletzt für die Seenotrettung nur noch ein SAR-Hubschrauber vom Muster Sea King Mk 41 beim Marinefliegergeschwader 5 in Nordholz zur Verfügung.

Lorenz Finke informiert über seinen Aufgabenbereich, über Fähigkeiten, Personal und Herausforderungen. Deutlich wird, dass hier insbesondere der Service, die Dienstleistungen für die Flotte, bis hin zur Koordinierung der Kraftfahrzeuge und Liegenschaftsangelegenheiten eine Rolle spielen. Aber auch die Aufgaben des Hafenkapitäns, der Tauchergruppe, der Küche und der Kasernen sind hier integriert. Finke bezeichnet sich ein wenig lax als „Herbergsvater“ des Marinestützpunkts, der wiederum in der Marinehauptstadt eine wichtige Unterstützungsfunktion für das ebenfalls hier ansässige Marinekommando darstellt. Noch vor zwei Jahren hatte Finkes Vorgänger, Fregattenkapitän Thomas-Henry Louis, bei einem Nautischen Abend einen optimistischen Ausblick auf die weitere Entwicklung des Areals geben können, das seinerzeit noch zu einem Operationszentrum zur Führung der zur See fahrenden und fliegenden Marineeinheiten groß ausgebaut werden sollte. Finkes Ausblicke klingen da nicht ganz so verheißungsvoll, sie sind mit einigen Fragezeichen versehen, wie die Entwicklung des Stützpunkts in Warnemünde weitergeht. Wie auch immer – als Behördenhafen wird er sicher eine Zukunft haben.

Für die Öffentlichkeit öffnet der Stützpunkt wiederholt seine Tore. So auch in diesem Jahr zum Beispiel am 13. Juni zum 60-jährigen Bestehen der Bundeswehr. Bereits am 15. April werden sich hier 400 Schüler über Berufsbilder beziehungsweise -möglichkeiten informieren. Ein besonderer Höhepunkt werden dann auch wieder die drei Tage der offenen Tür zur Hanse Sail sein, wo allein im Bereich des Marinestützpunkts im vorigen Jahr mehr als 11 000 Besucher gezählt wurden.

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