Wirtschaft fordert mehr Beachtung

Sie kritisieren die Leitlinien: IHK-Chef Andreas Sturmowski und Christian Weiß von Rostock Business NNN
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Sie kritisieren die Leitlinien: IHK-Chef Andreas Sturmowski und Christian Weiß von Rostock Business NNN

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26. November 2012, 07:26 Uhr

Rostock | Wirtschaftsvertreter üben heftige Kritik an den Leitlinien zur Stadtentwicklung, die derzeit in der Bürgerschaft diskutiert werden: "Wenn der Klimaschutz und die grüne Stadt mehr Erwähnung finden als das Bekenntnis zur Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes Rostock, dann stimmt die Gewichtung nicht", sagt Andreas Sturmowski, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Rostock. Das werde der zentralen Rolle der Unternehmen nicht gerecht, so Sturmowski auf der vergangenen IHK-Regionalkonferenz.

Er fordert von der Stadt zudem mehr Engagement bei der Unterstützung von Unternehmern. "Die Verwaltung muss sich stärker als Servicestelle verstehen", so Sturmowski. Sonst drohe Rostock im internationalen Konkurrenzkanpf ins Hintertreffen zu geraten - mit drastischen Folgen für die Stadt als Ganzes. Denn sollten die Firmen dem Standort Rostock fernbleiben, fehlten auch deren Arbeitsplätze. Junge Menschen würden dann in andere Städte umziehen, sodass die Überalterung sich noch verschärfe und Rostock darüber hinaus wichtige Steuereinnahmen entgingen.

Das befürchtet zumindest Christian Weiß, Geschäftsführer der Wirtschaftsfördergesellschaft Rostock Business. Gerade bei der Entwicklung des Hafens seien große Chancen verpasst worden. "Wir hätten mehr erreichen können, wenn wir dort mehr geeignete Industrieflächen gehabt hätten", sagt Weiß. Der "Vorteil Kaikante" sei ein wesentlicher Standortfaktor für potenzielle Investoren, könne derzeit aber nicht ausreichend bedient werden.

Um das zu ändern, müsse auch das Umland in die Stadtentwicklung einbezogen werden, fordert IHK-Präsident Wolfgang Hering. Die Regiopole Rostock als einziger Wachstumskern des Landes sei auf ein überregionales Konzept angewiesen. "Insofern greift der isolierte Blick auf die Stadt einfach zu kurz", so Hering. Für ihn gehören beispielsweise auch der Flughafen in Laage als Priorität sowie der notwendige Infrastrukturausbau in die Leitlinien. Beide Punkte aber fehlten in dem vorliegenden Entwurf ebenso wie weitere Vorschläge aus der Wirtschaft. So habe die IHK beispielsweise erfolglos angeregt, bürger- und wirtschaftsfreundliche Verwaltungsverfahren als Querschnittsaufgabe sowie die frühzeitige Einbeziehung von Kammern und Wirtschaftsverbänden in die Entscheidungsprozesse in dem Entwurf zu berücksichtigen.

Die kritisierte Verwaltung kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen. "Die Leitlinien stellen keinen alleinigen Wirtschafts-Entwicklungsplan dar, sondern betreffen alle Bereiche unseres Umfeldes", sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Daher sei auch kein Primat der Wirtschaft möglich, auch wenn "natürlich Hinweise aus diesem Bereich eingeflossen sind". Ein Blick in das vorgelegte Papier zeigt zudem, dass viele der Kritik-Punkte bereits erkannt sind. So heißt es darin unter anderem: "Eine Modernisierung und Erweiterung der Hafeninfrastruktur ist unerlässlich, um keine Kapazitätsengpässe zuzulassen." Bis 2025 werde sich der Umschlag laut Seeverkehrsprognose des Bundes mit rund 50 Millionen Tonnen mehr als verdoppeln. Damit ansiedlungswilligen Unternehmen geeignete Flächen zur Verfügung gestellt werden können, seien die "landesweit bedeutsamen Gewerbe- und Industriegebiete Airpark Laage, Rostock-Mönchhagen, Poppendorf und Güstrow einzubeziehen". Und auch zum Airport bezieht Rostock in dem Entwurf Stellung. Er solle zur Verbesserung der großräumigen Anbindung an den europäischen Luftverkehr zum zentralen Flughafen des Landes ausgebaut werden.

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