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18. November 2017 | 20:55 Uhr

Wird Wohnen bald unbezahlbar?

vom

svz.de von
erstellt am 08.Aug.2012 | 10:52 Uhr

Die Nebenkosten explodieren, Wohnen in Innenstädten wird für Durchschnittsverdiener unerschwinglich... Welche Wege führen aus dem Dilemma? Mit Lukas Siebenkotten, Direktor des Mieterbundes, sprach Rasmus Buchsteiner.

Wird Wohnen bald für viele so gut wie unbezahlbar sein?

Wohnen wird immer teurer – aber wohl nicht unbezahlbar. Schließlich haben die Eigentümer das Interesse, Wohnraum zu vermieten. Das Problem sind weniger die Mieten als die Nebenkosten. Die Strompreise und die Heizkosten sind in den letzten Jahren überproportional stark gestiegen. Uns besorgt, dass die Wohnkostenbelastung gerade für Einkommensschwache zum Problem wird. 44 Prozent aller Haushalte verfügen über ein Nettoeinkommen von maximal 1500 Euro. Bei ihnen liegt der Anteil der Wohnkosten an den Ausgaben bei deutlich über 40 Prozent. Bei einem Haushaltseinkommen von 900 Euro netto klettert die Wohnkostenbelastung auf nahezu 50 Prozent.

Wie verändert der Anstieg von Mieten und Nebenkosten die Städte?

Wir beobachten zwei Trends: Die Einwohnerzahl in Deutschland steigt, die Zahl der Haushalte ebenfalls. Die Menschen ziehen verstärkt in die Zentren, in die Ballungsräume, in die Universitätsstädte. Hier fehlen Wohnungen. Zugezogene zahlen hohe Neuvertragsmieten. Zumindest für Durchschnittsverdiener wird das Wohnen in den Innenstädten deshalb unerschwinglich.

Die Linkspartei und andere fordern eine gesetzliche Mietobergrenze – was spricht dagegen?

In bestehenden Mietverhältnissen darf nicht mehr als die ortsübliche Vergleichsmiete verlangt werden. Es fehlt eine Regelung für Neuverträge. In attraktiven Citylagen schlagen Eigentümer bei einem Mieterwechsel bis zu 30 Prozent auf die Mieten drauf. Hier ist ein gesetzlicher Deckel notwendig. Wir schlagen eine Kopplung an die ortsübliche Vergleichsmiete vor. Der Mietpreis nach Neuvermietung sollte nicht mehr als zehn Prozent darüber liegen dürfen.

Was können Mieter tun, um die Ausgaben für Wohnen, Strom und Heizung zu senken?

Wer eine Wohnung sucht, sollte dabei sorgfältig vorgehen, sich Zeit lassen, vergleichen und gegebenenfalls Abstriche machen: Nicht jeder kann in der Schlossallee wohnen. Bei den Energiekosten gibt es verschiedene Möglichkeiten zu sparen: Jeder kann zu einem günstigeren Stromanbieter wechseln und es gibt unzählige Möglichkeiten, den Stromverbrauch zu verringern.

Müssen Maßnahmen gerade für einkommensschwache Haushalte her?

Es ist Zeit für Strom-Sozialtarife. Für die ersten 2000 Kilowattstunden Verbrauch könnte beispielsweise weniger berechnet werden. Aber das allein reicht nicht aus. Wir benötigen in Deutschland jedes Jahr 40 000 neue Sozialwohnungen. Und die öffentliche Hand sollte günstigen Wohnraum nicht verkaufen.
Auch beim Thema Wohngeld muss etwas geschehen. Der Bund hat vor einigen Jahren den Heizkostenzuschuss beim Wohngeld gestrichen und dabei auf sinkende Energiepreise verwiesen. Aus Sicht der Betroffenen klingt das heute wie ein Hohn. Diese Kürzung muss jetzt wieder zurückgenommen werden.

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