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Norddeutsche Neueste Nachrichten

24. Oktober 2017 | 00:42 Uhr

Große Ehre : „Wir sind von Japan umgeben“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Vereins-Präsident Johannes Kunze erhält für seinen Einsatz für die Freundschaft mit MV und Rostock den Orden der Aufgehenden Sonne

40 Jahre ist es her, dass Johannes Kunze sich verliebte – unerwartet und unsterblich. Er fuhr als Funkoffizier zur See und landete auch in Japan. „Es ist etwas Besonderes: Menschen, Schrift, Sprache, Kultur, Umgangsformen“, sagt Kunze. Mittlerweile ist er der Präsident der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Mecklenburg-Vorpommern zu Rostock, die er selbst mitbegründete. Heute ist er in Berlin beim japanischen Botschafter Takeshi Nakane, um von ihm den Orden der Aufgehenden Sonne anzunehmen – der Stufe mit goldenen und silbernen Strahlen. Er erhält ihn für seinen Einsatz bei der Entwicklung der deutsch-japanischen Freundschaft.

„Es ist der höchste Orden, den ein Ausländer bekommen kann“, sagt Kunze. Dabei stockt ihm ein wenig der Atem. Er hatte damit nie gerechnet, nie darauf hingearbeitet. Den Orden zu bekommen, sei ihm fast etwas peinlich, schließlich habe es ihm immer Freude bereitet, den Kontakt zwischen MV und Japan aufzubauen, Interessierten den fernöstlichen Kulturkreis näherzubringen und Austauschprogramme zu organisieren.

Wo der Präsident der Gesellschaft aufhört und die Privatperson anfängt, lässt sich kaum ausmachen. Kunze reist regelmäßig nach Japan. In seinem Bauerngarten in Biestow, angeschlossen an den Sitz der Gesellschaft, hat er neben vielen japanischen Freunden auch schon den japanischen Botschafter empfangen. Der 67-Jährige trinkt Jasmintee, kaum Kaffee, pflegt seine Bonsais und hat auch einen japanischen Garten mit einem trockenen Fluss angelegt. Seine Arbeit ist kein bloßer Beruf, nicht nur eine Aufgabe. „Ich lebe das“, sagt er. In seiner Frau hat er eine Gleichgesinnte, sie teilt seine Leidenschaft für das Land des Lächelns – ebenso wie seine beiden Söhne, wie die ganze Familie. „Auch wenn das alle sagen, wenn sie geehrt werden, ohne sie wäre das nicht möglich“, sagt Kunze, durch ihr Verständnis, aber manchmal auch durch ihren Einsatz.

Zu einem der Hauptprojekte kam es etwa auch maßgeblich durch seinen Sohn, durch den Kontakt zu dessen Gastvater in Kyoto – dem Professor für Moderne Kunst Jo Ishida. Heute ist er ein Freund für Kunze. Über das gemeinsame Projekt „Rostock-Kyoto Art Rainbow“ wurden seit 2007 schon 100 junge Künstler vermittelt. Über drei Wochen weiten sie in dem jeweils anderen Land ihren Blick. Das Kennenlernen der Kultur ist Kunze wichtig – für die Künstler, aber auch jeden anderen. Es gebe immer noch viele falsche Annahmen über Japan, auch Vorurteile. „Aber wir sind von Japan umgeben – Kameras, Autos, Sushi ist ein Trend“, sagt Kunze. Viele Deutsche würden ihr Land und Europa als Dreh- und Angelpunkt sehen. „Wenn man in Japan ist, realisiert man, dass dem nicht so ist.“ Einen Zweiten Weltkrieg gäbe es dort nicht, ganz einfach weil es dort nie einen Ersten gab, führt er exemplarisch an. Der Atlas sei anders aufgebaut, wie auch die Umgangsformen differenzierter. Dennoch seien beide Länder – Deutschland und Japan – so etwas wie seelenverwandt. An Johannes Kunze ist zu merken, dass es stimmen kann.

 

 

 

 

 

 

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