Wurst-Skandal : „Wir machen nicht jeden Preis mit“

Tobias Blömer, Geschäftsführer von Die Rostocker:  „Wir haben mit  dem Skandal nichts zu tun.“
Tobias Blömer, Geschäftsführer von Die Rostocker: „Wir haben mit dem Skandal nichts zu tun.“

Tobias Blömer ist der Geschäftsführer von Die Rostocker und spricht im Interview über verbotene Preisabsprachen.

svz.de von
17. Juli 2014, 10:00 Uhr

Wegen verbotener Preisabsprachen verhängte das Bundeskartellamt am Dienstag Geldbußen von mehr als 338 Millionen Euro gegen 21 Wursthersteller und zahlreiche Führungskräfte der Branche. Darunter sind mit Döllinghareico (Elmshorn) und Böklunder zwei Betriebe in Schleswig-Holstein. Betroffen sind ebenso andere bekannte Marken wie Herta, Meica, Rügenwalder und Wiesenhof. Die Hersteller sollen sich über Preisspannen für Produktgruppen wie Brühwurst oder Schinken abgestimmt und beim Handel so höhere Preise durchgesetzt haben.

In Mecklenburg-Vorpommern ist die Firma Die Rostocker Wurst- und Schinkenspezialitäten GmbH ein führendes Unternehmen in dieser Branche. Mit Tobias Blömer, dem Geschäftsführer des Unternehmens, hat Dietmar Tahn gesprochen.

Herr Blömer, was sagen Sie zu den möglichen Absprachen unter Herstellern von Fleich- und Wurstwaren und den angedrohten Strafen des Bundeskartellamtes?

Es hat mich überrascht, dass solche Dinge bei der Nachfrage-Macht des Handels möglich sein sollen. Denn es ist ja schon so, dass der Handel mittlerweile viele Stufen bei Fleisch und Wurst selber hat. Er schlachtet zwar nicht, aber er zerlegt und verarbeitet, produziert Wurst. Und deshalb war es für mich schon überraschend, dass Preisabsprachen möglich sein können. Ich muss im Konjunktiv bleiben, den wir haben die Informationen ja auch nur über die Medien und aus keinen anderen Quellen.

Das unterstreicht noch einmal, dass Ihr Betrieb, Die Rostocker, nichts mit diesem Skandal zu tun hat. Oder sind Sie möglicherweise angesprochen worden mitzumachen?

Nein. Wir kennen natürlich einige Verantwortliche der wohl betroffenen Firmen vom Sehen. Aber wir haben keinerlei Gespräche über Preise oder Kunden oder irgendetwas geführt. Wir haben nichts mit diesen Dingen zu tun.

Haben solche Preisabsprachen denn wirklich Auswirkungen?

Letztendlich ist es so, dass das Niveau der Preise für das, was wir Hersteller bekommen, nicht weiter reduzierbar ist. Es ist schon so, dass wir im unteren Bereich der Margen arbeiten. Deshalb wundert es mich, was die betroffenen Betriebe mit dem Geld gemacht haben sollen. Wenn ich sehe, welche Summen da im Raum stehen, dann fällt mir nichts ein. Denn die Firmen haben ja keineswegs verrückt gespielt. Es gibt nach meinem Wissen keine Beispiele, dass irgendwo Goldgräberstimmung geherrscht hätte. Im Gegenteil – der eine oder andere von den Benannten ist in den zurückliegenden Jahren sogar angeschlagen gewesen. Ich weiß nicht, was mit dem Geld geschehen ist. Fakt ist, dass die möglichen Konsequenzen einige sehr hart treffen können.

Ihre Firma vertritt die Philosophie, dass Qualität ihren Preis haben muss. Sie sagen, dass ist wichtig für die Kunden und das Unternehmen…

Ich glaube, dass der Verbraucher unter dem Strich Qualität honoriert. Das Preisschema ist natürlich immer ein Thema. Denn der Markt ist da sehr sensibel. Wenn ich Produkte teurer machen würde, dann muss ich damit rechnen, dass es nicht mehr gekauft wird, obwohl die Ware es wert wäre. Für uns ist die Marschroute Qualität, weil das die Käufer am Ende aus der Erfahrung und dem gesundheitlichen Wohlbefinden auch zum Maßstab machen.

Das heißt, Sie würden im Zweifel auch auf bestimmte Geschäfte verzichten?

Auf jeden Fall. Das machen wir schon. Einige Sachen sind für uns preislich einfach nicht darstellbar. Denn wir haben eine soziale Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern und einen Qualitätsanspruch, den wir ganz klar leben.

Gib es ein aktuelles Verzicht-Beispiel?

Ja. Bei Real verkaufen wir gegenwärtig keine Ware, weil die aufgerufenen Preise für uns nicht realisierbar sind. Da sind Forderungen gestellt worden, wo wir klar gesagt haben, dass können wir nicht. Unser Angebot wurde nicht akzeptiert. Da hieß es dann sinngemäß: ihr seid die Mücke und wir der Elefant. Da haben wir entgegnet, dass wir als Mücke auch andere Elefanten haben, die wir stechen können. Wir sind eine kleine Firma, müssen aber unsere gute Ware nicht verramschen. Wenn wir anfangen, jedes Preisniveau mitzumachen, dann ist das der erste Schritt zum Ende. Wir arbeiten fair mit unseren Kunden.

Gibt es bei Ihnen schon Reaktionen auf den Skandal?

Nein. Aber ich kann mir vorstellen, dass der Handel bei den betroffenen Firmen schon die Keule rausholt. Ob das auf die gesamte Branche abfährt, der Handel einen Generalverdacht hat, vermag ich nicht zu sagen. Letztendlich geht es ums Geld.

Etwas Positives zum Ende: In jedem Jahr bringen Die Rostocker neue Produkte auf den Markt. Worauf können die Kunden sich freuen?

Wir werden wahrscheinlich im August eine Wurst vorstellen, in der nur Inhaltsstoffe sind, die jeder von uns zuhause hat. Also Fleisch, Speck und Darm hat der Verbraucher nicht daheim, aber alles andere schon. Es ist eine Wurst ohne die E-Nummern, ohne Emulgatoren. Wir gehen wirklich ins Urtypische zurück, wie es früher war. Denn da gab es ja auch diese Zusatzstoffe nicht. Wir haben uns lange bei alteingesessenen Metzgern schlau gefragt. Es war schwer, dass wir dieses alte Know-how bekommen, denn es gibt ja kaum noch solche Quellen.

Hat das neue Wurst-Kind schon einen Namen?

Nein, da sind wir noch am Überlegen. Aber die ersten wurden produziert und sind bei den Verkostungen sehr gut angekommen.


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