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Diskussion um Bauprojekt in Rostock : Zu viel Verkehr am Werftdreieck?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Ortsbeirat fürchtet höhere Belastung durch neues Gewerbegebiet Ehemaliger Schlachthof. Verkehrsuntersuchung liegt nicht vor. #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 01.Feb.2017 | 09:00 Uhr

Die Planung läuft seit mehr als zehn Jahren, jetzt hat das Stadtplanungsamt den Bebauungsplanentwurf für das neue Gewerbegebiet Ehemaliger Schlachthof fertiggestellt. Die Kröpeliner-Tor-Vorstadt wird mit diesem wachsen, ebenso wie mit dem neuen Wohnquartier, das die Wiro im Werftdreieck entwickelt. Große Sorge des zuständigen Ortsbeirates der Kröpeliner-Tor-Vorstadt: der Verkehr.

„Wir haben Bedenken, dass das alles durch das neue Werftdreieck erschlossen wird“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Matthias Siems (SPD). Das Stadtplanungsamt hat ein Lärmgutachten eingeholt, außerdem wurden biologische Begleituntersuchungen, Artenschutzfachbeiträge und ein Umweltbericht erstellt. Was fehlt, ist das Verkehrskonzept. Das sei angefragt worden, hatte die Planerin Angelika Schabehorn auf der Beiratssitzung geäußert. Doch: „Verkehrsuntersuchungen sind nicht gemacht worden“, sagt sie. Das Amt für Verkehrsanlagen, so ergab der Austausch, erwarte aber kein erhöhtes Verkehrsaufkommen durch das neue Gewerbegebiet. Offiziell lautet eine Stellungnahme aus dem Amt, dass der Bebauungsplan mit dem Verkehrsamt abgestimmt sei. „Danach geht hervor, dass die vorhandenen Straßen aufnahmefähig sind und kein großer zusätzlicher Verkehr zu erwarten ist.“ Aufgrund der Festsetzung als eingeschränktes Gewerbegebiet hinsichtlich zulässiger Flächenschallleistungspegel – „ist auch deshalb nicht mit einem überhöhten Transportaufkommen durch LKW zu rechnen“.

Im Überblick: Das neue Gewerbegebiet
  • der Bebauungsplan umfasst eine Gesamtfläche von 27 Hektar  zwischen der Schlachthof-, der Carl-Hopp-Straße, dem Uferbereich Süd und der Straße Alter Hafen Süd, angrenzend an das bereits entwickelte Gewerbegebiet, den Fischereihafen
  • 5 Hektar des Areals sind in städtischem Besitz, sie sollen zu Gewerbeflächen entwickelt werden
  • der Bebauungsplanentwurf des Amtes wird seit Mitte Januar den Gremien vorgestellt und obliegt letztlich der Bürgerschaft, anvisierter Termin ist im März
  • möglich: Lagerhäuser, -plätze, öffentliche Betriebe
  • Industriebetriebe, die wesentlich stören könnten, seien ausgeschlossen unter Rücksichtnahme auf die schutzbedürftigen Gewerbegebiete in Gehlsdorf
  • Umschlag soll, so fordert die Immissionsschutzbehörde, nur tagsüber stattfinden
  • für die bereits ansässigen größeren Firmen wie Baltic-Taucher, Evers & Co. Standard Aggregatebau AG und den Fischereihafen soll Planungssicherheit geschaffen werden, um Erweiterungen realisieren zu können
  • an der südlichen Grenze Richtung Warnow, begleitend zur Carl-Hopp-Straße, entsteht ein öffentlicher Grünraum mit Wander- und Radweg zur Warnow
  • an der Warnow wird ein Verladebereich entstehen, was Rad- und Fußweg gemäß  TÜV Nord ausschließt
  • 2001 war das Gebiet mit  Fördermitteln zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur beräumt worden
 

Die Zuversicht des Amtes, die auch im Ortsbeirat transportiert wurde, genügte dessen Mitgliedern nicht. „Ich erwarte, dass jemand die Zahlen aufschreibt“, so Vorsitzende Anette Niemeyer (Aufbruch 09). Bevor sie votieren, hätten sie gern die Verkehrsuntersuchung, sagte auch Siems.

Das Verkehrsaufkommen am Werftdreieck ist hoch. Zwischen Einmündung Doberaner Straße und Holbeinplatz fahren täglich bis 38 000 Fahrzeuge auf der Lübecker Straße. Planer des Amtes für Verkehrsanlagen legten bei Treffen mit der Wiro zum neuen Wohngebiet Schätzungen vor, dass mit 10 000 Fahrzeugen mehr durch die Erschließung im Umkreis gerechnet werde. Deswegen soll der Verkehrsdoppelknoten Max-Eyth-Straße/Holbeinplatz entwirrt werden. Die Eyth-Straße wird stillgelegt. Eine neue Straße entsteht von der alten Kesselschmiede am Neptuncenter bis Lübecker, um mit der Maßmannstraße den neuen Knoten zu bilden.

Kommentar von Nadine Pätzold: Was ist verhältnismäßig?
Seit mehr als fünf Jahren wird das Gewerbegebiet Ehemaliger Schlachthof geplant, vor 16 Jahren wurde es schon „mit Fördermitteln zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ beräumt. Es wurden Gutachten zu Lärm, Umwelt und allem möglichen erstellt. Wieso nochmal soll es kein Verkehrsgutachten geben – für so ein Langezeitprojekt? Weil „die vorhandenen Straßen aufnahmefähig sind und kein zusätzlicher Verkehr zu erwarten ist“. Das ist etwas dünn. Zwischen den Zeilen macht es mir den Anschein, als verstünden auch Mitarbeiter des Stadtplanungsamtes nicht recht, warum keine „echte“ Verkehrsuntersuchung die wohlwollende Gewissheit ersetzt. Das ist es doch wahrlich wert. Dass das Amt für Verkehrsanlagen sich keinen unverhältnismäßigen Aufwand machen will,  ist nachvollziehbar, falls das ein Grund ist. Aber dass der Beirat Zahlen will und damit mehr Sicherheit, dass kein Verkehrschaos bevorsteht, ist noch logischer. Und für das neue Wohngebiet am Werftdreieck wurden ja schließlich auch Zahlen rausgegeben.

 

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