Soziale Gerechtigkeit in Rostock : Wohnen nur für Reiche?

Wiro-Geschäftsführer Ralf Zimlich: Der Leerstand bei Rostocks größtem Vermieter beträgt nur 1,7 Prozent.
Wiro-Geschäftsführer Ralf Zimlich: Der Leerstand bei Rostocks größtem Vermieter beträgt nur 1,7 Prozent.

Wiro-Chef warnt: Ausbleibende Baugenehmigungen der Stadt verhindern möglichen Sozialbau mithilfe der Landesförderung #wirkoennenrichtig

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15. April 2017, 05:00 Uhr

Trotz Förderprogramm des Landes wird der soziale Wohnungsbau in Rostock auch in absehbarer Zeit nicht in Schwung kommen. Das schließt zumindest Wiro-Chef Ralf Zimlich derzeit aus. Er sagt: „Ich würde gerne Fördermittel beantragen, habe aber keine Baugenehmigung – an uns liegt’s nicht.“ Selbst auf die Erlaubnis für eine begrenzte Aufstockung in der Südstadt warte das Unternehmen bereits seit zwei Jahren. Dabei „wäre sie in vier Wochen möglich“, so Zimlich.

Auf den dringenden Flächenbedarf für Neubauten habe die Wiro die Stadt bereits vor fünf Jahren aufmerksam gemacht. Danach sei zu wenig passiert. „Wir können den Zuzug im Moment nicht bedienen“, erklärt Zimlich und nimmt neben der Verwaltung auch die Bürgerschaft in die Pflicht: „Das ist ein politisches Thema.“ Die Leerstandsquote in den 35 500 Wiro-Wohnungen beträgt derzeit 1,2 Prozent. Aktuell baue das kommunale Unternehmen 300 Wohnungen und strebe dieses Level auch künftig jährlich an, beispielsweise durch Projekte in der Kuphal-, Möllner oder auch Thierfelderstraße. Menschen mit weniger Einkommen profitieren von dem Programm allerdings nicht oder wenn dann nur indirekt.

„5,50 Euro pro Quadratmeter lässt das deutsche Baurecht einfach nicht zu, weshalb Neubau nur bedingt das Problem löst“, sagt der Wiro-Chef. Zwar gebe es in der Regel einen Sickerungseffekt, indem andere Rostocker in einen Teil der neu errichteten Wohnungen umziehen und ihre alten Domizile dann frei würden. Um das soziale Problem zu lösen, reiche das aber bei Weitem nicht aus. Das gelte allerdings auch für das Förderprogramm des Landes, das 27 Millionen Euro beinhaltet – 12,5 Millionen in 2016 und 14,5 Millionen in 2017. Über diesen Topf könnten in ganz Mecklenburg-Vorpommern lediglich 600 Sozialwohnungen gebaut werden, kritisiert Zimlich.

Laut Infrastrukturministerium sind landesweit bisher Zuschüsse in Höhe von knapp acht Millionen Euro für den Neubau von 174 Wohnungen beantragt worden, unter anderem von Unternehmen und Investoren in Greifswald, Neubrandenburg, Bad Doberan und Waren. „Damit sind noch gut 19 Millionen Euro verfügbar“, erklärt Sprecherin Renate Gundlach.

Bedingung für eine Förderung ist die Verpflichtung zu einer Nettokaltmiete in den ersten drei Jahren von maximal 5,50 Euro pro Quadratmeter. Ab dem vierten Jahr sind im Zweijahresrhythmus bis Ende der 20-jährigen Belegungsbindung Mietsteigerungen um maximal 25 Cent pro Quadratmeter erlaubt.

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