Experten skeptisch : Wölfe in Rostock gesichtet?

Wölfe in Groß Klein? Eine Familie will zwei wilde Tiere gesehen haben.
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Wölfe in Groß Klein? Eine Familie will zwei wilde Tiere gesehen haben.

Groß Kleiner Familie beobachtet zwei Tiere in der Werftallee. #wirkoennenrichtig

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29. Dezember 2017, 20:45 Uhr

Mit ihrem rotbraunem Fell, den buschigen Schwänzen und fern jeder Scheu hat Christian Dartsch sie sofort erkannt: zwei wilde Wölfe, die mitten im Rostocker Stadtteil Groß Klein an der Straße gestanden haben sollen. Dringen die einst in Deutschland ausgerotteten Raubtiere jetzt also immer weiter in urbane Gebiete vor? Experten warnen vor Panikmache und uneindeutigen Beobachtungen, raten aber dennoch zur Vorsicht.

An der Kreuzung Werftallee/Gerüstbauerring sollen zwei Wölfe nachts unter einer Laterne gestanden haben, bis ein Autofahrer die Tiere in das nahe gelegene Wäldchen verscheucht hat.
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An der Kreuzung Werftallee/Gerüstbauerring sollen zwei Wölfe nachts unter einer Laterne gestanden haben, bis ein Autofahrer die Tiere in das nahe gelegene Wäldchen verscheucht hat.

In der Nacht des zweiten Weihnachtsfeiertages will Dartsch die Tiere von der Wohnung seiner Eltern aus gesehen haben. „Vom Balkon im dritten Stock konnte ich sie ganz deutlich erkennen. Sie standen an der Kreuzung Werftallee/Gerüstbauerring auf der Straße“, beschreibt der Rostocker die Szene. Er habe in Aserbaidschan schon einmal Wölfe gesehen und diese aus etwa 150 Metern Entfernung sofort erkannt. „Die rotbraune Fellfarbe und der Schwanz – es waren eindeutig Wölfe“, so Dartsch. Um seinen Verdacht zu bestätigen, habe er seine Eltern zu sich auf den Balkon geholt. „Dann konnten wir beobachten, wie ein Pkw-Fahrer von Warnemünde aus kam und kurz vor den Tieren anhielt. Sie blieben einfach stehen – Hunde wären doch sofort weggelaufen“, meint der Rostocker. Erst als der Fahrer das Fernlicht einschaltete und wiederholt hupte, liefen die Tiere in das nahe gelegene Wäldchen, so Dartsch weiter.

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Der Vorsitzende des Kreisjagdverbands Rostock, Gerhard Kusch, ist geschulter Wolfsbetreuer und skeptisch: „Nur durch das Sehen eines Tieres ist kaum auszumachen, ob es sich um einen echten Wolf handelt. Oft können das nicht einmal Experten.“ Um bei einer Meldung oder einem Fund sicher zu sein, würden in der Regel Spuren analysiert und genetische Tests vorgenommen, Kot, Haar- oder Speichelproben benötigt. Das beschriebene Verhalten könne zwar auf eine Wolfsbeobachtung hindeuten: „Sie haben keine natürlich Scheu, da sie keine Feinde haben“, erklärt Kusch. Doch seien bis gestern auf den Fotofallen im Stadtgebiet keine Tiere gesichtet worden, wie auch Kreisjägermeister Manfred Wahl bestätigt. „Wir haben ein paar einzelne Tiere im Landkreis gesichtet, aber nicht in Rostock und schon gar nicht zwei auf einmal“, so Wolfsbetreuer Kusch. Das würde bedeuten, dass es sich um ein Paar oder junge Geschwister handele. Allerdings habe er vor etwa einem halben Jahr eine ähnliche Geschichte aus dem Rostocker Nordwesten gehört, die sich als „Ente“ entpuppte, so Kusch. Auch in diesem Fall nehme er an, dass es sich vielleicht um Wolfshunde oder eine Kreuzung aus Husky und Schäferhund handele.

Generell rät Kusch, nicht in Panik zu verfallen. „Wer einen Wolf sieht, sollte die wichtigsten Verhaltensregeln befolgen: fern bleiben, nicht anfassen und keinesfalls füttern. Das würde die Tiere weiter anlocken“, so der Experte. Wer meint, einen Wolf gesichtet oder gar Risse an Schafs- oder Ziegenherden bemerkt zu haben, sollte sich an einen der Wolfsberater des Landes MV, das Landesamt für Naturschutz oder das städtische Forstamt wenden – möglichst, ohne die Szenerie zu verfälschen.

Kommentar vom Torben Hinz: Weg mit Hindernissen
Es wäre eine kleine Sensation, wenn sich Wölfe tatsächlich in das Kerngebiet der Großstadt Rostock vorwagen würden – und dann gleich zwei. Schließlich argumentieren Befürworter ihrer Wiederansiedlung häufig mit deren Scheu vor Menschen. Verlieren die Raubtiere diese, würde mindestens Kindern und Senioren Gefahr drohen. Doch um bis zur Kreuzung Werftallee und Gerüstbauerring zu gelangen, müssten die Wölfe entweder den dicht besiedelten Rostocker Nordwesten oder die Warnow durchqueren. Beides ist relativ unwahrscheinlich. Zwar stellen Flüsse kein großes Hindernis für die Tiere dar, doch auf dem Weg zur Warnow befinden sich der Überseehafen und die Autobahn 19 als Barriere. Da ist es wenig verwunderlich, dass die Experten bislang keinen einzigen gesicherten Fall einer Wolfssichtung innerhalb der Hansestadt benennen können.
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