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Rostock : Wird Rostock Kulturhauptstadt?

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Der Oberbürgermeister erwägt die Bewerbung für den Titel in 2025, die Amtsleiterin sieht beste Voraussetzungen dafür und das Doppeljubiläum als Training. #wirkoennenrichtig

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erstellt am 18.Aug.2017 | 06:25 Uhr

Rostock ist Hanse- und Universitätsstadt, Wirtschaftsregiopole und bald auch Kulturhauptstadt Europas? Im Zuge der jüngst bekannt gewordenen Kostenexplosion zum Neubau des Volkstheaters hatte Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) sich klar dazu bekannt, die Investition von 102,5 Millionen Euro für gerechtfertigt zu halten, wenn Rostock mit Unterstützung des Landes offensiv das Ziel angehen wolle, 2025 – im Jahr der potenziell auszurichtenden Bundesgartenschau – Kulturhauptstadt zu werden.

Zwar habe sie bisher keine Anweisung vom Oberbürgermeister bekommen, eine Bewerbung zu entwerfen, jedoch könne sie sich Rostock als Kulturhauptstadt sehr gut vorstellen, so Kulturamtsleiterin Dr. Michaela Selling. Sie habe gute Erinnerungen an Besuche in den titeltragenden Städten Turku und Riga und dort gute Konzepte gesehen.

Über notwendige infrastrukturelle Voraussetzungen bezüglich Unterkünfte und Verkehrsanbindungen verfüge Rostock als touristischer Standort bereits, doch hapere es an Kulturstätten – „ein Theater zu bauen reicht nicht aus“, sagt Selling. Ganz allein könne – und wolle – die Verwaltung diese Mammutaufgabe ohnehin nicht bestreiten. „Wir bräuchten starke Partner in der Wirtschaft und der freien Kunst- und Kulturszene“, sagt Selling. Vielleicht würden auch Unternehmer investieren, denn allein könne die Kommune das Vorhaben selbst mit Unterstützung des Landes nicht finanzieren. Auch für die Planung müssten Externe beauftragt werden – ein weiterer Kostenfaktor.

So geht aus den Bewerbungsrichtlinien der Europäischen Kommission hervor, dass Budgets für Kulturhauptstädte Europas beträchtlich variieren, zwischen 20 Millionen und über 100 Millionen Euro schwanken – ohne Kosten für zusätzliche Infrastruktur, Bauprojekte und Verwaltungsaufwand. Zwar sei es nicht notwendig, eine große Anzahl von Events und Projekten zu veranstalten – das Programm müsse zur Stadt und den finanziellen Möglichkeiten passen und weder Verwaltung noch Bürger überfordern – doch müsse schon früh begonnen, auf das Jahr hingearbeitet und danach fortgesetzt werden, um eine nachhaltige Wirkung zu garantieren, heißt es. „Es wäre eine große Aufgabe, aber wir würden es schaffen“, so Selling. Gerade die Planung und Durchführung des Doppeljubiläums von Stadt und Universität, die derzeit oberste Priorität haben, sowie laufende Projekte zum Reformationsjahr 2017 seien „ein hervorragendes Training“, findet die Amtschefin.

Ein wenig Zeit hätte Rostock noch, sich für den Titel zu bewerben. Begonnen hat die Bewerbungsphase für 2025 zwar bereits, erste Vorläuferprojekte sollten idealerweise längst laufen. Mitte 2018 erfolgt der offizielle Aufruf zur Bewerbung, im Mai 2019 ist Bewerbungsschluss. Gesetzte Titelanwärter für 2025 sind Chemnitz, Dresden, Hannover, Hildesheim, Kassel, Koblenz, Magdeburg und Nürnberg. Stralsund und Greifswald sowie Halle hatten ihre Bestrebungen, Kulturhauptstadt 2025 zu werden, wieder gestoppt – aus Kostengründen.

Was ist das, Kulturhauptstadt?

• Wer Kulturhauptstadt Europas werden will, muss …

- ein Konzept bei der Europäischen Kommission einreichen;

- über personelle und infrastrukturelle Kapazitäten sowie Fachkenntnisse verfügen, um Hunderte Events auszurichten, die Stadt, Bewohner und Kulturschaffende widerspiegeln;

- über das übliche Kulturprogramm hinausgehen, neue Wege der Förderung und Interaktion mit Kulturschaffenden beschreiten und Bewohner beteiligen;

- eine nachhaltige Wirkung über das Veranstaltungsjahr hinaus garantieren können und
- entsprechend investieren.


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