Kran in Rostock : Wird „Möwe“ wieder aufgebaut?

Die Kaikante, so wie hier auf Höhe des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrografie als auch parallel zur Kurt-Dunkelmann-Straße, ist sehr  marode. 
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Die Kaikante, so wie hier auf Höhe des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrografie als auch parallel zur Kurt-Dunkelmann-Straße, ist sehr  marode. 

Ortsbeirat fordert, dass Kran nicht länger liegenbleibt. Wiro lagert technisches Denkmal seit 2015 ein, weil die Kaikante es nicht tragen kann #wirkoennenrichtig

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29. Januar 2018, 08:00 Uhr

„Möwe“, der Kran des ehemaligen Ausrüstungskais der Neptun-Werft, soll wieder aufgebaut werden. Das fordert der Ortsbeirat der Kröpeliner-Tor-Vorstadt von der Eignerin, der Wiro GmbH. Das Industriedenkmal ist 2015 zerlegt worden und lagert seitdem eingezäunt an der maroden Kaikante unterhalb der Ecke Kurt-Dunkelmann-/Schonenfahrerstraße.

„Unsere Sorge ist, dass es vergessen wird und irgendwann nicht mehr aufgebaut werden kann“, so der stellvertretende Beiratsvorsitzende Matthias Siems (SPD). Um das nicht zu riskieren, hat der Beirat einen Antrag zum Beschluss durch die Bürgerschaft vorgelegt: Der Oberbürgermeister als Gesellschaftervertreter der Wiro soll deren Geschäftsführung auffordern, den Kran im „Rahmen der Erinnerungskultur unverzüglich zu erhalten, zu sanieren und am ursprünglichen Ort wieder aufzustellen“.

„Das ist ein großspuriger Wunsch“, sagt Siems. Das sei ihm bewusst, aber es sei einfach wichtig. „Wir wollen uns nicht wieder vorwerfen lassen, dass wir uns erst melden, wenn es zu spät scheint.“ Mit dem Antrag solle ein Vorstoß gewagt werden, damit „Möwe“ eben nicht endet wie die Heinkelmauer. „Es gibt immer wieder verschiedene Überlegungen, wie damit umzugehen ist, aber keine Planungen“, erklärt Wiro-Sprecher Carsten Klehn. Der Kran sei ja nicht ohne Grund eingelagert worden. Die 250 Tonnen Eigengewicht des Denkmals waren zu schwer für die marode Kaianlage, deren Mauer im Laufe der Jahrzehnte durchgerostet ist. Das Warnowwasser hat den Seesand weggespült, der als Fundament für die Betonplatten aufgeschüttet worden war. Das damalige Problem bestünde nach wie vor. Eine Sanierung der Kaikante war 2015 mit 2,3 Millionen Euro geschätzt worden. Offen war und ist, wer für die Kosten aufkommt – Wiro, Stadt, Land, Bund. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie, dem auch ein Teil der maroden Kaikante gehört, hatte damals vergeblich versucht, Bundesmittel zu beantragen.

„Ein Wiederaufbau ist nur möglich, wenn die Kaikante saniert wurde und den Kran wieder sicher tragen kann“, so Klehn. Der Kran werde aber denkmalgerecht auf dem Gelände gelagert. „Das städtische Amt und das Landesamt für Denkmalpflege kommen regelmäßig gucken.“ Der Kran lagert eingezäunt unter freiem Himmel, zeigt Roststellen. Carsten Klehn: „Das ist kein Wohnzimmerschrank, sondern ein Kran, der draußen stand. Den muss man nicht in der Halle lagern.“ Ihn malermäßig aufzubereiten, war schon 2015 geplant, mache aber erst Sinn, wenn er wiederaufgestellt werden soll, so Klehn. Die Instandsetzung war auf 400 000 Euro geschätzt worden.

Möwes Geschichte

• Der 250 Tonnen schwere Kran Typ „Möwe“ stand am Ausrüstungskai, der 1967 verlängert worden war und der Ausstattung der Schiffe diente. „Möwe“ bildet einen Gegenpol zum Hellingkran, der im Schiffbau eingesetzt wurde.

• Anfang der 1970er-Jahre wurde „Möwe“ in Dienst gestellt: Hebeleistung von 20 Tonnen.

• Die Wiro kaufte das Gelände 2001 von der Meyer-Werft.

• 2004 wurde der Kran auf die Denkmalliste gesetzt – in Abstimmung mit der Wiro, die damals mit EU-Fördermitteln einen großen Gewerbepark errichten wollte. Der Kran sollte saniert werden und als Symbol mit Wiedererkennungswert für das Gebiet dienen. Der Plan scheiterte.

• Am 11. Februar 2015 wurde „Möwe“ zerlegt und eingelagert. Die Sanierung auf 50 bis 80 Metern Kaikante inklusive Austausch der Bohrpfahlgründung und Spundwände hänge von der späteren Nutzung des Geländes und den damit verbundenen Fördermitteln ab, hieß es damals von der Wiro.

• „Möwe“ gilt als sichtbares Denkmal für die mehr als 150-jährige Schiffbaugeschichte.

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