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Forschung in Rostock : Wildschweine vererben ihr Wissen

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Auch in Rostock passen sich die Tiere dem Menschen an – das haben Forscher der Universität in einem Projekt herausgefunden #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 28.Jan.2017 | 16:00 Uhr

„Wenn tiefe Hufenabdrücke im Garten zu finden sind, oder wenn die Grünflächen des Parks wie umgegraben wirken, dann können es die Stadt-Wildschweine gewesen sein“, erklärt Philipp Brüsehaber, der sowohl in seiner Bachelor- als auch in seiner Masterarbeit zu dem Verhalten von Rostocks Wildschweinen forschte.

Das Projekt startete 2012 und lief bis ins vergangene Jahr. „Die von meinem Betreuer Hinrich Zollen und mir aufgestellte Theorie besagt, dass die Tiere in der Stadt eine gute Lebensgrundlage haben“, erklärt Brüsehaber. Die Studie wurde gestartet, damit ein besseres Verständnis der Gewohnheiten der Schweine entsteht. „Wir wollten wissen, wie sich die Wildschweine in der Stadt verhalten. Zusätzlich zum Erkenntnisgewinn soll damit die Jagd auf die Tiere effektiver gestaltet werden.“ So sei es nach Brüsehaber zum Beispiel nicht nötig, eine ganze Gruppe, eine sogenannte Rotte, zu erlegen. Es reiche schon, die älteren und erfahrenen Tiere zu strecken. „Dadurch fehlt der Rotte das über die Jahre gesammelte Wissen.“ In der Studie wurde dann beobachtet, dass die Tiere sich nicht mehr in Gärten vorwagen.

„Die Schweine können sich an Bedingungen anpassen. Als Allesfresser sind sie extrem überlebensfähig. Bei fehlender Regulierung würden sie sich völlig an die Menschen gewöhnen. Sie würden dann vermutlich an die Mülltonnen gehen – so ist es in Berlin der Fall.“ Des Weiteren konnten Brüsehaber und Zollen feststellen, dass sich die Tiere sehr individuell verhalten, was es schwer macht, ihre genaue Population festzustellen. „Genaue Zahlen für das gesamte Stadtgebiet gibt es nicht, das wäre reine Spekulation“, so Zollen. Allerdings gehen die Forscher von etwa 50 Tieren im Gebiet Gehlsdorf aus, das zur Feldforschung genutzt wurde. Zehn davon hat Brüsehaber mit GPS-Halsbändern ausgestattet und ihre Bewegungen nachvollzogen. „Die gelaufenen Punkte wurden dann auf eine Habitatskarte gelegt. So konnten wir zum Beispiel feststellen, dass die Tiere sich nur in sehr kleinen Revieren aufhalten.“

Im Gegensatz zum Wildschwein in Wäldern würden die Tiere zudem geringere Entfernungen zurücklegen. „Zum Teil laufen die Schweine gerade einmal einen Kilometer pro Tag“, sagt Brüsehaber. Zum Vergleich: Im Wald legt ein Wildschwein etwa das sechsfache an Strecke zurück. „Ich kann aber eine Entwarnung geben: Die Gefahr, dass einem ein Tier in der Innenstadt vor das Auto läuft, besteht nicht.“ Dieses Problem gebe es nur in den Randgebieten, wo Grünflächen und Schilfgebiete den Tieren Deckung bieten.

 

 

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