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#wirkoennenrichtig heimat : Wie Warnemünde zu seinem Bahnhof kam

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Fernverbindung von Berlin über das Seebad nach Kopenhagen machte 1898 den Bau der Gebäude an den Fährbecken notwendig

svz.de von
erstellt am 27.Mär.2017 | 16:00 Uhr

Die neu eingerichtete Fernverbindung Berlin-Warnemünde-Kopenhagen bewährte sich schnell. Für die Entwicklung mussten neue Kapazitäten im Fährverkehr geschaffen werden. Die Postdampfer und die Eisenbahnanlagen mussten den neuen Anforderungen entsprechen. Das Königreich Dänemark, das Großherzogtum Mecklenburg und Preußen planten einen Trajektverkehr mit durchgehendem Zugverkehr mittels Trajektfähren von Warnemünde nach Gedser.

Dazu musste unter anderem ein ganz neuer Bahnhof mit zwei Fährbecken geschaffen werden. Das alte Bahnhofsgebäude musste untertunnelt und der Warnowzufluss überbrückt werden. So konnte der neue Bahnhof zwischen dem Alten Strom und dem Neuen Strom entstehen.

Die Arbeiten begannen 1898, am 1. Oktober 1903 waren sie beendet. Ebenfalls fertiggestellt waren dann die neuen Fähren, die als Trajekt mit den D-Zugwagen aus Berlin und Hamburg zweimal täglich nach Gedser in Richtung Kopenhagen fuhren. Die Güterwagen wurden von der alten, nun Güterbahnhof genannten, Station den Fähren zugestellt. Waggons konnten immer je nach Kapazität der Fähren zugeteilt und überstellt werden. Auch die Abholung wurde vom Güterbahnhof aus organisiert. Das Empfangsgebäude hat allerdings nicht den idealen Platz seiner Bestimmung. Es steht nördlich der Bahnsteige und wird von den Reisenden umgangen.

Das Haus ist jedoch mustergültig gebaut. Es ist durch Mecklenburger Architekten im Heimatstil errichtet mit einem Satteldach, das nicht nur auf der Traufseite sondern an allen Giebelseiten geneigte Dachflächen aufweist. Man spricht von einem so genannten Walmdach.

Parterre befanden sich zunächst der Reiseverkehr und die Gaststätten für die erste und zweite sowie für die dritte Klasse. Die erste Klasse wurde jedoch bald geschlossen, da nur wenige Passagiere diese nutzten. Heute sind in dem Gebäude das Reise-Center, ein Buchladen und andere Geschäfte untergebracht. Im ersten Stock des Hauses befand sich die Wohnung des Bahnhofsvorstehers. Das Bahnhofsgebäude steht unter Denkmalschutz und wurde in den Jahren 1990 bis 1993 gründlich renoviert.

Ein zweites Gebäude auf dem Bahnhof ist in ähnlicher Bauart gestaltet und wurde ausschließlich als Dienstgebäude genutzt. Hier hatten unter anderem die Zugführer und die Bahnsteigaufsicht ihre Büros und Aufenthaltsräume.

Der Durchgang zum Bahnhofstunnel verläuft zwischen dem Empfangsgebäude und dem Dienstgebäude. Für den Fährverkehr per Zug und Schiff waren die Bahnsteige neben den Fährbecken gedacht. Hier gab es Ankünfte und Abfahrten. Für das Dienstpersonal wurden einfache Unterkünfte vorgehalten, die auch vom Zoll und später vom Grenzschutz der DDR genutzt wurden.

Am 24. September 1995 unternahm die „Warnemünde“ die letzte Fahrt auf der Linie Warnemünde-Gedser. Um 18 Uhr war die Fahrt beendet. Damit war der Fährverkehr in Warnemünde nach 92 Jahren beendet. Die gesamten Anlagen wurden abgebaut.

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