Lichtenhagen 1992 : Vorbereitungen für Gedenken laufen

Schauplatz der Ereignisse im August 1992 war das Sonnenblumenhaus in Lichtenhagen. In diesem Jahr soll dort ein Fest als Zeichen für Weltoffenheit stattfinden.
Schauplatz der Ereignisse im August 1992 war das Sonnenblumenhaus in Lichtenhagen. In diesem Jahr soll dort ein Fest als Zeichen für Weltoffenheit stattfinden.

25. Jahrestag der Krawalle von Lichtenhagen. Sellering sagt Teilnahme ab #wirkoennenrichtig

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18. April 2017, 08:00 Uhr

Gut vier Monate vor dem 25. Jahrestag der rassistischen Ausschreitungen von Lichtenhagen im August laufen die Vorbereitungen für das Gedenken auf Hochtouren. Neben offiziellen Veranstaltungen wollen linke Gruppen Akzente setzen. Bei Gedenkreden sollen unter anderem der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, und Vertreter der Stadt sprechen. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) habe abgesagt, teilte Bürgerschaftspräsident Wolfgang Nitzsche (Linke) mit.

Kernstück des Erinnerns ist eine Gedenkwoche vom 22. bis zum 26. August. Jeden Tag soll eine von fünf Gedenkstelen an verschiedenen Orten in der Stadt enthüllt werden, darunter am Rathaus, am Sonnenblumenhaus und am Jugendalternativzentrum (JAZ). Gestaltet werden die Stelen vom Rostocker Künstlerkollektiv Schaum. Jugendliche sollen die Einweihungen innerhalb des Projekts „Lichtenhagen im Gedächtnis“ mit der Kamera begleiten, erklärte dessen Leiter Martin Arndt. Das Projekt baut ein Archiv zu Lichtenhagen 1992 auf und erarbeitet Workshops für Schulen. Bisher hätten zwei Projekttage an Rostocker Schulen stattgefunden, geplant seien in diesem Jahr noch weitere acht, sagte Arndt.

Mit einer Fahrradtour zum Sonnenblumenhaus will der Verein Bunt statt braun am 26. August die bereits enthüllten Stelen besuchen. Auf der Wiese vor dem Haus soll dann ein Fest stattfinden. Noch fehle allerdings eine Finanzierungszusage der Stadt, sagte eine Vereinssprecherin. Kulturamtsleiterin Michaela Selling plane zudem ein Musikprojekt mit Laienchören und dem Titel „Gedenkstücke“, informierte sie. Die linke Gruppe No Turning Back will mit einem Zeitzeugengespräch auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede „rassistischer Mobilisierungen Anfang der 1990er-Jahre und heute“ hinweisen, erklärte ein Sprecher.

Vom 22. bis zum 26. August 1992 hatten Hunderte Randalierer, darunter viele Neonazis, die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber im Sonnenblumenhaus belagert. Die Bewohner wurden zwar in Sicherheit gebracht, doch unter dem Beifall von Zuschauern griffen rund 400 Jugendliche daraufhin ein benachbartes Wohnheim vietnamesischer Vertragsarbeiter mit Brandsätzen an. Verletzt wurde trotz der lodernden Flammen niemand, dennoch zählen die Ausschreitungen von Lichtenhagen zu den schlimmsten rassistischen Übergriffen der deutschen Nachkriegsgeschichte.

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