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#wirkoennenrichtig : Von Suhl über Bonn nach Rostock

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Elvira Barbara Sawade will ihren Lebensabend in der Hansestadt verbringen und regt eine Willkommensmappe für Zuzügler an

Elvira Barbara Sawade ist Vorlesepatin. Das war mir bekannt. Kürzlich erlebte ich sie jedoch bei einer Veranstaltung im Lütten Kleiner Mehrgenerationenhaus. In wenigen Sätzen stellte sie sich vor. Sie sei von Thüringen nach Bonn am Rhein gezogen, habe dort 13 Jahre lang bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (Bagso) gearbeitet und wolle nun als Neu-Lütten Kleinerin ihren Lebensabend an der Ostsee verbringen.

Mein Interesse an dieser zierlichen Frau, der ich ihre 77 Jahre nicht ansehen konnte, war geweckt. Wie findet eine aktive und engagierte Frau ihres Alters, eine zugezogene Nicht-Mecklenburgerin, Zugang zu uns? Haben sich ihre Erwartungen erfüllt? Wie hat sie Kontakte mit Gleichgesinnten gesucht und gefunden? Wie lebt es sich in Lütten Klein? Mein Fragen-Katalog wurde immer umfangreicher.

Ich wurde zum Frühstück eingeladen. Nebenbei würde ich Antworten auf meine Fragen finden, versprach mir die Neu-Rostockerin. Die freundliche und geschmackvolle Einrichtung ihrer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung bot einen angenehmen Kontrast zur minimalistischen Flur- und Treppenhaus-Gestaltung des Elfgeschossers. Nur zu gerne würde sie hier etwas ändern, sagte sie und bezog dies auch auf das anonyme Nebeneinander im Haus. Sie träumt von Etagen- oder Hausfesten, von Treffen mit Nachbarn, von denen sie nur wenige kennt. Bis jetzt.

Dafür hat sie zwei freundliche Rostockerinnen in der Kunsthalle getroffen, die sie mit zum Englischkurs und zum Konzert in die Hochschule für Musik und Theater (HMT) genommen haben. Sie besucht den Seniorentanz in Lütten Klein, geht ins Mehrgenerationenhaus, fährt oft nach Warnemünde, plant ein Sprach-Café mit Lesungen und Unterhaltungen für alle Generationen und hat einen Termin bei der Vorsitzenden des Seniorenbeirates der Hansestadt, Erika Drecoll.

„Eigentlich wollte ich in Rostock zur Ruhe kommen, einen Gang runterschalten“, sagt sie, „aber das muss ich erst noch lernen, muss allmählich abtrainieren.“ Sie interessiert sich brennend dafür, wie es hier mit der Seniorenarbeit funktioniert und ist von den interessanten Angeboten in den Stadtteilen überrascht. Und doch ist sie auch etwas enttäuscht. Zugezogene Studenten bekommen ein Begrüßungsgeld. Darauf legt sie keinen Wert, aber eine Art Begrüßungs-mappe hätte sie gerne gehabt mit allen wichtigen Informationen und Adressen für Zuzügler: ein kleiner Stadtplan vielleicht, etwas zur Stadtgeschichte, zu Ausstellungen, Museen… Sicher, es gibt die Tourismuszentrale, das Internet, die Stadtteil- und Begegnungszentren. Aber es wäre doch eine nette Geste, wenn die Neu-Rostocker willkommen geheißen würden.

Ich denke weiter: eine Patenschaft für alleinstehende Neulinge, vielleicht sogar eine Rostock-Card als Begrüßungsgeschenk? Auf jeden Fall bin ich sicher: Elvira Barbara Sawade mit ihrem großen Erfahrungsschatz – so als Seniorexpertin in Litauen, als Projektleiterin und Autorin verschiedener Publikationen zum Miteinander der Generationen – sie ist schon jetzt ein Gewinn für Rostock.

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