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Warnemünde : Veranda-Initiative kämpft weiter

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Wegen vergeblicher Verhandlungen mit der Stadt drohte Bündnis zu brechen, aber die Mitglieder beharren auf das Bestehen. #wirkoennenrichtig

Elf Jahre dauert der Streit zwischen Warnemündern und der Verwaltung um die auf städtischem Grund errichteten Veranden bereits. Um gemeinsam gegen die Zahlungsaufforderungen in Höhe mehrerer Tausend Euro pro Kopf angehen zu können, hatte sich eine zuletzt 120 Mitglieder starke Bürgerinitiative gegründet. Die wollte Sprecher Helmut Bach wegen frustrierender Rückschläge und mangelnder Verhandlungsbereitschaft der Stadt bei ihrem jüngsten Treffen am Sonnabend eigentlich auflösen – doch die Mitglieder entschieden, ein Zeichen zu setzen und weiter für ihr Anliegen einzustehen.

„Der Oberbürgermeister hat jegliche Kompromissvorschläge abgewiesen und sich sogar über die Entscheidung der Bürgerschaft hinweggesetzt – was sollen wir noch ausrichten?“, fragt Bach beim Treffen. Es bliebe nur der juristische Weg, so der 76-Jährige. Doch die mehr als 100 erschienenen Mitglieder entschieden auch dank Zurede des Ortsbeiratsvorsitzenden Alexander Prechtel (CDU) und Bürgerschaftsmitglied Sybille Bachmann (Rostocker Bund): Sie behalten ihr Bündnis. Unter neuer Führung von Detlef Thomaneck wollen die Warnemünder weiterhin eine konzentrierte Stimme gegenüber der Politik behalten.

Hintergrund: Der Großteil der stadtbildbestimmenden 294 Veranden im Ostseebad steht nicht auf dem Grund der Besitzer, sondern bewegt sich auf Verkehrsflächen der Stadt. Die will für ihr jahrzehntelanges Eingeständnis jetzt Geld sehen, obwohl die Flächen nie gebraucht wurden. Gemäß des aktuellen Verkehrswerts des Grundes würden auf Filetstücken Am Strom bis zu 1560 Euro pro Quadratmeter Veranda fällig. Summen, die keiner zahlen konnte und wollte. Die Fälle landeten vor dem Oberlandesgericht, sogar beim Bundesgerichtshof.

„Ganz ohne Ergebnis waren die Bemühungen der Initiative ja nicht“, unterstreicht der herangezogene Anwalt Martin Fiebig. Dank gut 13 Musterprozessen, in denen sich Anwohner wie Ekkehard Romeike auf Vergleiche eingelassen hatten, akzeptierte die Stadt schließlich, lediglich eine Überbaurente von den Bewohnern zu fordern. Die bemisst sich nach Verandenfläche und Baujahr – im Schnitt um die 300 bis 400 Euro pro Jahr, so Fiebig, und könne maximal drei Jahre rückwirkend geltend gemacht werden. Ein entsprechendes Schreiben werde binnen eines Jahres auf alle zukommen. Vor „bedrückend hohen Forderungen“ müsse jedoch niemand mehr Angst haben, außer er wolle die Fläche selbst kaufen – zum aktuellen Verkehrswert. Einfach abreißen dürfen die Betroffenen ihre Veranden wegen der Gestaltungssatzung übrigens nicht.

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erstellt am 07.Aug.2017 | 05:00 Uhr

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