#wirkoennenrichtig lokal : Urige Kneipe mit Zeitgeschichte

Das Paradebeispiel für einen Gastwirt gibt Ulrich Schreyer. In seiner Kneipe „Gelbe Katze“ geht es urig und persönlich zu. Lesen Sie mehr über dieses Lokal, in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt von Rostock in unserer Serie „Die kleine Kneipe in unserer Straße“.
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Das Paradebeispiel für einen Gastwirt gibt Ulrich Schreyer. In seiner Kneipe „Gelbe Katze“ geht es urig und persönlich zu. Lesen Sie mehr über dieses Lokal, in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt von Rostock in unserer Serie „Die kleine Kneipe in unserer Straße“.

Kneiper und Maschinenbauer Ulrich Schreyer hat sich mit viel Tatkraft die Kneipe seiner Vorstellung zusammengebaut

svz.de von
28. April 2017, 15:00 Uhr

Wer die fünf Stufen zum Eingang der Gelben Katze und den – zunächst unscheinbaren Ersteindruck – überwunden hat, kommt in eine Kneipe der Ulmenstraße, in der jedes Stück der Einrichtung eine eigene Geschichte erzählen kann.

Das beginnt bereits bei der Namensfindung des Lokals. „In unserer alten Kneipe, der Bierquelle, besuchte uns regelmäßig ein gelber Kater aus der Umgebung und da es aufgrund eines Namens für die neue Kneipe viele Dispute gab, entschieden meine Frau und ich uns spontan für den Namen Gelbe Katze“, erzählt Ulrich Schreyer, von allen nur freundschaftlich „Ulli“ genannt. Gelernt hat der Kneiper zunächst Maschinenbau, im Jahr 1978 wechselte er dann in die Gastronomie. Das handwerkliche Geschick, welches er im technischen Studium erlernte, konnte er bis heute in jeder Ecke seiner Kneipe anwenden. „Das Besondere an der Einrichtung ist, dass alles selbst entworfen und gestaltet wurde.“


Urige Kneipe mit Eigenbau


Alte Kirchenbänke, die als Sitzmöglichkeit dienen, Ziegelsteine an den Wänden, die noch aus der alten Kneipe stammen, jedes Stück seiner Einrichtung hat eine Vergangenheit. „Zirka 5000 Ziegelsteine habe ich eigenhändig von der Baustelle geholt und kenne quasi jeden einzelnen, ein Teil der alten Kneipe lebt also in der neuen weiter“, ergänzt der gebürtige Dresdner, während er auf die Steinwand zu seiner Rechten zeigt. Unter anderem hängen an dieser Wand viele alte Bilder und Postkarten. Sie zeigen historische Bilder Rostocks, einige davon weit über 100 Jahre alt. Ein Bild an der Wand erzählt eine ganz besondere Geschichte: Es ist eine alte Darstellung einer Hochzeitsgesellschaft, welches Schreyer mal auf einem Flohmarkt erworben hat. „Mir gefiel einfach das Motiv und ich kaufte es.“ Was er zu diesem Zeitpunkt nie geahnt hätte, war, dass einmal Mitglieder dieser Hochzeit Gäste in seiner Kneipe werden würden. „Sie kamen in meine Kneipe, zeigten sofort auf das Bild und meinten, dass sie dieses Foto auch besitzen würden. Ich dachte mir, das ist eigentlich unmöglich, da ich es auf einem Flohmarkt gekauft habe“, erzählt Schreyer. Nach einem kurzen Gespräch stellten sich die Gäste als Besucher dieser Hochzeit heraus. „Da sieht man mal wieder, wie klein die Welt ist.“

Geschichtsträchtig sind auch die Holztüren, die in der Gelben Katze verbaut sind. Sie stammen noch aus der Zeit, als die umliegende Gegend in der Ulmenstraße renoviert wurde. „Ehe sie weggeworfen oder verbrannt werden, habe ich mir die Türen geholt, um sie in meinem Lokal zu nutzen“, sagt Ulli, der 28 Türen verarbeitet hat und immer noch 70 Türen besitzt. „Wer noch eine Tür braucht, soll sich einfach bei mir melden“, ergänzt er mit einem Lächeln. Jede dieser, meist Einzelstücke, erzählt eine ganz eigene Geschichte und Ulli kennt sie alle. „Ich kann zu jedem Gegenstand der Kneipe eine Geschichte erzählen und das ist auch so gewollt. Ich habe die Kneipe mit Dingen eingerichtet, wie ich mir eine Kneipe vorstellen und ich mich wohlfühlen würde.“ Gemeinsam mit seiner einzigen Angestellten, Heike Stender, leitet er die Gelbe Katze und sorgt so für die nostalgische Atmosphäre. Während er die Getränkebestellungen annimmt, schmeißt Stender die Küche. Kochen ist ihre Leidenschaft und der Duft der hausgemachten Kost, welcher bereits beim Betreten der Kneipe in die Nase steigt, lässt keine Wünsche offen. „Überwiegend gibt es klassische Gerichte wie Schnitzel oder Fisch, aber ab und zu auch mal etwas Exotisches. Ich bin experimentierfreudig und arbeite dann gerne mit besonderen Gewürzen und Gemüse“, sagt die Köchin, die bereits seit zwei Jahren bei Ulli in der Küche steht und in hohem Tempo das Essen an den Mann bringt. Stammgäste wie Marco Niemann und Maik Klaut fühlen sich hier sichtlich wohl und kommen regelmäßig in die Lokalität. Für sie ist es zum Ritual geworden, erst mal in die Gelbe Katze zu gehen und erst dann weiter zu ziehen.


Familiäres Lokal mit Zeitgeist


Ihnen gefällt besonders die urige Einrichtung der Kneipe, die zu einer Zeitreise durch die Geschichte Rostocks einlädt. „Wenn man sich die Bilder an den Wänden oder die alten Getränkeschilder ansieht, sieht man genau, wie Rostock vor vielen Jahren war“, erzählt Marco Niemann, während er genüsslich einen Schluck von seinem Bier nimmt. Kumpel Maik findet ein Merkmal des Kneipenchefs ganz besonders sympathisch: „Jedes Mal, wenn Ulli eine Bestellung bringt, dreht er das Etikett des Getränks zum Gast, damit man auch ganz genau sieht, was im Glas ist. Das war schon oft Anstoß für lustige Gespräche“, fügt er mit einem Lächeln hinzu und bestellt das nächste Bier.

Geöffnet ist die Kneipe von Montag bis Sonnabend. An Sonn- und Feiertagen ist geschlossen. Wer den Charme der Kneipe mit einer geplanten Feierlichkeit verbinden und selbst erleben möchte, kann diese für Feste mieten.

Kontakt: 0381/200 95 96

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