Rostock : Uni-Projekt hilft Flüchtlingen bei Existenzgründung

Das Existenzgründungsprojekt von Jutta Reinders und Prof. Gerald Braun ist bisher einzigartig.
Das Existenzgründungsprojekt von Jutta Reinders und Prof. Gerald Braun ist bisher einzigartig.

Team um Wirtschaftsprofessor Gerald Braun will Friseuren, Apothekern oder auch Handwerkern ins Unternehmertum helfen #wirkoennenrichtig

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02. Januar 2018, 20:55 Uhr

Eine Internationalisierung der Rostocker Wirtschaft und mehr Beschäftigung soll das Projekt Start-up-Existenzgründung für Flüchtlinge an der Rostocker Universität befördern. Ein Team um Wirtschaftsprofessor Gerald Braun organisiert ein Start-up-Training für Migranten. Maler, Schneider, Friseure, ein Stuckateur oder auch ein Apotheker haben sich darum beworben.

„Unsere Idee ist, diejenigen unter den Flüchtlingen, die über ökonomische Erfahrungen verfügen, zu unterstützen, ein Unternehmen zu gründen“, erklärt Prof. Braun, der den Lehrstuhl für Wirtschafts- und Gründungspädagogik an der Uni Rostock aufgebaut hat und im Jemen, Palästina oder auch Simbabwe und unter anderem für die Weltbank tätig war. Bisherige Integrationsprojekte würden „auf unselbstständige, abhängig beschäftigte Arbeit“ vorbereiten. „Das ist ein Defizit.“ Der Arbeits- und Beschäftigungseffekt sei größer, als wenn sie als unselbstständige Angestellte arbeiten. „Sie schaffen in der Regel mehr als einen Arbeitsplatz“, so Prof. Braun. So kämen auch Familienmitglieder in Arbeit. Dazu käme die Wertschöpfung neuer Produkte. Läden wie Barbiere würden das Rostocker Angebot bereichern. „Wir schaffen Neuerungen und eine Internationalisierung unserer Ökonomie.“

Der Zugang für die Flüchtlinge zum Projekt ist streng, erklärt Jutta Reinders vom Projektteam. Die Bürgerschaftsabgeordnete hatte auch das Projekt Füreinander dasein in Rostock begründet. Interessenten konnten sich seit Dezember bewerben, müssen Gründungsinteresse glaubhaft machen, Deutschkenntnisse und einen Aufenthaltstitel mitbringen. 15 werden das siebenmonatige Training ab Februar aufnehmen. „Wir wollen ein knallhartes Wirtschafts- und kein Sozialhilfeprojekt machen“, erklärt Prof. Braun.

Unterstützer sind zum Beispiel die Industrie- und Handelskammern zu Rostock und Schwerin, Arbeitsagentur, Jobcenter, Landkreis, Stadt, Hotel- und Gaststättenverband MV, Unternehmerverband oder auch die Deutsche Seereederei. „Sie unterstützen uns vor allem ideell“, sagt Reinders. Monetär mit 25 000 Euro fördert der Stifterverband für Deutsche Wissenschaft das Projekt. „Was wir zur Verfügung haben, ist relativ wenig“, so Reinders. Dozenten kommen auch aus Berlin oder Hamburg – und sollen zumindest die Anreise erstattet bekommen. „Entscheidend ist die Ehrenamtsarbeit“, sagt Reinders. Die wird auch nach Ablauf der Kurse nötig werden, wenn die Teilnehmer vor der eigentlichen Gründung stehen.

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