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Crowdfunding in Rostock : Über das Leben mit dem Tod

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Ines Schmidt hat ein Buch über die Krankheit ihres Sohnes Paul geschrieben. Mit Freunden sammelt sie Spenden für die Veröffentlichung. #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 01.Jan.2017 | 09:00 Uhr

Mit 16 Jahren hat Paul gemerkt, dass etwas mit seinem Körper nicht stimmt. Mit 17 kam die Diagnose: Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS – eine unheilbare Erkrankung des Nervensystems, erinnert sich Pauls Mutter Ines Schmidt. Er habe noch einige Jahre zu leben, seine Muskeln würden nach und nach schwächer. „Doch Paul hat sich entschieden, zu kämpfen“, sagt Ines Schmidt – bis zum Ende. Mit 25 Jahren ist er dann seiner Krankheit erlegen. Jetzt hat seine Mutter das Buch „Am Leben Sein“ geschrieben, in dem sie Pauls Geschichte erzählt. Doch um das Werk drucken zu lassen, braucht sie Unterstützung. Deshalb hat sie mit Pauls Freunden ein Crowdfunding-Projekt gestartet, um Spenden zu sammeln.

Wie einen Schatz voll kostbarer Erinnerungen hält Ines Schmidt das dicke, schwere Manuskript in den Händen. Die Seiten sind gefüllt mit Textpassagen, Illustrationen und unzähligen Fotos – von und mit Paul. „Als er gegangen war, habe ich gemerkt, dass er eine ganze Menge hinterlassen hat“, erklärt Pauls Mutter. Fotos, Gedichte, Musik. Paul war sehr talentiert, hat Cello und Gitarre gespielt und Songs komponiert. Sogar als er sich kaum noch bewegen konnte, per Sprachcomputer mit den Augen. Einige wurden auf CD gebrannt und sollen im Buch Platz finden.

„Musik war immer ein wichtiger Teil in Pauls Lebens“, sagt Franziska Rössel, eine seiner engsten Freundinnen. „Aus ihr hat er viel Kraft geschöpft“, erinnert sich die 27-Jährige, die einige Passagen zum Buch beigetragen hat und mit Matthias Ruck auch auf der CD zu hören ist. Es geht aber nicht darum zu erzählen, wie schrecklich ALS ist: „Ich war immer fasziniert, wie Paul die Krankheit ertragen hat. Er hat versucht, so viel wie möglich mitzunehmen, hat trotz der Diagnose immer weiter Musik gemacht, ein Studium in Berlin begonnen und als er bereits auf den Rollstuhl angewiesen war, New York besucht“, erinnert sich Ines Schmidt. „So schlimm und schrecklich der Verlust ist – ich spüre es täglich – soll das Buch lebensbejahend sein und anderen helfen.“ Anderen helfen will Ines Schmidt auch, wenn ihr Buch „Am Leben Sein“ endlich verlegt worden ist. Vom Erlös jedes fertigen Buches soll ein Teil an die Palliativstation der Rostocker Uniklinik gehen.

Bis zum 16. Januar läuft das Projekt. Um ihr Spendenziel zu erreichen, haben Pauls Freunde außerdem ein Benefizkonzert im Mau-Club organisiert – Eintritt auf Spendenbasis. „Die Idee war naheliegend, weil Paul selbst so gern Musik gemacht hat“, sagt Franziska. Am 13. Januar musizieren sie mit den Rostocker Bands Rockvalley, Sugar The Hips, Seelenschiffe und Les Bummms Boys. „Wir wollen all das spielen, was Paul auch gefallen hätte und positive Stimmung verbreiten“, sagt die 27-Jährige. Auf dem Konzert sollen auch Titel erklingen, die auf der CD zum Buch zu hören sind. „Eigentlich sind wir nicht die Typen, die sagen: Gib’ mal was“, so Ines Schmidt. „Aber in diesem Fall müssen wir einfach etwas Druck machen“, sagt Pauls Mutter.

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